Skandal bei Dresdner Rede: Schriftstellerin und Büchnerpreis-Trägerin Sibylle Lewitscharoff hetzt gegen künstliche Befruchtung

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SIBYLLE LEWITSCHAROFF
Trägt den Büchner-Preis: Schrifstellerin Sibylle Lewitscharoff | Getty
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Der Georg-Büchner-Preis ist die bedeutendste Literaturauszeichnung in Deutschland. Geehrt werden damit Autoren, die die deutsche Literatur um bedeutende Werke bereichert haben. Seit 2013 zählt auch Sibylle Lewitscharoff zu den Preisträgern.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat die Auszeichnung der Berliner Schriftstellerin im vergangenen Herbst wie folgt begründet: Lewitscharoff habe mit "unerschöpflicher Beobachtungsenergie, erzählerischer Fantasie und sprachlicher Erfindungskraft die Grenzen der Wirklichkeit neu erkundet und infrage gestellt".

„Widerwärtiges Fortpflanzungsgemurkse"

Seit vergangenem Sonntag hat sich dieses Lob relativiert. Bei einer Rede im Dresdner Schauspielhaus hat sich Lewitscharoff selbst diskreditiert. Sie hielt einen Vortrag zum Thema zu „Geburt und Tod“ - und äußerte dabei so wirre und menschenverachtende Thesen, die ihr die Berechtigung absprechen, Deutschlands renommiertesten Literaturpreis zu tragen.

Lewitscharoff wollte den Zuhörern ihre Ansichten zum Thema Onanie und künstliche Befruchtung vermitteln. Herausgekommen ist ein Skandal.

Die künstliche Befruchtung will die Schrifstellerin am liebsten verbieten lassen. Mit anderen Worten: Sie will Eltern, die auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen können, eine Möglichkeit nehmen, Nachwuchs zu bekommen. Fragwürdig genug.

„Halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas“

Viel schlimmer jedoch ist die Art, wie Lewitscharoff ihren Standpunkt vertritt. „Das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse", ließ sie das Publikum wissen, erscheine ihr „derart widerwärtig, dass ich sogar geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinem Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas.“

Zwar räumte Lewitscharoff eine gewisse Ungerechtigkeit in ihren Worten ein, „weil es den Kindern etwas anlastet, wofür sie rein gar nichts können". Aus ihrer grundsätzlichen Abscheu macht sie trotzdem keinen Hehl. Sie sei „in solchen Fällen stärker als die Vernunft“, sagte Lewitscharoff.

Dabei scheute die Schrifstellerin noch nicht mal einen abscheulichen Vergleich: „Angesichts dieser Entwicklungen", sagte die 59-Jährige am Sonntag im Dresdner Schauspielhaus, „kommen mir die Kopulationsheime, welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden, blauäugigen SS-Männern zu versorgen, fast wie harmlose Übungsspiele vor.“ Die Abscheu, von der Lewitscharoff redete - lag einzig und allein in ihren Worten.

Das Dresdner Schauspielhaus reagierte umgehend. In einem offenen Brief distanzierte man sich in jedweder Form von den Äußerungen der Schrifstellerin. Der Brief endet mit einer Botschaft von Robert Koall, dem Chefdramaturg am Staatsschauspiel - direkt an Lewitscharoff gerichtet. „Ihre Worte sind nicht harmlos, Frau Lewitscharoff. Aus falschen Worten wird falsches Denken. Und dem folgen Taten. Deshalb sind es gefährliche Worte.“

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