POLITIK
07/04/2014 16:26 CEST | Aktualisiert 07/04/2014 22:17 CEST

Akif Pirinçcis Buch: Wie halten es Versandhändler Otto und Manufactum mit Frauen- und Ausländerfeindlichkeit?

Was ist von jemandem zu halten, dessen Buch den Titel trägt: „Deutschland von Sinnen — Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“? Von jemandem, der der Ansicht ist, dass "das Staatsfernsehen von rot-grünen Wichsern beherrscht wird" und die Grünen eine "Kindersexpartei" sind. Oder dass Einwanderer bald zu "Heiligen oder sowas erklärt" werden.

Was ist vom aus der Türkei stammenden Schriftsteller Akif Pirinçci und seinem Gedankengut zu halten? Diese Frage sollten Versandhändler Otto und das Unternehmen Manufactum für sich klären. Denn zwischen ihnen und dem Autor gibt es eine Verbindung.

Pirinçcis Buch ist nämlich in der "Edi­tion Son­der­wege" erschie­nen, und dort in der Reihe "Licht­schlag". In der Edi­tion veröffentlicht nicht nur Pirinçci, dort hat schon eine ganze Reihe von Auto­ren geschrieben, die sich gerne mit schar­fen The­sen zu Gleich­be­rech­ti­gung, Sozi­al­staat, Migra­ti­ons­po­li­tik und vielem mehr her­vor­tut.

Diese "Edition Sonderwege" ist ein Imprint von Manu­scrip­tum, einem Verlag, der seit 2008 Eigen­tum der Thomas-Hoof-Gruppe ist. Und die untersteht dem Manufactum-Gründer Thomas Hoof.

Alles irgendwie ganz in Ordnung

Manufactum selbst gehört inzwischen zur Otto Group und nicht mehr Thomas Hoof. Aber vielleicht täten sowohl Manufactum wie auch Otto trotzdem gut daran, sich von den publi­zis­ti­schen Bemü­hun­gen des ehe­ma­li­gen Fir­men­chefs zu dis­tan­zie­ren.

Die Huffington Post hat Manufactum, die Otto Group und auch Manuscriptum um ein Statement gebeten. Otto äußerte sich noch nicht. Von Manufactum heißt es: "Wir legen Wert auf die Feststellung, dass der Verlag und die Firma Manufactum seit Jahren bereits in keinerlei gesellschaftsrechtlichem Zusammenhang stehen." Drei harm­lose Handwerks- und Haus­halts­bü­cher aus dem Manuscriptum-Verlag kann man bei Manu­fac­tum zwar kau­fen. Alle anderen aber würden "weltanschaulich nicht zu unseren Werten passen".

Manucscriptum verweist auf eine Erklärung aus dem März. Dass sich Verleger Thomas Hoof darin von Pirinçcis Ausführungen distanziert, kann man nicht wirklich sagen. "Das Frausein, das Homosexuellsein und das Zugewandertsein scheinen zu mystischen Qualitäten in der Morgenröte einer besseren Welt geworden zu sein", schreibt er.

Oder: "In dieses ganze Umerziehungsdelirium (damit meint er Debatten zum Beispiel über Homosexualität) schlägt jetzt Akif Pirinçci mit dem Hammer – und zwar mit dem ,Mottek' und nicht mit dem ,Fäustel' – in einem Ton der Wut und des Zorns, ohne Sondierungen, einschränkende Rückversicherungen und ironische Bemäntelung." Und Hoof findet das anscheinend alles irgendwie ganz in Ordnung.

Auch auf HuffingtonPost.de: Hillary Clinton relativiert Hitler-Vergleich

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