Die Sharing Economy wird unser Leben auf den Kopf stellen - und das ist gut so

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AIRBNB
Getty
Drucken

Die Sharing Economy ist längst von der Theorie zur Wirklichkeit geworden - und das in Rekordzeit. Über das Internet teilen die Menschen täglich millionenfach Güter und Dienstleistungen.

Experten sprechen von einer neuen Wirtschaftsordnung. Gleichzeitig empören sich beispielsweise Taxifahrer und Hotelketten darüber, dass Portale wie Airbnb, MyTaxi oder Uber ihnen das Geschäft ruinieren, weil potentielle Kunden dazu übergegangen sind, ihre Wohnungen und Autos schlichtweg mit anderen zu teilen.

Das Internet entwickelt sich in rasanter Geschwindigkeit und es lässt sich nur schwer kontrollieren. Vielen Menschen macht das Angst.

Angst vor einem Monopol durch Großkonzerne wie Google und Facebook

Gefürchtet wird vor allem die fortschreitende Monopolisierung durch Großkonzerne wie Google, Facebook oder eben Airbnb und Uber. Dem Machtmissbrauch durch diese Internet-Giganten müsse vorgebeugt werden, sagte Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg in der gestrigen Sendung von Maybrit Illner. "Ich glaube, dass man unterschiedliche Ansätze braucht, denn Macht wird nicht freiwillig geteilt und wir reden von wirklich sehr viel Macht."

Hinzu kommt die Angst, dass in Zukunft tausende von Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Schon jetzt klagen Taxifahrer darüber, dass sie ihre Gäste verlieren, den Preiskampf gegen Portale wie MyTaxi aber nicht gewinnen können.

Ziel der Politik: Arbeit gerecht aufteilen

Ziel der Politik müsse es daher sein, zu gewährleisten, dass auch in Zukunft die verbleibende Arbeit gerecht aufgeteilt werde, sagte Verdi-Gewerkschafterin Leni Breymaier am Donnerstagabend in der Talkshow von Maybrit Illner.

Sie macht sich Sorgen darüber, dass Profis künftig immer häufiger durch Amateure abgelöst werden könnten - sei es nun im Transport oder sogar im Handwerk. Ganze Berufsfelder könnten geschädigt werden.

"Das sind nicht neue Modelle der Ökonomie, sondern neue Formen der Ausbeutung", sagte auch DGB-Chef Reiner Hoffmann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zum Thema Sharing Economy vor wenigen Wochen.

Sharing ist eine positive Entwicklung

Aber ist es nicht im Grunde eine positive Entwicklung, dass Menschen miteinander in Kontakt treten und das, was sie besitzen und das, was sie gelernt haben, mit anderen teilen?

So sieht es zumindest Gunnar Froh, Gründer der Online-Plattform WunderCar. Nutzer seiner App können Fahrgäste in ihrem privaten Auto transportieren. Er betont, wie wichtig dabei der Kontakt zu den Menschen ist, wie häufig es vorkomme, das sich aus flüchtigen Bekanntschaften mehr entwickle.

Er selbst hat in diesem Jahr schon mehr als 100 Gäste in seiner Privatwohnung beherbergt, erzählte Froh in der Sendung von Maybrit Illner. “Dieser Trend birgt mehr Chancen als Risiken für uns alle. Und er wird sich durchsetzen!"

“Wenn das Internet frei bleibt und nicht monopolisiert wird, kann jeder davon profitieren”

Auch der renommierte US-Ökonom und Bestseller-Autor Jeremy Rifkin sieht die Entwicklung des Superinternets, wie er es nennt, durchaus positiv. Der Zugang zu Produkten und Ideen werde in Zukunft immer wichtiger werden, als Besitz, sagte er in der gestrigen Sendung.

“Wenn das Internet frei bleibt und nicht monopolisiert wird, kann jeder davon profitieren”, sagte der Amerikaner. Jeder könne Dienstleister werden. “Es passiert ja schon längst. Menschen produzieren Videos und teilen sie auf YouTube. Sie erstellen Nachrichten und teilen sie auf ihren Blogs. Sie nehmen Songs auf und teilen Sie mit der Netzgemeinde. All diese Inhalte sind Allgemeingut.”

Der Ökonom hat keine Angst davor, dass schon bald eine Reihe von Großkonzernen genau diese Sharing Economy für sich beansprucht. Ohnehin hätten die Big Player wie Airbnb oder Uber auf Dauer keine Chance. Der Markt werde sich selbst regulieren.

“Die Fahrer in Berlin werden sehr bald auf die Idee kommen, sich selbst zu organisieren und den Gewinn gerecht untereinander aufzuteilen - auf lokaler Ebene. Jede Stadt wird so etwas haben.”

Altmeier: Chancen erkennen und Gefahren beherrschen

Klar ist, dass es es Angesichts der rasanten Entwicklung viele offene Fragen gibt. Es werden noch unzählige Diskussionen geführt werden müssen, es wird neue Gesetze geben und möglicherweise auch Regulierungen im Netz.

Aber das ist kein unüblicher Prozess. Im Laufe der Geschichte ist es immer wieder vorgekommen, dass Berufe ausgestorben sind oder neu erfunden wurden, dass einzelne Erfindungen die Welt vollständig auf den Kopf gestellt haben. So sieht es auch Anke Domscheit-Berg. "Und das war unter dem Strich in der Regel zum Vorteil des Menschen", sagte sie.

Kanzleramtsminister Peter Altmaier, der ebenfalls bei Maybrit Illner zu Gast war, empfindet die Entwicklungen als spannend. “Und deshalb ist die Frage: Wollen wir das nur abwehren und wollen wir sagen, wir haben Angst davor oder sagen wir, wir wollen die Chancen erkennen und wir wollen die Gefahren beherrschen?"

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war der Satz "Und in der Regel war es zum Vorteil der Menschen" nicht Frau Domscheit-Berg zugeordnet worden. In der Tat sagte sie in der Sendung vom 11. September 2014: "Und das war unter dem Strich in der Regel zum Vorteil des Menschen". Wir bitten darum, dies zu entschuldigen.

Korrektur anregen