Der Zusammenschluss von Facebook und WhatsApp - es ist die Hochzeit zweier Giganten. Für die Nutzer könnte diese Übernahme durchaus Vorteile haben. So könnte WhatsApp von der Innovationsgeschwindigkeit und der Finanzkraft Facebooks profitieren. Damit dürfte sich die ohnehin beliebte Messenger-App noch schneller weiterentwickeln - und verbreiten.

Doch es gibt auch Menschen, die diesen Zusammenschluss mit einem unguten Gefühl verfolgen. Menschen, die sich ohnehin zunehmend fragen, was Anbieter wie Facebook, Google & Co. mit ihren Daten anstellen. Hinzu kommen immer neue Berichte über Spähskandale ausländischer Geheimdienste, die auch Nachrichten von Programmen wie WhatsApp massenhaft abfischen. Und das wird ihnen leicht gemacht: IT-Experten warnen schon länger vor den Sicherheitslücken und dem laxen Umgang mit Daten bei WhatsApp.

Es gibt daher durchaus Gründe, WhatsApp noch heute zu löschen:

1. Facebook versucht mit dem Kauf von WhatsApp, jünger auszusehen. Auf unsere Kosten.

Facebook verliert die jungen Nutzer: Eine im Januar bekannt gewordene Studie kommt zu dem Schluss, dass ein Viertel der 13- bis 17-Jährigen schon zu anderen Anbietern gewechselt ist. Populär seien demnach vor allem stärker personalisierbare Netzwerke wie Instagram, Flickr, Tumblr oder Pinterest.

Daneben gibt es aber auch viele, die Privates und Berufliches nicht mehr öffentlich machen wollen und deswegen verstärkt Anbieter nutzen, die Kommunikation in geschlossenen Netzwerken möglich machen. Dazu gehört WhatsApp, vor allem dank der Gruppenfunktion. Facebook möchte offenbar von diesem Trend profitieren und hat den Konkurrenten deshalb vom Markt gekauft.

Dadurch entsteht einer der größten Datensammler der Welt, vergleichbar wohl nur mit Google, wenn überhaupt. Künftig werden damit die Metadaten von zwei der wichtigsten Kommunikationsprogramme der Welt von einer Firma verwaltet. Und im Gegensatz zu Google hat Facebook damit unseren Namen, den Namen unserer Freunde und all unsere Telefonnummern zugleich. Das kann man akzeptieren. Aber man sollte wenigstens darüber nachdenken.

2. WhatsApp steckt voller Sicherheitslücken

So schlank und einfach bedienbar die App auch sein mag: Immer wieder wurde Kritik an den Sicherheitslücken von WhatsApp laut. So warnten IT-Experten wiederholt, dass sich WhatsApp-Accounts sehr einfach mit im Internet verfügbaren Tools übernehmen und manipulieren lassen.

Andere kritisieren, dass WhatsApp gespeicherte Telefonnummern unverschlüsselt vom Handy auf die WhatsApp-Firmenserver übertrage. Das mag für das Funktionieren des Programms nötig sein. Für viele professionelle Anwender ist genau das ein Problem. Viele Unternehmen sperren die App daher. Es ist zu riskant, dass das ganze Adressbuch von Mitarbeitern auf einen ausländischen Server geladen wird.

Immer wieder geriet auch der aus Sicht vieler Sicherheitsexperten zu schwache Verschlüsselungsstandard der App in die Kritik. Andere Programme sind da weiter und haben konsequent darauf geachtet, Lücken zu vermeiden. Was aber auch stimmt: Nicht jedes Gerücht über die Sicherheit von WhatsApp ist wahr.

3. WhatsApp ist nur im ersten Jahr kostenlos

Auf Android-Handys soll die Nutzung von WhatsApp künftig 0,89 Euro pro Jahr kosten. Nicht viel. Doch das könnte sich ändern, wenn WhatsApp alle Konkurrenten ausgestochen hat. Dann könnten die Nutzer stärker zur Kasse gebeten werden. Die Alternative ist, dass Facebook die WhatsApp-Nutzerinformationen künftig stärker auswertet - um gezielter Werbung auszuspielen etwa. Dann würden WhatsApp-Kunden mit ihren Daten zahlen. Beides ist in Ordnung und ähnlich funktioniert das Geschäftsmodell vieler anderer Web-Firmen, Nutzer müssen sich darüber nur im Klaren sein, womit wir wieder bei Punkt 1 wären.

4. Weil so viele Menschen WhatsApp nutzen, haben es Alternativanbieter schwer

WhatsApp profitiert vor allem von der Macht der Masse. Weil die App auf mittlerweile fast 30 Millionen Smartphones in Deutschland installiert ist, stellt sie mittlerweile so etwas wie den Goldstandard der SMS-Alternativen dar.

Gleichzeitig aber ist WhatsApp ein recht simples Programm, das von Anfang an mit Sicherheitslücken aufgefallen ist. Weil die Konkurrenz so schwach ist und andere Anbieter den Trend zu Messenger-Apps verschlafen haben, besteht für WhatsApp auch kein dringender Grund, diese Lücken schnell zu schließen.

In Sachen Verschlüsselung jedenfalls hat WhatsApp schon längst den Anschluss verloren. Wer Wert darauf legt, dass seine Daten von Hackern oder Geheimdiensten schwerer abgefischt und ausgewertet werden können, ist bei anderen Programmen besser aufgehoben.

5. Andere Apps sind sicherer als WhatsApp - und teils genauso komfortabel zu bedienen

Threema ist die populärste WhatsApp-Alternative. Derzeit wechseln tausende Nutzer täglich zu dem Schweizer Anbieter. Das Besondere an Threema ist eine Verschlüsselung, die den immer noch als relativ sicher erachteten PGP-Systemen („Pretty Good Privacy“) ähnlich ist. Selbst die NSA hat damit noch Schwierigkeiten.

So hat es Threema geschafft, einen der wichtigsten Sicherheitsstandards im Netz für Normal-User zugänglich zu machen. Wie sicher das Programm wirklich ist, ist auf den ersten Blick allerdings schwer nachzuvollziehen, weil der Anbieter den Quellcode nicht veröffentlicht. IT-Sicherheitsexperten stellen der Schweizer App aber dennoch gute Noten aus.

Eine weitere Alternative ist die Messenger-App Telegram, die ebenfalls hohe Sicherheitsstandards erfüllen will und WhatsApp sehr ähnlich sieht. Das Programm wurde vom russischen Facebook-Konkurrenten VKontakte entwickelt. Das Problem allerdings ist, dass im Fall dieser App nicht vollständig nachvollziehbar ist, wie das Programm Nachrichten verschlüsselt. Experten sind daher gespalten, was die Bewertung der App angeht.

Eine unter Experten anerkannte und sichere Open-Source-Lösung ist ChatSecure. Allerdings gilt das Programm als kompliziert in der Handhabung und ist für normale Nutzer wahrscheinlich zu komplex. Dafür ist es kostenlos und seine Verschlüsselung gilt als sicher. Einfacher zu bedienen, aber spartanisch in der Anmutung ist Surespot. Die App erlaubt einen Blick in den Quellcode und kann daher von Experten jederzeit auf Sicherheitsmängel untersucht werden.

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