Ein Jahr Franziskus: 10 Gründe, warum Papst Franziskus die Kirche retten wird

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Heute vor einem Jahr wurde Franziskus zum Papst gewählt. Er ist schon heute ein Rockstar. Auch seine beiden Vorgänger wurden verehrt. Was ist anders an Jorge Mario Bergoglio, dem ersten Papst aus der Neuen Welt?

(1) Schlicht ist das neue Üppig - es darf gerne etwas weniger Firlefanz sein, damit der Kern der christlichen Botschaft sichtbar wird

Der neue Papst verzichtet schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf Accessoires, die als äußere Zeichen die päpstliche Macht symbolisieren sollen. Das setzt sich konsequent fort. Die Liturgie wird weniger pompös gefeiert, das päpstliche Zeremoniell abgespeckt

(2) Romika ist das neue Gucci - das päpstliche Schuhwerk ist bodenständig geworden

Benedikt XVI. konnte nichts dafür, aber das Schuhwerk, das man ihm angezogen hat, wurde zu einem Foto-Klassiker. Ebenso wie die Hermelin-Mütze. Der Neue trägt ausgelatschte Schlappen, die sich sicher kein Mode-Magazin aufs Cover packen würde.

(3) Am anderen Ende der Welt können sie auch Kirche - der Spitzenposten in Rom ist erstmals in die Neue Welt vergeben worden. Das eröffnet neue Perspektiven im Denken, auch außerhalb der Kirche

Die Italiener wollten wieder einen der ihren. Und haben dabei hartnäckig ignoriert, dass die Kirche vor allem außerhalb Europas wächst. Dumm nur, dass aus historischen Gründen in Italien noch sehr viele Kardinäle mit Wahlrecht sitzen. Allein die Wahl hat schon gezeigt, dass das Leitungsgremium der Kirche insgesamt die neue Weltordnung verstanden hat. Benedikt und Johannes Paul waren ein halbes Jahrhundert zuvor noch undenkbar gewesen. Heute gilt: Selbst Europa ist zu klein. Der nächste Papst wird aus Afrika oder Asien kommen. Klar ist: Bislang war das Papstamt und der Vatikan abendländisch geprägt. Das ändert sich nun. Das wird im Laufe der Zeit vieles an den Gewohnheiten ändern, die sich im Kirchenstaat als Quasi-Inventar eingenistet haben.


(4) Die Basis zählt - der Papst fragt, was seine Gläubigen denken

Das gab es noch nie: Der Papst, der die Gläubigen nach ihrer Meinung fragt: Wie findet ihr das Familienbild und die Sexualmoral der Kirche? Das Ergebnis war, soweit es an die Öffentlichkeit trat, vernichtend. Im Oktober bei der Bischofssynode in Rom wird sich zeigen, was der Papst seinen Mitbischöfen für Lehren aus der Umfrage zu ziehen vorschlägt.

(5) Kollegialität wins - Franziskus ist im Austausch mit seinem Vorgänger

Was für ein Foto! Zwei Päpste auf einmal. Herzlich einander zugetan. Schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt hat der Neue die Menge auf dem Petersplatz aufgefordert, gemeinsam mit ihm für seinen Vorgänger zu beten. Eine starke Geste.

(6) AirBnB auf katholisch - einfaches Couchsurfing im Gästehaus des Vatikan anstelle von Palastwohnen
Franziskus wohnt im Gästehaus des Vatikan. Nicht im Apostolischen Palast. Er umgibt sich gerne mit Menschen, will beim Frühstück Gesellschaft. Unmöglich, dass das aufgesetzt ist. Es ist wahrscheinlich eine lateinamerikanische, bodenständige Art, die da zum Vorschein tritt.

(7) Kleine Zeichen bewirken viel - die Blechkiste, in der der Pontifex Maximus unterwegs ist, ist eine Anfrage an unsere Fixierung auf Statussymbole

Es war bislang normal, dass der Papst in Limousinen unterwegs ist. Das ist soweit auch in Ordnung. Auch Bischöfe dürfen mal ihre Beine ausstrecken, wenn sie viel unterwegs sind. Es gibt aber zu denken: Wenn der Papst auf überflüssige Statussymbole verzichtet, kann das der eine oder die andere von uns auch. Wenn man sich doch so einfach von Besizstandsdenken frei machen könnte.

(8) Wir dürfen die Verlierer der Globalisierung nicht vergessen - diese Mahnung steht seit seinem Besuch auf Lampedusa

Der Papst besucht die Flüchtlingsinsel und schreibt dem Westen ins Stammbuch, dass der die im wahrsten Sinne des Wortes Gestrandeten nicht vergessen und wie angeschwemmten Müll behandeln darf. Von diesem Papst werden noch Impulse kommen, wie wir unsere Wirtschafts- und Finanzsysteme verändern sollten, wenn wir alle als Menschheitsfamilie zusammen leben wollen.

(9) Scheitern gehört zum Leben - das gilt für die römischen Strafgefangenen, die er besucht hat, genauso wie für jeden von uns, dem im Leben nicht alles gelingt und der neu anfangen muss

Da wäscht der Papst den Knastis die Füße, Männer, Frauen, Muslimen, Christen. Ganz egal, jeder, so die Botschaft, ist von Gott geliebt, auch wenn er im Leben einen schweren Fehler gemacht haben sollte. Wir trauen uns häufig nicht, über unser Versagen zu sprechen. Scheitern gehört zum Leben dazu. Mag sein, dass uns Menschen hängen lassen, wenn unser Leben aus der Bahn läuft. Gott, so der Papst, ist da anders.

(10) Veränderungen sind möglich - sogar in der katholischen Kirche. Den äußeren Veränderungen werden in den kommenden Jahren inhaltliche folgen

Bislang hat sich viel am Stil, an Äußerlichkeiten verändert. Wer das als oberflächlich brandmarkt, als PR-Gags, der beweist, dass er nicht weiß, was das Katholische ausmacht. Es lebt geradezu in seinen Zeichen und Gesten. Alles am päpstlichen Zeremoniell, an der Art, wie der Papst auftritt und sein Amt ausfüllt, ist kodifiziert. Jedem Symbol korrespondiert etwas Konkretes. Ändern sich die Symbole, ändert sich auch das päpstliche Selbstverständnis. Die Bischofssynode im Herbst ist der erste Test: Was wird der Papst mit den Ergebnissen der oben genannten Studie unter den Katholiken anfangen? Erleben wir ein katholisches Glasnost? Bis zum Oktober müssen wir uns wohl noch gedulden.

Das erste Jahr war spannend und hat Vorfreude auf die kommenden gemacht. Nicht nur Katholiken schauen auf Franziskus und drücken ihm die Daumen, dass es ihm gelingt, einen nachhaltigen Reformprozess in seiner Kirche in Gang zu setzen.

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Läutet der Papst eine neue Zeitenwende in der Kirche ein?
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