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Uruguays Präsident José Mujica ist einfach cooler als andere Politiker

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JOS MUJICA
José Mujica gibt sich volksnah und ist dabei authentisch. | Getty Images
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Hierzulande fallen die Politiker öfter in Ungnade, als dass sie als Helden gefeiert werden - man denke an Kinder-Nacktbilder, Steuerhinterziehung und Plagiatsvorwürfe. In Uruguay ist das anders. In dem kleinen südamerikanischen Land regiert ein Präsident, der sich deutlich von seinen internationalen Kollegen unterscheidet und dabei bei seinem Volk extrem beliebt ist. José "Pepe" Mujica praktiziert eine Politik frei nach dem kategorischen Imperativ: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

Bescheidenheit

José Mujica verdient mit seinem Präsidenten-Gehalt umgerechnet etwa 12.500 Dollar im Monat - und spendet 90 Prozent davon an wohltätige Zwecke. Der spanischen Zeitung "El Mundo" erklärte er diese Entscheidung: "Ich finde diesen Betrag in Ordnung. Der Großteil der Einwohner Uruguays verdient sogar weniger, also sollte das auch für mich ausreichend sein." Eine Einstellung, die im starken Kontrast steht zu Wirtschaftsbossen mit millionenschweren Boni-Zahlungen und Politikern mit Rentengehältern von beispielsweise 217.000 Euro im Jahr im Fall von Ex-Bundespräsident Wulff.

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Luxus ist für den volksnahen Präsidenten ein Fremdwort. Nicht nur in Hinsicht auf sein Gehalt verzichtet "Pepe"- wie der Präsident auch genannt wird - auf seiner Ansicht nach überflüssige Statussymbole. Statt einer schwarzen, panzerfesten Limousine fährt Mujica einen 41 Jahre alten VW Käfer. Für wichtige Termine nutzt er jedoch ein etwas moderneres Gefährt: Einen Opel Corsa. Der schafft es in München nicht einmal zum Streifenwagen.

Staatsoberhäupter residieren meistens in großzügigen Anwesen. Residieren ist hier genau das richtige Wort, denn nicht selten sind die Wohnsitze der Präsidenten regelrechte Paläste - wie das Schloss Bellevue des deutschen Bundespräsidenten. Auch in Uruguay steht dem Präsidenten ein beeindruckendes Anwesen mit Angestellten und Sicherheitspersonal zur Verfügung. Doch für Pepe bleibt ein goldener Käfig eben immer noch ein Käfig. Er bevorzugt eine bescheidene Farm außerhalb der Hauptstadt Montevidéo, wo der ehemalige Blumenzüchter Chrysanthemen anpflanzt. Als einzigen Personenschutz lässt er zwei Wachen am Anfang der Auffahrt zu - das ist gesetzlich vorgeschrieben - und seinen dreibeinigen Hund Manuela.

Wegen seines Verzichts auf materielle Güter wurde Mujica oft "der ärmste Präsident der Welt genannt. Eine Bezeichnung, der er in der spanischen Zeitung "El Mundo" widerspricht: "Ich bin nicht arm. Vielmehr ist derjenige arm, der nur arbeitet, um ein aufwendiges Leben zu führen und stets nach noch mehr strebt."

Authentizität

Einen gewissen "Robin-Hood-Komplex" scheint der 78-Jährige Staatschef nicht erst seit seiner Amtseinführung zu besitzen. In den 70er Jahren war die kommunistische Guerilla-Gruppe Tupamaros berühmt berüchtigt. Sie raubten Banken aus und stahlen Essen - und verteilten den Gewinn unter den Armen. Als Mitglied dieser Guerilla-Truppe verbrachte Mujica insgesamt 14 Jahre im Gefängnis, in denen er zwei Mal versuchte, zu fliehen und sechs mal von der Polizei angeschossen wurde, die mit Mitgliedern der Untergrundbewegung äußerst brutal umging.

Trotz ihres wohltätigen Ansatzes wäre es falsch, die Tupamaros-Gruppe zu heroisieren, denn schließlich wurden im Namen dieser Bewegung Menschen getötet und entführt. Doch die Ideale der Bescheidenheit und des Handelns zum Wohle der Schwächeren vertrat Mujica nicht erst seit seiner Amtseinführung - er hat sie schon in seiner Vergangenheit nicht nur vertreten, sondern auch gelebt.

Politische Errungenschaften

Doch nicht nur sein Image ist gut. Er hat auch mehrfach seine politische Kompetenz unter Beweis gestellt. Denn neben seiner Volksnähe hat Mujica viel in seinem Land Uruguay bewegt. Marianne Braig, Professorin für Politikwissenschaften am Lateinamerika-Institut der freien Universität Berlin erklärt im Gespräch mit der Huffington Post: "Dank Mujica ist Uruguay im Vergleich zu anderen Staaten in Südamerika ein wirtschaftlich verhältnismäßig unabhängiges Land geworden." Grund dafür sei die Steuerreform, die unter Mujica durchgesetzt wurde. Die beinhaltet unter anderem eine Einkommenssteuer. "Mit der Einführung der Einkommenssteuer wurde Uruguay eine ökonomische Grundlage, fernab von den Einnahmen aus dem Export, gegeben. Natürlich ist Uruguay - wie jedes andere südamerikanische Land - immer noch extrem abhängig von den Einnahmen aus dem Export. Jedoch bedeutet die Besteuerung der privaten Vermögen ebenfalls eine Sozialisierung des wirtschaftlichen Systems."

Internationale Aufmerksamkeit erhielt der Führer des "winzigen Landes am Ende der Welt" - wie Prof. Dr. Braig Uruguay beschreibt - durch die Legalisierung von Marihuana. Damit ist Uruguay das erste und einzige Land der Welt, das den Konsum und Verkauf von Marihuana erlaubt. "Als Führer eines sehr kleinen Landes kann Mujica bei internationalen Anliegen wie die Dekriminalisierung von Marihuana eine Vorreiterposition einnehmen", erklärt die Professorin. In Zeiten des wachsenden Drogenkonsums versucht Mujica, mit der Legalisierung und somit der besseren Kontrolle des Rauschmittels effizienter gegen die kriminellen Drogenkartelle vorzugehen.

Soziale Gerechtigkeit

Dass José Mujica bei seinen Bürgern so beliebt ist, liegt nicht nur an seiner Volksnähe, sondern vor allem auch an seinen Bemühungen zu Gleichstellung und Gerechtigkeit. In seiner Amtsperiode segnete er eines der lockersten Abtreibungsgesetze Südamerikas ab. Und dank ihm ist seit 2013 die gleichgeschlechtliche Ehe in dem Land endgültig rechtskräftig. Damit ist Uruguay eines von nur drei südamerikanischen Ländern, das die Homo-Ehe anerkennt. Nicht umsonst gilt Uruguay als das sozial liberalste Land Südamerikas.

Mujica muss sich nicht inszenieren. Weder trägt er jemals einen Schlips, noch prahlt er mit seinem Erfolg - er war immerhin bereits zwei mal für den Friedensnobelpreis nominiert. Im Gegenteil: Er bevorzugt es sich zu kleiden und zu verhalten wie ein Mann des Volkes.

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Filed by Nina Damsch