Sekten: Zwölf-Stämme-Aussteiger schildert hartes Leben der Kinder - "Der Satan schläft nie"

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Sie leben streng nach den Regeln des alten Testaments, schicken ihre Kinder nicht zur Schule und halten körperliche Züchtigung für ein legitimes Erziehungsmittel: Die unheimliche Sekte „Zwölf Stämme“ ist eine Gruppierung, die, wie sie selbst schreibt, lebt, „wie die Jünger der Urkirche, die ihre Karriere und ihren Besitz hinter sich ließen“.

Die Sekte sieht sich als extrem bibeltreu und in der Tradition des Urchristentums - und seit 2013 läuft ein Verfahren gegen Mitglieder der Sekte, das ihnen das Sorgerecht über die Kinder entziehen will. Schwächt es die radikal-christliche Gemeinde?

Zwölf-Stämme-Aussteiger Robert Pleyer glaubt nicht daran. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Pleyer, der seit drei Jahren im bayerischen Wald lebt, in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Focus".

"Das schweißt die Gruppe zusammen"

„Aktuell fühlen sie sich als Verfolgte des bösen Staates. Das schweißt die Gruppe zusammen.“ Der Alltag sei für die Zwölf Stämme schwieriger gewesen, weil einige Mitglieder ins Grübeln gekommen seien und unangenehme Fragen gestellt hätten. „Nun aber haben sie wieder gemeinsame Feinde - den Staat, Journalisten und mich.“

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Der Vater von vier Kindern erklärte, dass der Nachwuchs voll in den Arbeitsalltag der Zwölf Stämme integriert gewesen sei. Freizeit habe es für die Kinder nicht gegeben. So hätten sie etwa am Sonntag Schraubensätze für die gemeindeeigene Solarfirma zusammenfügen müssen. „Sobald sie dazu fähig waren, wurden sie voll eingesetzt“, sagte Pleyer.

„Wenn wichtige Ernten anstanden, fiel sogar die Schule aus.“ Persönlichen Lohn hätten weder die Kinder, noch die Jugendlichen oder Erwachsenen erhalten. Die Familien hätten zwar ein Bankkonto – etwa zur Überweisung des Kindergeldes – besessen, die Pin-Nummern aber seien nur dem Ältestenrat der Zwölf Stämme bekannt gewesen.

Pleyer war 20 Jahre als Bäcker und Lehrer bei den Zwölf Stämmen tätig. Am 1. Oktober erscheint sein Buch „Der Satan schläft nie“, in dem er seinen Werdegang bei der umstrittenen weltweit agierenden Glaubensgemeinschaft schildert.

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