Glaube als Fortschrittskiller: Wie Religion die Wirtschaft ausbremst

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Glaube als Fortschrittskiller: Wie Religion die Wirtschaft ausbremst | dpa
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Religion ist das Opium des Volkes, schrieb Karl Marx 1843. So weit würden die US-Forscher der renommierten Princeton University zwar nicht gehen - ihre jüngsten Studienergebnisse zur Auswirkung von Religion sind aber ebenfalls ein herber Seitenhieb auf die Konfessionen.

Ihre erstaunliche Erkenntnis: In Gegenden, in denen die Menschen besonders gläubig sind, ist die Wirtschaftskraft auffällig niedrig.

Je religiöser, desto weniger innovativ

"Orte mit einem höheren Grad an Religiosität weisen ein niedrigeres Maß an wissenschaftlicher und technischer Innovation auf", bilanziert das Forscherteam in der Studie.

Als Grundlage dieser Ergebnisse verwendeten die Forscher unter anderem die Anzahl der Patente in Relation zur Einwohnerzahl US-amerikanischer Bundesstaaten. In einem aufwendigen Rechensystem, das sich über mehrere Seiten erstreckt, konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass "fromme" Gegenden ökonomisch weitaus weniger gut entwickelt sind als weniger religiös geprägte Gebiete.

princeton

(Sieht kompliziert aus - ist es auch: Ein Auszug aus der jüngsten Studie, die Princeton-Forscher veröffentlicht haben)

Auch unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede wie Einkommen, Bevölkerungsgröße und Bildungsgrad habe sich das gleiche Bild gezeigt, so die Wirtschaftswissenschaftler.

Glaube als Fortschrittskiller - wie kann es sein, dass Religion solch einen großen Einfluss auf die Gesellschaft hat?

Gläubige Menschen verhindern Fortschritt

Roland Bénabou, ein Mitglied des Forscherteams, vermutet, dass der politische Einfluss religiöser Menschen in vielen Gegenden besonders hoch ist. Heißt im Klartext: Gläubige Menschen in Machtpositionen neigen häufig dazu, Fortschritt zu verhindern.

"Neue Konzepte und Ideen aus der Wissenschaft, technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel werden dann mit größerer Skepsis begegnet", so Bénabou. Darunter würden zum Beispiel Lehrbücher für Schulen oder Subventionen für die Wissenschaft leiden.

"Die Kirche hat enorm an Einfluss verloren"

Ob die Studie der US-Forscher auch auf Deutschland übertragen werden kann, ist unklar. 2012 erst hat der Religions-Soziologe Detlef Pollack der katholischen Kirche ihre Strahlkraft in Deutschland abgesprochen. "Die Kirche hat enorm an Einfluss und Prägekraft verloren", sagte Pollack dem Deutschlandfunk.

Dennoch: Der Einfluss der Kirche geht vielen Deutschen immer noch zu weit. Das beweist eine Umfrage der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland von 2011, nach der sich jeder Zweite weniger Einfluss der katholischen Kirche wünscht.

Statistik: Sollte die katholische Kirche in Deutschland künftig mehr oder weniger Einfluss auf Politik und Gesellschaft haben? | Statista

Fakt ist: Die christlichen Kirchen sind in Deutschland stark in politische Debatten und Prozesse eingebunden.

„Sie bedienen sich seit Jahrzehnten professioneller politischer Instrumente und werden insbesondere in ethischen, sozial- und bildungspolitischen Debatten auch von nicht-religiösen Akteuren anerkannt – trotz voranschreitender Säkularisierung in der Gesellschaft“, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Theologin und Soziologin Judith Könemann von der Uni Münster.

Ob und wie sich Religion in Deutschland auf die Wirtschaftskraft und Innovation auswirkt, ist hingegen noch unklar.

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