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Der Untergang des Handy-Riesen - darum ist Nokia gescheitert

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Es gab Zeiten, da war der Nokia-Klingelton überall zu hören. Die Handys des finnischen Kommunikationsriesen waren für viele der Einstieg in die Welt des Mobilfunks. Während heute Apple und Samsung den Handymarkt beherrschen, war Nokia der unumstrittene Big Player nach der Jahrtausendwende.

Die Geschichte des einstigen Mobilfunk-Königs ist die eines erstaunlichen Aufstiegs - und eines bitteren Niedergangs. Das Unternehmen, das 1865 als Papierhersteller begann und zwischenzeitlich Gummistiefel und Reifen verkaufte, wurde zum weltweit dominierenden Handy-Hersteller.

Schon 1998 verdrängte Nokia den Mobiltelefon-Erfinder Motorola vom Handy-Thron. Es war der Beginn einer langen Dominanz. Der Handy-Markt wuchs Jahr um Jahr - und stets kam rund jedes dritte Mobiltelefon von Nokia.

Dann kam das iPhone: Apps waren auf einmal der neue Trend

Heute unvorstellbar: Noch 2006 beherrschten die Finnen den damals noch winzigen Smartphone-Markt und erzielten Marktanteile von über 50 Prozent. Doch dann kam das iPhone. Das Apple-Gerät revolutionierte 2007 den Mobilfunkmarkt, Touchscreens und Apps waren plötzlich der neue Trend. Nokias Vormachtstellung schmolz dahin und der Konzern rutschte in die Bedeutungslosigkeit.

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Windows-Geschäftsführer Steve Ballmer präsentiert ein Nokia Lumia 920. Auch die Umstellung auf das Windows-Betriebssystem brachte dem finnischen Technikhersteller keinen Erfolg.

Zu Beginn dieser Woche veröffentlichte der Konzern wieder einmal erschreckende Zahlen. Die Sparte machte im ersten Quartal einen Verlust von 347 Millionen Euro, ihr Umsatz fiel im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 1,93 Milliarden Euro. Das ist jetzt aber die Sorge von Microsoft: Der Computer-Riese kaufte die Gerätesparte des finnischen Konzerns für 3,8 Milliarden Euro.

Microsoft-Übernahme: Ein Eingeständnis des Scheiterns?

Die Übernahme durch Microsoft kann man auch als Eingeständnis des Scheiterns deuten. Dabei kam der Niedergang des ehemals gefragtesten Handy-Herstellers nicht überraschend. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen viel falsch gemacht, während die Konkurrenz die richtigen Entscheidungen getroffen hat.

Einer der fatalsten Fehler: Nokia hat den Smartphone-Boom verschlafen. Zwar haben die Finnen schon früh internetfähige Mobiltelefone auf den Markt gebracht und auch die Nokia-Plattform Symbian galt lange Zeit als führendes Betriebssystem für Smartphones.

Konsequenz einer schwerfälligen und innovationsfeindlichen Unternehmensstrategie

Doch gegen das iPhone-Konzept der berührungsempfindlichen Bildschirme und intuitiver Benutzerführung wehrte sich Nokia zu lange - so lange, bis der Abstand zu Apple zu groß war. Asiatische Hersteller wie Samsung, die auch auf das iPhone-Konzept setzten, verdrängten Nokia noch weiter.

Während Apple und Co. die Handy-Revolution auf dem Smartphone-Markt vorantrieben, produzierte Nokia weiterhin Tastatur-Handys. Zwar blieben die Marktanteile bei den klassischen Geräten weiterhin stark, die Erlöse gingen aber immer weiter zurück. Ein Großteil der Geräte wurde in den vergangenen Jahren in Schwellenländern Afrikas und Asiens zu niedrigen Preisen verkauft. Zuletzt erzielte ein verkauftes Nokia-Gerät gerade noch einen durchschnittlichen Preis von 42 Euro. Andere Hersteller wie Samsung oder Apple kommen auf deutlich höhere Margen.

Ein weiterer Fehler des finnischen Unternehmens: Zu lange hat man die Strahlkraft der eigenen Marke überschätzt. Selbst, als der Konzern im Smartphone-Geschäft schon längst von Apple abgehängt war, glaubten die Finnen, den Rückstand schnell wieder aufholen zu können.

Noch Jahre nach Markststart des iPhone war sich die Konzernführung sicher, dass ihre vermeintlich hochwertigeren Geräte die Nutzer auf Dauer überzeugen werden. Ein fataler Trugschluss.

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