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Ikea: Acht Irrtümer über das beliebteste Möbelhaus

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Rest in Piece, Expedit. Es gibt sie in fast jeder Wohnung. Und vor allem Plattensammler lieben sie - wegen der praktischen Maße: Ikeas Möbelserie Expedit. Und nun? Alles aus für Expedit. Ikea nimmt es aus dem Sortiment - und ersetzt es durch die billigere Serie Kallax.

Im Netz gab es dazu eine große Protestwelle - denn die Deutschen lieben ihr schwedisches Unternehmen und dessen Möbel. Sie gelten als chic, alternativlos und günstig - aber stimmt das? Nicht ganz. Die acht Irrtümer über Ikea:

Ikea ist immer billig

Gut, der LACK-Tisch ist wirklich ein günstiger Couch-Tisch, günstiger geht’s kaum. Aber wenn man eine Küche oder einen PAX-Schrank bei Ikea kauft, wird es auch ganz schnell ganz schön teuer. Ein Vergleich mit Küchenfachgeschäften lohnt – die locken nämlich immer mal wieder mit Aktionsrabatten.

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Gar nicht günstig ist Ikea bei Online-Bestellungen. Die Speditionspauschale von 49 Euro für Porto und Verpackung ist auch ganz schön üppig (im Vergleich zur Konkurrenz, die teilweise gar nichts oder 19,95 Euro verlangt). Bei einer Bestellung per Telefon, Post oder Fax betragen die Versandkosten 99 Euro. Und wer einfach nur vier Mini-Bilderrahmen bestellt, muss fünf Euro für den Versand berappen. Da sind andere Online-Händler viel günstiger.

Nicht vergessen darf man auch die Aufbauzeit der Möbel. Zeit ist Geld. Um eine kryptische Anleitung zu analysieren und umzusetzen, benötigt eine ganze Familie für einen Pax-Kleiderschrank schon mal sechs Stunden. Mal ehrlich: Bezahlt man nicht lieber zehn Euro mehr, wenn man sich dafür den Stress beim Aufbau erspart – und den daraus resultierenden Familien-, Ehe- oder Beziehungskrieg?

Ikea ist alternativlos

Was ist schon alternativlos (von Angela Merkels Politik mal abgesehen)? Schon mal im Netz nachgeschaut? Da gibt es auch moderne Möbel mit schönem Design. Bei Avandeo.de zum Beispiel, oder daheim.de. Oder wie wäre es mit Pocco oder Mömax („modernes Wohnen zu günstigen Preisen“)? Oder mit Ebay-Kleinanzeigen, wo etliche Designschätze für wenig Geld warten. Greift man ein bisschen tiefer ins Portemonnaie, sehen Ikea-Möbel auch schnell billig aus: Mit dem Design von BoConcept, Habitat oder Bolia kann es Ikea überhaupt nicht aufnehmen.

Ikea ist ein Massenphänomen

Zum Ikea-Frühstück strömen die Massen, aber im Möbelmarkt ist Ikea noch weit davon entfernt, der alles überstrahlende Player auf dem deutschen Möbelmarkt zu werden. In der Vogelperspektive schrumpft Ikea dann auch etwas zusammen: Insgesamt hat der gefühlte Riese "nur" 13 Prozent Marktanteil in Deutschland. Bürokratie bremse das Wachstum, beklagt das Unternehmen, das in den nächsten acht bis zehn Jahren den Markanteil auf 25 Prozent ausweiten möchte. Noch hapert es ein bisschen, weil Ikea seine Wunschstandorte nicht bekommt.

Viele Deutsche haben nur Einzelteile von Ikea. Ältere Deutsche kaufen höchstens ein Billy-Regal – das sie dann vielleicht in den Keller als zusätzlichen Stauraum stellen. (Dennoch stimmt es natürlich, dass Ikea-Deutschland 2013 einen Umsatzrekord von fast vier Milliarden Euro hatte, während die gesamte Branche nach Angaben des Fachverbandes Bundesverband Wohnen und Büro 1,2 Prozent einbüßte.)

Ikea hat den besten Service

Der Ikea-Kunde ist König? Äh, nein. Fixe Liefertermine gibt es bei Ikea nicht. Es wird gerne ein voraussichtlicher Liefertermin genannt. Von dem wird dann aber auch mal wenige Stunden vorher abgewichen. Dass sich dann ein Arbeitnehmer frei genommen hat, ist dann halt so. Große Entschuldigungen gibt es nicht. Einen Wunschtermin kann man selbst bei einer 5000-Euro-Bestellung nicht aussuchen.

Nicht mal gegen Aufpreis. Außerdem gibt es selbst bei fixen Lieferterminen Zeitfenster von sieben Stunden. Entweder zwischen 7 und 14 Uhr oder 14 bis 21 Uhr. Konkreter geht’s nicht. 30 Prozent der Kunden bewerten die Anlieferung und Montage Ikea-Angaben zufolge als nicht zufriedenstellend.

Aber wir haben gelesen, dass Ikea angekündigt hat, mehr Service anzubieten. Dann bitte auch im Online-Shop. Dort sind etliche Artikel immer noch nicht erhältlich. Ikea hat den E-Commerce-Trend verpennt.

Ikea-Möbel sind chic

Billy ist im Prinzip ein verdammt erfolgreicher Langweiler. Die skandinavische Einfachheit und Funktionalität verkauft Ikea als "demokratisches Design" – doch eigentlich ist es ein Design-Diktat, weil Ikea den Geschmack nicht nur der Deutschen, sondern weltweit komplett vereinheitlicht hat. Waren Billy & Co. mal erfrischend chic neben den durchnittsdeutschen Stubenmöbeln, ist es heute fast umgekehrt: Omas antike Kommode ist angesagter als der biedere Billy-Mainstream.

Ikea ist nachhaltig

Ikea ist nach eigenem Bekunden ein ziemlich nachhaltiges Unternehmen. „Nachhaltigkeit ist bei IKEA ein starker Innovationsantrieb vom Design unserer Produkte bis hin zur Art, wie wir sie produzieren, verpacken und transportieren“, so sieht es zumindest Nachhaltigkeits-Manager Ulf Wenzig. Nur Marketing?

Die Wahrheit ist: Keiner weiß, wie nachhaltig Ikea wirklich ist. Umweltorganisationen kritisieren, dass der Konzern Lieferanten und Hersteller nicht gänzlich offenlegt und keine Herkunftslogos auf Produkte druckt. Greenpeace etwa mahnt den massenhaften Verbrauch von Palmöl für Kerzen an. Und im Buch „Die Wahrheit über Ikea“ eines Ex-Managers heißt es, dass ein Drittel des wichtigsten Ikea-Rohstoffes Holz illegal abgeholzt wurde. Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens steht zum Holzschlag vorrangig, dass zumindest ein Drittel des genutzten Holzes nachhaltig sei.

Fragwürdige Werbeslogans
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Ein anderes Problem wird sich aber auch in Zukunft so schnell nicht ändern: Wer die Möbel ausgepackt, weiß, wie viel Müll dabei anfällt: haufenweise Pappe, Plastikpäckchen und Papier. Und mehr als einen Umzug macht ein Billy-Regal auch nicht mit, danach landet es dann einfach auf der Müllhalde.

Ikea ist schwedisch? Auch das nicht!

Die DNA des Konzerns ist blau-gelb, schwedisch. Ingvar Kamprad gründete Ikea in den 40er-Jahren in einer schwedischen Provinz. Die Idee machte ihn reich – Forbes zählt ihn zu den reichsten Menschen der Welt. Außerdem spricht die Werbestimme in den Fernsehspots mit einem schönen, schwedischen Akzent. Und Ikea ist vermutlich der größte Köttbullar-Verkäufer der Republik. Was aber viele nicht wissen: Das Unternehmen sitzt nicht in Stockholm, sondern in Leiden in den Niederlanden. Ikea gehört nämlich der INGKA-Stiftung, die wiederum theoretisch die weltgrößte Gemeinnützige Organisation ist.

Das hat einen einfachen Grund: So spart das Unternehmen Steuern und ist vor Übernahmen geschützt.

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