WIRTSCHAFT
13/08/2014 08:43 CEST | Aktualisiert 13/08/2014 14:24 CEST

Chemie im Brötchen: Die Wahrheit hinter den Billig-Brötchen

dpa
Was steckt in den Billig-Brötchen?

Brot und Brötchen gibt’s mittlerweile überall, auch an der Tanke und am Kiosk. Und – gefühlt – immer billiger. 13 Cent für ein Brötchen – kein Problem. „Frische Backware. Mehrmals täglich frisch für Sie gebacken“ - das sind die Werbeversprechen der Discounter.

Eigentlich weiß ja jeder (oder sollte es wissen), dass damit "frisch aufgebacken" gemeint ist. Teiglinge aus einer Tiefkühltruhe werden aufgebacken oder industriell vorgefertigte Backmischungen angeboten.

Das klassische Brothandwerk stirbt aus. „Eigentlich reichen vier Zutaten für ein gutes Brot: Mehl, Wasser, Teig und Hefe und ansonsten nichts“, sagte Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern dem ARD-Magazin „Plusminus“.

Billig-Brot aus dem Metallgitter

Bei Bäckereien, die solche Brote anbieten, wird es schnell teurer. Doch 4 Euro oder mehr für ein Brot ausgeben? Niemals, denken da viele Deutsche und holen sich lieber mit einer Greifzange fertige Brote und Brötchen aus einem Metallgitter bei Lidl. Bei Aldi gibt’s Brot auf Knopfdruck im Automaten.

Selbst Bäckereien, denen man es nicht ansieht, weil sie ein "Hildegard von Bingen"-Brot versprechen, setzen verstärkt auf Fertigbackmischungen der Industrie. Denn diese Mischungen versprechen, dass die Produkte immer gleich werden. Gleich schön, gleich groß. Ohne unschöne Überraschungen.

Die Zutatenliste

„Plusminus“ hat in einem Beitrag von Ende 2013 beispielhaft die Zutaten einer Industrie-Fertigbackmischung aufgezählt:

„Dinkelmehl, Malzmehl (Dinkel, Roggen), getrockneter Roggensauerteig, Dinkelvollkornschrot, Dinkelvollkornmehl, Weizenkleber, jodiertes Speisesalz, Süßmolkepulver, Guarkernmehl, Weizenspeiesekleie, Traubenkonzentrat, Ascorbinsäure, Enzyme.“

Die eingesetzen Enyzme finden sich auf den Supermarkt-Etiketten nicht wieder. Sie müssen nicht angegeben werden, weil sie beim Backprozess zerfallen.

Genau hier beginnt es spannend zu werden. Es sei "kaum erforscht", wie diese Stoffe im Körper wirken, berichtet Stern.de und spricht vom "Chemieeinsatz auf Kundenwunsch“.

„Empfindlich reagieren Allergiker und Kinder, die die Enzyme in großen Mengen nicht vertragen“, erklärt Verbraucherschützerin Daniela Krehl. Daher seien viele Zusatzstoffe "wirklich kritisch zu sehen". Die Enzyme in den Backmitteln stünden im Verdacht, das sogenannte Bäckerasthma, warnt gar Greenpeace.

Unsinn, kontert die Industrie. Die Gesundheit der Verbraucher würde nicht gefährdet.

Das Brot der Zukunft ist acht Wochen frisch

Lebensmittelrechtlich sind Enzyme aus genetisch manipulierten Bakterien und Pilze erlaubt. Sie sind zugelassen worden.

Ihr Nutzen? Sie vergrößern das Backvolumen, machen den Teig weniger klebrig und das Endprodukt frischer. Und zwar für einen unfassbar langen Zeitraum: Durch die Zugabe von künstlichen Enzymen könne Brot bis zu acht Wochen wie frisch gebacken schmecken, berichtete das „Süddeutsche Zeitung Magazin“.

Ein Reporter schaute sich jüngst beim Biotechnologie-Konzern Novozymes unweit von Kopenhagen um.

In neunzig Prozent deutscher Backprodukte würden bereits Enyzme von Novozymes stecken. „Und ich wäre wirklich überrascht, wenn es irgendwo bei Ihnen einen Supermarkt oder eine große Bäckereikette gäbe, die keines unserer Enzyme im Brot verwendet“, sagte Novozymes-Europachef Lars Hansen im Gespräch mit dem „SZ Magazin“.

Das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel lobt sogar die Qualität der Industrieprodukte: "Die Industrieherstellung wird immer besser. Nicht bei jedem Hersteller, aber bei einer Vielzahl von Herstellern", erklärte Institutsleiter Meinolf Lindhauer gegenüber "Plusminus".

Die Produkte würden sich durch eine "höhere Gleichmäßigkeit" und einen "höheren Standard der optimalen Herstellung" auszeichnen. Der Einsatz der Enzyme sei nach dem "Stand des Wissens für Verbraucher nicht gefährlich", hieß es auf Anfrage beim Institut.


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