Immer mehr Minijobber in der Gastronomie - Branche kämpft mit dem Mindestlohn

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Die Zahl der Minijobber in Deutschland wächst. Ein großer Teil der 450-Euro-Kräfte arbeitet in Hotels, Bars und Restaurants. Fast jeder zweite der 1,8 Millionen Beschäftigten in der Branche verdient inzwischen auf Minijob-Basis sein Geld. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Nach Angaben des Ministeriums wuchs die Zahl der Minijobber in der Branche von 2005 bis 2013 um 34 Prozent, auf jetzt 894.000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen dort stieg ebenfalls an, auf etwa 922000, doch nicht so stark wie die der 450-Euro-Jobs.

Jeder dritte erhält weniger als Mindestlohn

Der Antwort zufolge erhielt 2010 in den Gastronomiebetrieben mit mindestens zehn Beschäftigten jeder dritte weniger als den geplanten Mindestlohn. In den neuen Bundesländern traf dies sogar auf zwei Drittel der Mitarbeiter zu. 2012 galt in 59 Prozent der Betriebe kein Tarifvertrag.

Markus Tressel, tourismuspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, der die Anfrage gestellt hat, sagte der SZ: „Die Branche muss dafür sorgen, dass die Quote der Minijobs sinkt und ordentliche Löhne gezahlt werden.“

Risiko der Abwanderung in die Schwarzarbeit

Der Anteil der Personalkosten gilt allerdings gerade im Gastgewerbe mit 25 bis 35 Prozent als sehr hoch. Der Mindestlohn könnte für Arbeitgeber teuer werden, wenn sie die Mehrausgaben nicht durch höhere Preise wieder hereinholen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband fürchtet daher vor allem bei Kleinbetrieben und Mittelständlern um Arbeitsplätze und fordert „eine differenzierte Lösung für Minijobber“. Außerdem warnt er: „Gerade bei der Gruppe der Minijobber besteht ein erhebliches Risiko der Abwanderung in die Schwarzarbeit.“

Dieses Problem sieht offenbar auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD): In der Antwort ihres Hauses wird angekündigt, dass die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll 2015 im Hotel- und Gaststättengewerbe besonders genau hinsehen werde.

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