POLITIK
19/05/2014 12:35 CEST | Aktualisiert 19/05/2014 14:34 CEST

5 Wahrheiten über die unheimliche Sekte "Zwölf Stämme"

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Ihre Mitglieder leben in Kommunen, irgendwie unsichtbar, fast Tür an Tür mit uns – und doch in einer ganz anderen Welt. Die Rede ist von der Sekte „Zwölf Stämme“.

Sie sieht sich als extrem bibeltreu und in der Tradition des Urchristentums. Das führt häufiger zu Gesetzesbrüchen, immer aber zu für die meisten Menschen nicht nachvollziehbaren Einstellungen und einer - in vielerlei Hinsicht - krassen Lebensweise.

Die so unscheinbare Gemeinschaft ist damit in der vergangenen Zeit immer stärker ins Visier der Öffentlichkeit geraten - und Stück für Stück wird Kritikern zufolge das fragwürdige System dahinter deutlich.

„Die ,Zwölf Stämme missbrauchen die Bibel für ihr Machtdenken“, sagt beispielsweise Axel Seegers, zuständig für Weltanschauungsfragen in der Erzdiözese München.

Und Wolfgang Behnk, der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche Bayerns, sagt: „Die Sekte bedient sich der Mittel geistiger Bevormundung, kollektiver Vereinnahmung, hierarchischautoritärer Unterwerfung, sozialer Isolation und disziplinarischer Repression.“

Hier kommen fünf Wahrheiten über die „Zwölf Stämme“:

1. Anhänger der „Zwölf Stämme“ leben streng nach den Regeln des alten Testaments. Ihre Kommunen sind streng hierarchisch gegliedert. Die männlichen Leiter nennen sich „Hirten“, die einfachen Mitglieder sind die Herde. Männer bezeichnen sie als Brüder, Frauen als Schwestern. Männer sind Frauen klar übergeordnet.

2. Ihre Kinder dürfen keine öffentlichen Schulen besuchen, um sie vor den Einflüssen der modernen Welt zu schützen.

Erst vergangene Woche widersetzten sich die „Zwölf Stämme“ wieder der Schulpflicht, das teilte die Glaubensgemeinschaft sogar selbst in einer "Pressemitteilung wegen Schulverweigerung" mit, die sie in ihrem Blog veröffentlichte.

2004 versuchten die Behörden in Bayern sogar, die Schulpflicht mit Erzwingungshaft durchzusetzen. Dann erlaubten sie der Sekte eine eigene Schule, zogen die Genehmigung aber im vergangenen Jahr zurück.

3. Die „Brüder“ und „Schwestern“ müssen hart und lange arbeiten, sie bekommen keinen Lohn und verzichten auf persönliches Eigentum. Eine Krankenversicherung lehnen sie wie jede staatliche Sozialleistung ab.

4. Als legitimes Erziehungsmittel sehen die "Zwölf Stämme" auch körperliche Züchtigung an. Im vergangenen Jahr hatte ein RTL-Reporter mit versteckter Kamera gefilmt, wie Sektenmitglieder Kinder mit der Rute schlagen. Das Landratsamt Donau-Ries erklärte damals, man habe "neuerliche Hinweise auf erhebliche und dauerhafte Kindesmisshandlung" in der Sekte erhalten.

Nachdem Gerichte den Eltern das Sorgerecht vorläufig entzogen hatten, holte die Polizei in einem Großeinsatz 40 Kinder aus der Sekte. Die meisten leben seitdem in Heimen und Pflegefamilien .

Die Disziplinierung beginnt bereits im Babyalter. Mit Hilfe von Sicherheitsnadeln, berichten Aussteiger, werden Säuglinge so eng in Tücher gewickelt, dass sie sich nicht mehr bewegen können. „Irgendwann hört das Zappeln und Schreien dann auf – das Baby fügt sich“, erklärte ein ehemaliges Mitglied.

Ein anderes beschrieb:

"Ich wurde fast täglich geschlagen, in der Schule ganz oft. Wenn du nicht schnell genug Kopfrechnen konntest, nicht gerade gesessen bist oder zum falschen Zeitpunkt aus dem Fenster geschaut hast, da hieß es dann: Geh in den Raum neben an! Die Lehrerin hat das schön umschrieben: Du bist in den Dreck gefallen und musst geduscht werden."

5. Mehrmals wöchentlich versammeln sich alle Mitglieder in einem großen Raum, dort werden die Glaubensinhalte gepredigt. Auch die Kleinsten müssen stundenlang aufmerksam zuhören. Eigenes Denken und Individualität sind unerwünscht, die Welt draußen ist schlimm, böse und vom Satan besessen, heißt es. Nur in der Gemeinschaft sei das Heil zu finden.

Mitglieder der „Zwölf Stämme“ erhalten keinerlei Zugang zu Medien, sie erhalten nur die Informationen, die die „Hirten“ ihnen predigen.

Auch auf HuffingtonPost.de: #BringBackOurGirls-Kampagne:

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