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USA behalten sich direkte militärische Reaktion gegen Isis-Terroristen im Irak vor

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Die Lage im Irak ist brenzlig, das Land droht zu zerbrechen, nachdem islamistische Terroristen der Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) Stadt um Stadt einnehmen. Die Extremisten sind nicht gestoppt, doch ein direktes Eingreifen wird es von Seiten der USA nicht geben.

"Wir können es nicht für sie machen"

US-Präsident Barack Obama hat jedoch ein Eingreifen amerikanischer Bodentruppen in den Konflikt ausgeschlossen. "Die Vereinigten Staaten werden ihren Teil beitragen, aber verstehen Sie, dass es am Irak liegt, seine Probleme als souveräne Nation selbst zu lösen", sagte Obama. "Wir können es nicht für sie machen."

Der Vorstoß extremistischer Gruppen sei ein "Weckruf" für die Bagdader Regierung. "Es kann im Irak keinen Frieden geben, wenn sich örtliche Politiker stets auf amerikanische Hilfe verlassen."

Auch die Türkei will nicht militärisch eingreifen, um die rund 80 türkischen Geiseln im Nordirak zu befreien. Die Regierung bemühe sich um eine diplomatische Lösung, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Linke sehen Deutschland in der Mitschuld

Die Bundesregierung hat nach Auffassung der Linkspartei wegen deutscher Rüstungsexporte in die Region eine indirekte Mitschuld. Katar wie auch Saudi-Arabien unterstützten islamistische Extremisten in Syrien und im Irak.

Beide Staaten zählten zu den größten Empfängern deutscher Rüstungslieferungen, sagte der außenpolitische Sprecher der Linken, Jan van Aken, der "Saarbrücker Zeitung" vom Freitag. "Hier muss die Bundesregierung ihre Haltung dringend revidieren."

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Freitag), die USA hätten eine Mitverantwortung für die jüngsten Erfolge der Islamisten im Irak. Weder beim Einzug in das Land 2003 noch beim Rückzug hätten die US-Amerikaner "eine überzeugende politische Strategie für den Irak" gehabt. Eine Militärinvention Deutschlands schloss er aus.

Iran reagiert mit Revolutionsgarden

Der Iran schickte unterdessen nach einem US-Medienbericht Revolutionsgarden in den benachbarten Irak, um die Dschihad-Verbände der ISIS zurückzudrängen, die große Teile im Norden und Westen des Iraks erobert haben. Mindestens drei Bataillone der Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, wurden zur Unterstützung geschickt, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise.

Unter dem Druck der islamistischen Isis-Kämpfer droht der Irak zu zerbrechen. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki bekam im Parlament keine Unterstützung für Notstandsmaßnahmen und im Kurdengebiet übernahmen Kurdenkämpfer regional die Kontrolle.

Offiziere machten Al-Maliki sogar für die Schwäche des Widerstands gegen die Extremisten verantwortlich. Der Armeekommandant der Provinz Anbar, die sich seit Mittwoch in der Hand von Isis befindet, sieht laut "Al-Sumaria News" "das Fehlen eines moralischen Führers" als einen der Gründe, weshalb viele irakische Soldaten vor den Isis-Kämpfern geflohen sind.

Isis-Kämpfer rücken bis kurz vor Bagdad vor

Kämpfer der Isis rückten am Donnerstag bis auf 60 Kilometer an Bagdad heran, bevor ihr Vormarsch gestoppt werden konnte. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht.

Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Irakische Truppen bildeten in Bakuba, der Provinzhauptstadt Dijalas, eine gemeinsame Front mit Polizeikräften und freiwilligen Stammeskämpfern.

Auch in Kirkuk wurden die Isis-Kämpfer nach kurzen Gefechten zurückgedrängt. Kurdische Medien meldeten, die ölreiche Stadt im Norden des Iraks sei nun in der Hand der unabhängigen Peschmerga, der Streitkräfte der kurdischen Autonomieregion.

Deren Offiziere sagten, sie wollten Kirkuk nicht mehr an irakische Truppen zurückgeben. Seit der US-Invasion 2003 war die nordirakische Stadt ein ständiger Streitpunkt zwischen irakischen und kurdischen Kräften.

Nach dpa-Informationen erbeuteten Isis-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro.

Isis schwer bewaffnet

Auch schweres Kriegsgerät soll Isis erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich.

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