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Warum in dieser US-Kleinstadt die Autos bald von alleine einparken

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TEAM BOSTON KONZEPT
Audi Urban Future Initiative

Im Bostoner Vorort Somerville sind die Menschen es gewohnt, dass der Erfolg ihrer Region von den vorhandenen Verkehrsmöglichkeiten abhängt. Als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt nördlich von Boston erlebte Somerville ab 1870 einen wirtschaftlichen Boom, in den 1920er Jahren baute Ford hier eine große Fabrik und produzierte sein Modell „Edsel“.

Doch ab 1950 ersetzten Schnellstraßen das Schienennetz. Und mit den Autobahnen zogen viele Betriebe in das günstigere Hinterland. Ford machte dicht und aus Somerville wurde im Volksmund schnell „Slummerville“.

Erst in den die 90er Jahren kam ein neuer Aufschwung: Mit einer neuen Bahnverbindung für Pendler zog Somerville junge Hightech-Spezialisten und ihre Familien an. Die 90.000-Einwohner-Stadt ist heute das am dichtesten besiedelte Gebiet von Neu-England.

Doch nach 150 wechselhaften Jahren zwischen Boom und Baisse will Somerville die Zukunft nicht mehr dem Zufall überlassen: neue Zugverbindungen und Bahnhöfe sind im Bau und aktuell stellt sich die Frage, wie der wertvolle Platz im Stadtzentrum möglichst intensiv genutzt werden kann.

das alte somerville

Damit der Vorort nicht erneut zum Spielball der Mobilität wird, entwickelt ein Team um Philip Parsons, dem ehemaligen Dekan der Harvard University, im Rahmen des Audi Urban Future Award 2014 eine Software-Lösung, mit der sich berechnen lässt, wo durch den Einsatz von innovativer Technologie Platz und Geld gespart wird.

Parsons erklärt: „Wir wollen beweisen, dass ganz neue Chancen für Städte entstehen, wenn die Stadtplanung eng mit der Verkehrsplanung verzahnt wird“.

Doch was bedeutet das im Detail? Ein Beispiel wäre der Einsatz von pilotierten Fahrsystemen in Parkhäusern. Der Fahrer stellt sein Auto vor dem Gebäude ab, aktiviert die Parkfunktion und schaut zu, wie das Fahrzeug selbstständig den Weg in die Garage findet und einparkt.

Durch die automatisierte Lösung ist der nötige Parkraum deutlich geringer – niemand muss aussteigen, das Fahrzeug braucht beim Rangieren zusätzlich deutlich weniger Fläche. Außerdem wäre eine Einfahrt, die gleichzeitig auch Ausfahrt ist, völlig ausreichend – die Fahrzeuge können sich miteinander absprechen und nacheinander den Zugang nutzen.

pilotiertes fahrsystem

Nach Berechnungen des Teams könnten Parkhäuser ihre Kapazität mehr als Verdoppeln – aus 24 traditionellen Parkplätzen würden bis zu 63 werden. Der neue Platz könnte für zusätzlichen Wohnraum, attraktive Grünflächen oder ein größeres Angebot an Restaurants, Cafés und Bars genutzt werden. Und Somerville hätte mal wieder von der Mobilität profitiert.

Die Audi Urban Future Initiative fördert den Dialog zwischen der Stadt, dem Automobil, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Mehr zum Thema Urban Mobility lesen Sie hier.