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Schlafstörungen bei Kindern – 10 Tipps für verzweifelte Eltern

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Schlafendes Baby | Getty
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Auf nichts fiebern werdende Eltern so sehr hin wie auf die Geburt ihres Kindes. Alles soll perfekt sein, alles vorbereitet. Wären da nur nicht die Schlafstörungen.

Das Kind ist da und das Glück getrübt. Die Eltern sind müde, gestresst, total erschöpft und kurz davor, in Tränen auszubrechen. Tag und Nacht unterscheiden sich kaum noch. Das Kind schläft nicht und die Eltern folglich auch nicht. Was können Eltern tun, um diese anstrengende Phase zu meistern?

10 Tipps für Eltern, die unter den Schlafstörungen ihrer Kinder leiden

Realistische Erwartungen an sich stellen. Jesper Juul, ein sehr bekannter dänischer Familien-Coach, erklärt in einem Interview gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Erwartungen der Eltern werden immer romantischer. Sie haben die Idee, dass sie ihre Familie zu einem Mini-Paradies machen können. Und in einem Paradies ist man nicht frustriert, nicht verärgert, hat keine Konflikte.“ Besonders die ersten Monate mit einem Säugling sind durchaus anstrengend. Und das dürfen sie auch sein. Deswegen haben Mütter aus gutem Grund auch manchmal einen Durchhänger oder sind frustriert. Eines ist klar: in den Familienmodus zu wechseln ist hart. Dafür braucht es Zeit und Geduld. Kinder sind keine Maschinen. Sie müssen das Schlafen erst lernen.

Regelmäßig Ruhephasen einlegen, um Schlafstörungen vorzubeugen. Das Kind ist das Spiegelbild des Gegenübers. Wenn die Mutter gestresst und unruhig ist, dann ist es das Kind auch. Deswegen: stellen Sie sich auf den Rhythmus Ihres Kindes ein! Vielen Frauen fällt es schwer, tagsüber zu schlafen. Doch wie soll man Ruhe und Gelassenheit auf das eigene Kind übertragen, wenn man selbst total übermüdet ist? Ein Mittagsschlaf reicht oft aus, um die schlaflosen Nächte besser zu überstehen.

Mehr Bewegung an frischer Luft. Genauso wichtig wie regelmäßige Ruhephasen für Mutter und Kind sind körperliche Aktivitäten, sagt die Psychologin Anette Kast-Zahn gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Eltern, die den ganzen Tag mit ihrem Kind zu Hause verbringen, werden schnell merken, dass es zu Schlafstörungen kommt. Zudem sollten Eltern das Kinderzimmer vor dem Schlafengehen ausreichend lüften.

Den Rhythmus des Kindes akzeptieren. Dass man an ein drei-Monate-altes Baby nicht die gleichen Anforderungen wie an ein dreijähriges Kind stellen kann, sollte jedem klar sein. Trotzdem wird es manchmal vergessen. Oft geht es nur darum, wann das Kind endlich durchschläft und Mamas prahlen mit Sätzen wie: „Also mein Kind hat schon mit fünf Monaten durchgeschlafen.“ „Na, und“, sollte die Antwort darauf sein, denn jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus. Wenn Sie das akzeptieren, kommen Ihnen Schlafstörungen schon nicht mehr ganz so tragisch vor.

Ausgefallene Schlafrituale vermeiden. Anette Kast-Zahn erklärt zudem, welche Rituale sich Eltern einfallen lassen um ihre Kinder zum Schlafen zu bringen. Ein Paar muss jeden Abend eine halbe Stunden den Fön laufen lassen, damit das Kind einschläft. Ist das wirklich hilfreich? Nein, sagt Kast-Kahn. Denn wenn das Kind wieder aufwacht und der Fön nicht mehr läuft, bekommt es Angst. Beim Aufwachen ist nicht mehr dieselbe Situation gegeben wie beim Einschlafen. Solche Rituale sollten Eltern deswegen vermeiden. Kinder sollen lernen unter „normalen“ Bedingungen einzuschlafen.

Gegen Schlafstörungen: Beim Einschlafen sinnvoll helfen. Natürlich sind Einschlafrituale wichtig, solange sie sinnvoll sind. Dem Kind etwas vorlesen und mit ihr/ihm kuscheln sind zum Beispiel schöne Methoden um Nähe zu zeigen und beim Einschlafen zu helfen. „Den Kindern soll klar sein: Wir Eltern sind zwar nicht bei dir im Bett oder im Zimmer, aber in Gedanken. Und wir passen auf dich auf“, so Kast-Zahn.

Kind nicht zu spät ins Bett bringen. Wer kennt das nicht: Man verpasst den richtigen Moment und schon ist der Zwerg total überdreht. Jetzt wird das Einschlafen richtig schwer. Manchmal bringen Eltern ihre Kinder auch absichtlich später ins Bett mit der Hoffnung morgens länger schlafen zu können. Auch das hilft nicht gegen Schlafstörungen. Übermüdete Kinder finden oft schwieriger zur Ruhe und schlafen nachts nicht so gut.

Keine Reizüberflutung im Kinderzimmer. Spielzeug-Mobiles über dem Bett, störende Geräusche oder unnützes Licht. So werden die Sinne der Kinder übermäßig im Bett stimuliert. Die Kinder kommen nicht zur Ruhe. Es gilt: Ein eher dunkles und ruhiges Zimmer hat eine beruhigende Wirkung und hilft dem Kind beim Einschlafen.

Die umstrittene Ferber-Methode bei Schlafstörungen lieber meiden. Verfechter der Ferber-Methode sagen, dass man auf das Schreien des Kindes nicht sofort reagieren soll. Zudem soll man das Kind jeden Tag ein bisschen länger schreien lassen. Beim ersten Mal geht man nach fünf Minuten ins Kinderzimmer, beim zweiten Mal nach zehn Minuten und so weiter. Dies steigert sich bis 30 Minuten. Ziel ist es, dass das Kind irgendwann von alleine einschläft. Dies darf erst mit Kindern ab einem Jahr praktiziert werden.

Allerdings ist diese Methode sehr umstritten. Kritiker denken, dass sogenannte „geferberte Babys“ in ihrem Urvertrauen erschüttert werden. Sie sollen im späteren Leben unter Schlafstörungen und Bindungsproblemen, gemindertem Selbstbewusstsein bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen leiden.

Auf das Bauchgefühl hören, um Schlafstörungen zu bekämpfen. Jedes Kind ist individuell und Schlafprobleme können nicht nach einem bestimmten Schema behandelt werden. In einer Welt voller Erziehungsratgeber und Besserwisser haben viele Eltern eines vergessen: Das richtige Bauchgefühl. Denn wer weiß am besten, was dem eigenen Kind gut tut. Eltern müssen wieder lernen, sich zu vertrauen, Neues auszuprobieren und dabei keine Angst vor Fehlern zu haben.