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(G)Lanzstück: Markus Lanz lässt AfD-Chef Bernd Lucke ziemlich alt aussehen

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LANZ
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Okay, das mit „Wetten, dass..?“ hat nicht geklappt. Aber Markus Lanz braucht die Show auch nicht. Er müsste stattdessen einfach in seiner Talksendung häufiger so auftreten, wie er es am Dienstagabend getan hat. Wie er mit AfD-Chef Bernd Lucke umging, war beste politische Unterhaltung. Das waren gute Fragen und nicht dieses Wischiwaschi, das er mit den Hollywood-Stars auf dem Sofa gepflegt hat. Mal lustig, mal sehr ernst.

Erst ließ Lanz Lucke sagen, was Lucke gern sagt: „Wie fühlt man sich als Chef einer neuen Volkspartei?“
Lucke: „Wir sind tatsächlich eine Volkspartei, weil wir von allen Schichten und politischen Richtungen gewählt wurden. Wir sind keine Klientelpartei wie die FDP.“

„Sie gehen nicht davon aus, dass Sie wieder verschwinden?“
„Wir werden nicht verschwinden, wir werden wachsen!“

„Die Besten gehören nach Berlin?“

Dann wurde er langsam kritischer: „A propos verschwinden? Warum verschwinden Sie 2017 schon wieder aus Brüssel?“, fragte Lanz da mit Blick auf Luckes Ankündigung, sein Mandat für das Europaparlament schon bald wieder abzugeben. „Sie sind doch gewählt bis 2019.“

Er habe doch vorher und immer gesagt, dass er in den Bundestag wolle, sagt Lucke, deshalb sei das auch kein Wählerbetrug.

„Aber das setzt Brüssel so herab“, merkt Lanz nicht zu Unrecht an.

Seine spezielle Qualifikation als Finanzexperte eigne sich mehr für den Bundestag, sagt Lucke.

Lanz: „Die Besten gehören nach Berlin?“

„Ich kandidiere jedenfalls.“

Dann sprechen sie über Luckes neue Aufgabe: „Wie geht’s Ihnen denn in Brüssel? Haben Sie ‘nen Chauffeur und einen Dienstwagen?“, fragt Lanz.

Habe er nicht, sagt Lucke, er habe noch nicht mal eine Sekretärin in Brüssel. Und überhaupt: Ganz fürchterlich sei dieses Gebäude (das EU-Parlament). „Wenn man sich da auskennt, finden Sie sich auch im Labyrinth von Knossos zurecht.“ Da hat sich Lucke mal wieder zu so einem Zitat hinreißen lassen, das sinnbildlich für die Haltung der AfD zu Europa steht.

„Sie nehmen sich’s aus allen Parteien“

Ein „paar Fragen zur Politik“, hat Lanz dann noch, „die wünschen Sie sich immer so gerne “. Bitte um kurze Antwort. „Was halten Sie vom Mindestlohn?“

Lucke: „Wir lehnen den Mindestlohn ab.“

Lanz: „Sie finden es okay, wenn Leute unter 8,50 verdienen?“

Lucke: „Nein.“

Auch auf HuffingtonPost.de: Angriff auf AfD-Chef Bernd Lucke

Der Mindestlohn sei ja nichts anderes, als dass der Staat eine sozialpolitische Verantwortung an Unternehmen abgegeben habe, sagt Lucke.

Lanz: „Sie übernehmen da also eine alte FDP-Position.“

Lucke: „Und eine der CDU.“

„Sie nehmen sich’s aus allen Parteien“, sagt Lanz.

„Und Sie machen es sich immer leicht", sagt Lucke.

Nächste Frage: „Wie steht Herr Lucke zur Adoption in gleichgeschlechtlichen Ehen?“

„Homosexuelle Paare dürfen ein Kind adoptieren, wenn es das biologische Kind eines der Partner ist.“ Das ist natürlich hanebüchen. Also hakt Lanz nach: „Sie sind also dagegen?“

„Nein, habe ich doch gerade erklärt. Ich bin dafür, dass der zweite Partner das Kind des ersten Partners adoptieren darf.“
Aber das sei doch keine Adoption, sondern nur ein Sonderfall, sagt Lanz. „Sie sind also dagegen.“

„Gegen die eine Form der Adoption bin ich, aber für die andere“, sagt Lucke.
Und Lanz: „Wir lassen das einfach mal so stehen.“

„Sie fliegen die also alle wieder zurück?“

Letztes politisches Thema, die Flüchtlinge: „Wenn Sie denn mal Bundeskanzler sind“, fragt Lanz, „dürfen Lampedusa-Flüchtlinge dann nach Europa oder nicht?“

Man müsse Menschen aus der Seenot retten, sagt Lucke, aber das sei noch keine Eintrittskarte in die EU. Die Leute solle man in ein sicheres Herkunftsland zurückführen.

Lanz: „Sie fliegen die also alle wieder zurück?“
„Ja“, sagt Lucke. Wer nach Deutschland wolle, könne einen ordentlichen Einreiseantrag ausfüllen.

Das hält Lanz zurecht für nicht so praktikabel und fragt: „Können Sie sich vorstellen, dass Menschen, die nicht lesen und schreiben können, in der Lage sind, einen Einreiseantrag ordnungsgemäß auszufüllen?“

Lucke: „Diese Menschen sind in der Lage, sich eine Reise zu organisieren, die sie hinführt zu irgendwelchen Küsten. Sie unterschreiben Verträge mit Schlepper-Organisationen. Wenn sie die Verträge unterschreiben, können Sie auch einen Einreiseantrag ausfüllen, glaube ich.“

Lanz: „Das wiederum glaube ich nicht.“

„Ihnen alles Gute weiterhin. Politisch“

Die beiden diskutieren dann noch ein bisschen darüber, dass es, wenn man in politischer Verantwortung ist, nicht mehr einfach nur schwarz oder weiß gebe, so nennt Lanz das. Lucke wiederum regt das ein bisschen auf.

Lanz: „Herr Lucke, letzte Frage, warum sind Sie immer so schnell genervt?“

Lucke: „Warum kann ein Talkmaster nicht fair mit einem Gast umgehen?“

Publikum: Mitleidvolles „Ohhhh“.

Lanz: „Finden Sie, ich habe Sie nicht fair behandelt? Ich finde, ich hab Sie fair behandelt.“

Lucke: „Sie sind mir immer ins Wort gefallen.“

Lanz: „Ihnen alles Gute weiterhin. Politisch.“

Und: „Ich hoffe, wir werden noch häufiger die Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen.“ Wenn Lanz dann immer so aufblüht, unbedingt!

Bernd Lucke wäre definitiv ein guter Gast für „Wetten, dass..?“ gewesen...

"Markus Lanz" vom 10. Juni 2014: Sehen Sie sich hier die ganze Sendung an

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