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6 Gründe, warum Asiaten besser in der Schule sind als IHR Kind

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Sie haben bessere Noten. Sie machen höhere Abschlüsse. Und bei Pisa landen sie immer auf den vorderen Plätzen: Asiaten sind die Bildungsgewinner. Fast 60 Prozent der vietnamesischen Schüler in Deutschland gehen zum Beispiel aufs Gymnasium, wie der Bildungsforscher Olaf Beuchling herausgefunden hat. Bei den deutschen Schülern sind es nur 43 Prozent.

Weit vorne liegen Asiaten auch beim SAT - dem standardisierten Test, der in den USA Voraussetzungen für das College-Studium ist. So weit, dass einige Experten schon eine genetische Überlegenheit vermuteten.

Warum haben Asiaten so viel mehr Erfolg als europäische und amerikanische Schüler? Was ist ihr Geheimnis? Eine Langzeitstudie der University of New York und der University of Michigan fand nun heraus: Asiaten sind keine Genies, sie arbeiten einfach härter. Die Forscher verglichen die Fähigkeiten asiatischer und amerikanischer Schüler über einen längeren Zeitraum.

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Bei der Einschulung hätten Asiaten "keine erkennbaren akademischen Vorteile gegenüber Weißen", schreiben die Autoren der Studie, die im wissenschaftlichen Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences" erschien. Ihr Vorsprung wächst mit den Jahren, in der fünften Klasse lassen Asiaten ihre Mitschüler schon weit hinter sich.

Ihr Erfolg fliegt den Schüler also nicht zu. Sie haben ihn sich durch Engagement und Fleiß erarbeitet. Hier sind sechs Gründe, warum asiatische Kinder besser in der Schule sind:

1. Sie wollen bessere Menschen werden.

"Asiaten glauben daran, dass Bildung und Leistung wichtig sind für das gesellschaftliche Vorankommen", sagt Olaf Beuchling, der sich intensiv mit dem schulischen Erfolg asiatischer Kinder beschäftigt hat. Diese Weltsicht komme aus dem Konfuzanismus. Nach dieser alten philosophischen Lehre soll der Mensch an sich arbeiten und sich selbst perfektionieren. Das führe zu einem hohen Maß an "Aufmerksamkeit, Selbst-Kontrolle, Motivation und Durchhaltevermögen", wie die Autoren der US-Studie schreiben

2. Sie glauben daran, dass Erfolg von Arbeit kommt, nicht von Talent.

Studien ergaben: Kinder aus dem Westen halten geistige Fähigkeiten für angeboren. Sie finden sich mit Misserfolgen schneller ab. Weil sie glauben, dass sie sowieso nichts an ihrem mangelnden Talent ändern können. Asiatische Kinder dagegen sind überzeugt, dass Erfolg durch Leistung kommt. Niederlagen spornen sie nur noch mehr dazu an, besser zu werden.

3. Sie halten Schule nicht für eine Last, sondern für eine Chance.

"Das Bildungssystem ist in vielen asiatischen Ländern schwächer ausgebildet als in Deutschland", sagt Beuchling. Es gebe weniger Schulen, die Klassen seien größer, die Ausrüstung bescheidener. "Und trotzdem erzielen die Schüler in diesen Ländern bessere Leistungen, zum Beispiel in Mathematik." Asiaten seien dankbar, dass sie überhaupt auf eine Schule gehen dürften, anders als ihre Eltern oder Großeltern. Sie wollten die Chance nutzen, sagt Beuchling. "Erst recht, wenn sie für die Ausbildung in ein westliches Land ziehen, wo die Qualität der Bildung noch viel höher ist."

4. Sie haben sehr viel Pflichtgefühl

Asiatische Schüler sähen es als Aufgabe, ihre Zukunft aufzubauen, so lange sie noch kein Geld verdienten, sagt Olaf Beuchling. "Sie wollen einen guten Job haben, damit sie später ihre Familie unterstützen können." Ältere sehen sich selbst als Vorbild für jüngere Geschwister - und sie unterstützen sie bei Probleme in der Schule.

5. Eltern erwarten mehr von ihren Kindern

Asiatische Eltern haben höhere Ziele für ihren Nachwuchs als westliche Familien. Das hat eine Vielzahl von Studien belegt. Außerdem sind sie strenger und autoritärer. Sie erwarten großen Zusammenhalt und große Verbundenheit von der Familie.

6. Sie sind bereit, auf andere Dinge zu verzichten

"Deutsche Kinder bekommen in größerem Maße Anerkennung aus anderen Bereichen", sagt Beuchling. Sport, Freunde, in der Klasse zu den Coolen gehören. Für asiatische Schüler habe das eine geringere Bedeutung. Sie definieren sich über Leistung und Anpassung an das System. "Deutsche Kinder dagegen haben ein ausgeprägtes Freiheitsverständnis. Sie legen großen Wert auf Individualität", sagt Beuchling.

Auch auf HuffingtonPost.de: Intelligenz-Studie: Steht uns die Dummheit ins Gesicht geschrieben?

Doch welchen Preis hat der Erfolg? Die Kinder haben hohe Erwartungen an sich selbst. Der Ehrgeiz ihrer Eltern setzt sie noch mehr unter Druck. Die amerikanischen Forscher berichten, dass asiatische Schüler weniger zufrieden mit sich selbst sind und von öfter von familiären Konflikten sprechen.

Olaf Beuchling sagt: "Klar, gibt es diese Einzelfälle. Aber das die Kinder es als Leidensdruck sehen, würde ich nicht betonen."

Die Autoren der US-Studie erwähnen auch, dass asiatische Kinder psychisch weniger ausgeglichen seien und sich seltener sozial engagieren würden.

Der Ehrgeiz kann also auch negative Folgen haben. Einige Eigenschaften können sich deutsche Schüler dennoch von den asiatischen Überfliegern abschauen. Zum Beispiel die Einsicht, dass sich Arbeit lohnt. Und dass jeder Einfluss auf sein eigenes Schicksal hat.

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