Russischer Militärgeheimdienst wirbt in deutschen Kampfsportvereinen um Agenten

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Der russische Militärgeheimdienst GRU versucht nach Informationen des "FOCUS" aus Berliner Sicherheitskreisen, in deutschen Kampfsport-Clubs neue Informanten und Quellen anzuwerben. Die GRU-Agentenanwerber sollen sich in erster Linie für Mitarbeiter von Polizei, Bundeswehr, Justiz und privaten Sicherheitsdiensten interessieren.

Dies geschehe ausschließlich in Vereinen, in denen die altrussische Kampfkunst Systema gelehrt werde. Systema, derzeit unterrichtet in zirka 30 deutschen Städten, gehört zur festen Ausbildung russischer Spezialeinheiten, die derzeit in der Ostukraine im Einsatz sind.

Deutscher Dienst warnt schon lange

Der Militärische Abschirmdienst (MAD), der in Deutschland warnte bereits vor Jahren in Kampfschulen vor russischen Trainern in Deutschland, die zuvor Angehörige von Spezialeinheiten des Geheimdienstes und der Armee gewesen waren. Vor Monaten wurde einem Polizei-Hauptkommissar aus Norddeutschland der gewünschte Wechsel zum Verfassungsschutz verwehrt, weil er bei Systema-Schulungen in Moskau regelmäßig russische Geheimdienstler getroffen habe.

Der MAD, einer von drei deutschen Geheimdiensten, ist für die Abwehr von Sabotage zuständig, übernimmt beim Militär die Aufgabe, die im zivilen Bereich der Verfassungsschutz innehat, und hat in den vergangenen zehn Jahren fast 140.000 Überprüfungen vorgenommen.

Geeignete Systema-Schüler werden laut "FOCUS" oft in paramilitärische Trainingslager 140 Kilometer nördlich von Moskau eingeladen. Dort erlernen sie unter anderem den Umgang mit Sturmgewehr und Kampfmesser.

Nach "FOCUS"-Recherchen gibt es auch Kontakte von Systema-Lehrern in das streng geheime Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. In einem Fall wurde zusammen ein Dolch für den Nahkampf entwickelt.