Das große Sterben - warum es immer weniger Schulen in Deutschland gibt

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Wenn die Schulen zunehmen, dann steht's wohl im Land, soll Martin Luther einmal gesagt haben. Wenn Luthers Theorie wirklich stimmen sollte, steht Deutschland derzeit ziemlich schlecht da.

2013 gab es in der Bundesrepublik nur noch 34.400 Schulen, das sind 6000 weniger als noch 2003. Das ergaben Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. In zehn Jahren wurden also 15 Prozent der Bildungseinrichtungen geschlossen. Ein alarmierender Trend.

Was steckt hinter dem großen Schulsterben? Klar ist, dass die sinkenden Geburtenraten eine Rolle spielen. Im selben Untersuchungszeitraum, also zwischen 2003 und 2013, sank auch die Zahl der Schüler um 13 Prozent.

Der Pisa-Schock von 2001 als Auslöser?

Das Schrumpfen der deutschen Schullandschaft hat aber auch bildungspolitische Gründe. So reagierten viele Bundesländer nach dem Pisa-Schock von 2001 mit einer gigantischen Umwälzung des Schulsystems.

Die Schüler sollten individuell besser gefördert werden, das Ziel: Mehr Kindern sollte der Zugang zu höheren Abschlüssen ermöglicht werden.

Die Kultusminister legten anschließend hunderte Haupt- und Realschulen zusammen. Das traditionelle dreigliedrige Schulsystem - Gymnasium, Haupt- und Realschule -, wurde in vielen Bundesländern begraben.

Größter Verlierer des Schulsterbens sind die Hauptschulen, deren Zahl seit 2003 um 37 Prozent gesunken ist. Aber auch 16 Prozent der Realschulen verschwanden im selben Zeitraum. Die Zahl der Gymnasien hat sich hingegen nicht verändert.

Besonders die Hauptschule ist vom Aussterben bedroht

Besonders die Hauptschule ist stark vom Aussterben bedroht. Das sehen auch Bildungsexperten so. Auf Dauer sei die Hauptschule "nicht aufrecht zu erhalten", sagte Bildungsforscher Ernst Rösner vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung "Spiegel Online". "Die Schulform wird nicht zu retten sein", ist sich auch Marianne Demmer von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sicher.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Der Trend geht hin zu integrierten Gesamtschulen. Deren Zahl ist im vergangenen Jahrzehnt um 50 Prozent gestiegen. Das liegt vermutlich daran, dass diese Schulen häufig noch das Abitur in 13 Jahren anbieten - und somit viele Schüler anziehen, die den G8-Stress, also das Abitur nach 12 Jahren, vermeiden wollen.

Besonders um den Osten steht es schlecht

Die größten Leidtragenden des Schulsterbens sind Kinder und Eltern, die in ohnehin strukturschwachen oder dünn besiedelten Gegenden der Bundesrepublik wohnen. Was den westlichen Bundesländern noch bevorsteht, ist im Osten heute schon Realität.

Während in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zumindest die Zahl der Grundschulen konstant gehalten werden konnte, hat Sachsen seit 1992 hunderte Schulen geschlossen. Von ehemals fast 1300 Grundschulen gibt es dort heute nur noch etwa 800. Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage dramatisch: In manchen Landkreisen macht mittlerweile jede fünfte Einrichtung dicht.

Für die Schüler und deren Eltern bedeutet das: Früher aufstehen, längere Wege zur Schule, höhere Fahrtkosten. Ein funktionierendes Bildungssystem sieht anders aus.

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