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"Volksverdummung": Nestlé polarisiert mit neuem Werbespot

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Der Nahrungsmittelhersteller Nestlé polarisiert mit seiner neuen Image-Kampagne "Qualität nehmen wir persönlich", zu der ein einminütiger TV-Spot gehört. Darin präsentiert sich Nestlé als ein Unternehmen, das sich immer wieder die Frage stelle "Wie können wir unsere Ernährung besser machen?". Der Spot zeigt die Entwicklung vom Kindermehl des Apothekers Henri Nestlé zu heutigen Maggi-Tüten.

Zum Schluss des Videos erklärt eine Stimme im Off voller Pathos: "Wir finden heraus, wie man etwas besser machen kann. Und so machen wir es dann auch. Gestern. Heute. Und morgen."

Zumindest das mit dem "gestern" müssen wir mal kurz relativieren.
Da war doch was...

7 Nestlé-Skandale der Vergangenheit:

1. Wasser
Nestlés Rolle bei der Privatisierung von Wasser gehört zu den größten Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre. Die Schweizer haben sich bereits in mehreren Ländern umfangreich Wasserrechte erkauft. Der Hauptvorwurf: Der Konzern beute die Grundwasser-Vorkommen in Ländern wie Pakistan so sehr aus, dass der Grundwasserspiegel sinkt und die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu frischem Wasser hat. Auch in den USA hat es schon Klagen gegen Nestlé-Abfüllwerke gegeben, weil dort der Grundwasserspiegel gesunken ist.

2. Kinderarbeit
Die ARD-Reportage “Schmutzige Schokolade” aus dem Jahr 2010 wirft der Schokoladen-Industrie - unter anderem wird Nestlé genannt - vor, dass sie Kinderhandel und Kinderarbeit auf den Kakao-Plantagen “zumindest duldet”. Sonst, so bilanziert Journalist Miki Mistrati, müssten die Unternehmen mehr dagegen unternehmen und mehr kontrollieren. Nestlé reagierte auf die Recherchen. “Kinderarbeit hat in Nestlés Versorgungskette keinen Platz. Wir sind fest entschlossen, diese Praxis aus der Lieferkette für Kakao zu entfernen.”

3. Tierversuche
2011 warf die Tierschutzorganisation Peta Nestlé vor, bei Tierversuchen Ratten und Mäuse gequält und anschließend enthauptet zu haben. Peta berief sich damals auf amerikanische und europäische Aufsichtsbehörden, nach deren Gesetzen Tierversuche als Nachweis für die gesundheitsfördernden Eigenschaften eines Getränkes oder Lebensmittels nicht erforderlich seien.

4. Regenwald
Die Naturschutzorganisation Greenpeace startete 2010 eine Social-Media-Kampagne gegen Nestlé, nachdem bekannt geworden war, dass der Schweizer Konzern indirekt an der Regenwaldzerstörung in Indonesien beteiligt gewesen sein soll. Greenpeace enthüllte, dass Nestlé einen Teil seines Palmöls, das unter anderem zur Herstellung von Schokoriegeln und Keksen verwendet wird, von der Sinar Mas Group bezogen hatte. Dieses Unternehmen wiederum rodete große Flächen des indonesischen Regenwaldes und verstieß damit gegen internationales Recht. Die 2010 von Greenpeace gestartete “Kitkat-Kampagne” war ein großer Erfolg bei Facebook und Twitter und zwang Nestlé dazu, die Zusammenarbeit mit Sinar Mas zu beenden.

5. Gentechnik
2010 veröffentlichte Greenpeace Deutschland Laboruntersuchungen, wonach bei den in Deutschland verkauften Nestlé-Schokoriegeln Butterfinger und Baby Ruth Zutaten aus bis zu sechs unterschiedlichen Gen-Maissorten festgestellt worden seien. Es handelte es sich dabei laut Greenpeace um aus den USA importierte Riegel, die unter anderem bei Edeka und Rewe verkauft wurden. Nestlé Deutschland betont, keine Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen zu benutzen.

6. Babynahrung
Die Organisation “Foodwatch” warf Nestlé 2009 vor, dass seine Mineralwasser Perrier und San Pellegrino für Kleinkinder “nicht geeignet” seien. Nestlé halte einen Warnhinweis für die höher belasteten Nestlé-Wässer nicht für nötig und habe.angeblich in einem Brief an “Foodwatch” darauf hingewiesen, dass Gesundheitsschutz Sache des Staates sei.

7. Pferdefleisch
2013 gab das Unternehmen auf seiner Website bekannt, dass es in zwei tiefgekühlten Nudelprodukten Spuren von Pferdefleisch gefunden habe. Dabei handelte es sich um Ravioli und Tortellini der Tochtermarke Buitoni. Anschließend nahm Nestlé die Produkte in Italien und Spanien vom Markt.

Ausgewählte Twitter-Reaktionen zum neuen Nestlé-Werbespot:

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