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Bild-Chef Diekmann twittert peinlichen Wulff-Brief - und entlarvt damit den Ex-Bundespräsidenten

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Christian Wulff führt derzeit eine äußerst erfolgreiche Medienkampagne. Es geht um nichts weniger als sein politisches Erbe: Die Republik soll ihn nicht wegen der Korruptionsvorwürfe, der Salami-Taktik in Sachen Öffentlichkeitsaufklärung und dem quälend langen Abschied aus dem Amt in Erinnerung behalten.

Christian Wulff sieht den Bundespräsidenten Wulff also als Opfer. Von den Medien aus dem Amt getrieben, von Berliner Establishment wegen seiner freigeistigen Ansichten zum Thema Islam gehasst. So liest es sich jedenfalls im Spiegel-Interview, das am Sonntag erschienen ist.

Natürlich hat Wulff ein Stück weit Recht: Viele Journalisten begingen im Winter 2011/12 Grenzverletzungen. Die Politikredaktion der Berliner Zeitung etwa, als sie im Januar 2012 die „Bobbycar-Affäre“ enthüllte. Ein Autohändler hatte damals eines der knallroten Spielzeuge an Wulffs Adresse liefern lassen, angeblich soll der Sohn des damaligen Präsidenten von diesem Geschenk profitiert haben. Eine Lappalie, aus Jagdtrieb aufgeblasen zur Staatsaffäre. Mit gutem Grund hagelte es später Medienkritik.

Der falsche Mann für Bellevue

Was Wulff jedoch gerne ausblendet: Er war zwar ein guter Ministerpräsident, aber von Anfang an der falsche Mann für das Amt des Bundespräsidenten. Zu den großen Themen, die in seiner Präsidentschaft diskutiert wurden - Arabischer Frühling, Datensicherheit, Eurokrise – hat er nie einen intellektuellen Zugang gefunden. Christian Wulff war ein seltsam sprachloser Präsident. In einem Amt, das vor allem von der Macht des Wortes lebt.

Auch seine Amtsführung ließ immer wieder Zweifel daran aufkommen, ob er politisch den Sprung von der Staatskanzlei in Hannover ins Schloss Bellevue geschafft hatte. Bisweilen war Wulff ein ziemlich peinlicher Präsident.

Das belegt auch ein Foto, das Bild-Chefredakteur Kai Diekmann Montagmorgen getwittert hat. Es zeigt ein Dankesschreiben, in dem sich Wulff 2010 bei Diekmann für dessen „Unterstützung“ bei der Wahl zum Bundespräsidenten erkenntlich zeigt. Der Brief ist auf offiziellem Briefpapier verfasst. Im letzten Absatz lädt Wulff explizit Diekmann und dessen Frau zu einem Besuch im Schloss Bellevue ein. Penetranter kann ein Politiker die Nähe zu den Medien wohl nicht suchen.

Man könnte das Posting als Kabbelei unter (ehemals) Mächtigen abtun. Doch der Brief ist mehr: ein Zeitdokument. Die Zeilen liefern eine gute Erklärung dafür, warum es mit dem Bundespräsidenten Wulff soweit kommen konnte. Ein Wunder, dass erst so spät offenbar wurde, wie schamlos der Bundespräsident mit seinem Amt umging.

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Christian Wulff – Aufstieg und Absturz
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