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Das sind die WIRKLICH bewiesenen Gefahren von Cannabis

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Das sind die WIRKLICH bewiesenen Gefahren von Cannabis | Thinkstocki
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Endlich hat die Cannabis-Bewegung auch in Deutschland Fahrt aufgenommen. Die Bayern schicken sich gerade an, der ganzen Bundesrepublik zu zeigen, was man tun muss, damit die Verwendung von Cannabis zur Behandlung von Krankheiten, aber auch das Kiffen hierzulande legal werden.

In anderen Ländern ist das schon längst der Fall, und überall dort zeigt sich, dass die Vorteile so sehr überwiegen, dass an Nachteile gar nicht mehr zu denken ist.

Es gibt aber noch Kritiker, natürlich, die beharrlich gegen die Legalisierung kämpfen, und dabei auch und vor allem die Gefahren von Cannabis anführen.

Aber welche Gefahren eigentlich? Und welche davon existieren tatsächlich?

Macht Cannabis süchtig?

Ausgeschlossen ist es nicht, dass Cannabis-Konsum genauso wieder Genuss anderer Substanzen zu einer Sucht führen kann. Es ist unter Experten aber mindestens umstritten und keinesfalls bewiesen. Die Mehrheit ist sich sogar einig, dass eine körperliche Abhängigkeit unwahrscheinlich ist.

Mit einer psychischen Abhängigkeit verhält es sich anders, sagt zum Beispiel Dr. Christian G. Schütz, Psychiater an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn.

Studien hätten gezeigt, dass etwa fünf bis zehn Prozent der Cannabis-Konsumenten die Kriterien der Abhängigkeit erfüllen, wenn die psychischen Symptome berücksichtigt werden.

„Allerdings sind sie seltener abhängig als etwa Nikotin-, Heroin- oder Kokain-Konsumenten.“ Es gibt sogar Studien, die belegt haben, dass Cannabis weniger abhängig macht als Koffein.

Ist Cannabis so gefährlich wie harte Drogen?

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz stellt Cannabis auf eine Stufe mit Drogen wie Kokain, LSD und Heroin – den Substanzen mit dem höchsten Gefahrenpotential. Den Drogen- und Suchtberichten der Bundesregierung aus den vergangenen Jahren ist allerdings zu entnehmen, dass Cannabis keinen einzigen der Drogentodesfälle verursachte.

Lesen Sie auch: Viel mehr als einen Joint – was man aus Cannabis alles machen kann

Anfang des Jahres wollen Gerichtsmediziner der Uniklinik Düsseldorf die weltweit ersten Todesfälle nachgewiesen haben, die durch Cannabis-Konsum ausgelöst wurden. Die Erkenntnisse sind umstritten.

Selbst wenn es einen Zusammenhang geben würde, wäre Cannabis immer noch das sicherste Medikament aller Zeiten.

„Wenn man über jedes Medikament sagen könnte, nachdem man es jahrzehntelang verwendet hat, ‚wir haben jetzt die ersten beiden Todesfälle ausgewiesen’, dann sollte man eigentlich total begeistert sein“, sagte Cannabis-Experte Dr. Franjo Grotenhermen. „Das werden Sie bei kaum einem Medikament finden.“

Demzufolge sind also andere Medikamente deutlich gefährlicher. Aber wer diskutiert schon die Gefahren von beispielsweise Kopfschmerzmitteln?

Dabei ist Aspirin möglicherweise tatsächlich schlimmer. Die amerikanische Drogenbehörde DEA hatte Ende der 80er-Jahre versucht, Labortiere mit Marihuana zu töten.

Das Fazit der Wissenschaftler: „Um an Cannabis zu sterben, müsste ein Kiffer 1500 Pfund rauchen - innerhalb von 15 Minuten." Aspirin beispielsweise sei da weitaus gefährlicher.

Ist Cannabis der Einstieg zu (noch) härteren Drogen?

Häufig behauptet, aber nie bewiesen, ist, dass Cannabis Menschen anstiftet, härtere Drogen wie Crystal Meth, Koks oder Heroin zu nehmen.

Die Befürworter dieser These berufen sich auf Statistiken, vernachlässigen dabei aber, dass Korrelationen in einer Statistik nicht automatisch bedeuten, dass ein kausaler Zusammenhang besteht.

Menschen, die Heroin oder Kokain nehmen, haben zwar zuvor oftmals Marihuana geraucht. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass Marihuana die Ursache für ihren Konsum war.

Lesen Sie alle News zum Thema Cannabis in unserem News-Blog.

Maia Szalavitz vom US-Magazin „Time“ erläuterte die Thematik an einem anschaulichen Beispiel anschaulich: „Bei Mitgliedern der Motorradgang ,Hell’s Angels’ ist es 104 Mal wahrscheinlicher, dass sie bereits als Kind Fahrrad gefahren sind.“ Aber bedeutet das, dass Fahrradfahren der erste Schritt zur Karriere als Mitglied einer Motorradgang ist?”

Unwahrscheinlich.

Schadet Cannabis dem Gehirn?

„Es gibt bei erwachsenen Menschen keinerlei Hinweise, dass Cannabis schädlich ist“, sagt Experte Grotenhermen. „Das entwickelte Gehirn nimmt keinen Schaden.“ Es gebe zwar eine einzelne Studien, die zu einem anderen Ergebnis gekommen seien. „Allerdings waren dort Menschen betroffen, die mehr als zehn Joints am Tag rauchen.”

Auch Dr. Schütz geht in diese Richtung: „Ob Cannabis zu kognitiven Langzeitschäden führt, ist nicht geklärt und nach unseren jetzigen Ergebnissen auch eher fraglich.“

Grotenhermen warnt vor Cannabis-Konsum bei Jugendlichen, da deren Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist. Aber 14-Jährige sollten auch grundsätzlich noch keine Drogen nehmen – deshalb ist das Argument eher zu vernachlässigen.

Fazit

Nein, es lässt sich nicht ausschließen, dass Cannabis Gefahren birgt. Es lässt sich aber sagen, dass es etliche legale Dinge gibt, deren Gefahren im Gegensatz zu denen von Cannabis größer und vor allem schon bewiesen sind.

Ja, sicher, das Thema bleibt umstritten, und das ist auch in Ordnung. Wissenschaftler mögen bitte unbedingt weiterforschen über die Vor- und Nachteile von Cannabis. Im Zweifel schaffen sie dabei nämlich immer wieder ein paar unbelegte Vorurteile aus dem Weg.

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