Zoo in Kopenhagen tötet Giraffe Marius: Die Giraffe ist tot - na und?

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GIRAFFE
Das ist Marius. | dpa
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Der Leiter des Kopenhagener Zoos, Bengt Holst, hat ein unglückliches Los gezogen. Eigentlich hat er nur seinen Job gemacht. Nun muss er sich mit Morddrohungen herumschlagen. Die Öffentlichkeit empört sich so leidenschaftlich über das unnatürliche Ableben der Giraffe Marius, dass man meinen könnte, die ganze Geschichte sei inszeniert.

Plausible Gründe kosteten Marius das Leben

„Platzmangel und EU-Richtlinien gegen Inzucht bei Zootieren“. So lautet die Begründung für die Tötung der Giraffe, die selbst mit einer Online-Petition nicht abgewendet werden konnte. Das klingt zwar brutal, es sind aber plausible Gründe.

„Eine Giraffe zu verfüttern ist im Grunde nichts anderes, als ein Schwein zu keulen“, verteidigte auch der Nürnberger Zoodirektor, Dag Encke, seinen dänischen Kollegen gegenüber der dpa. Die Leidensfähigkeit der beiden Tiere sei identisch, betonte er. Das Vorgehen ist also durchaus rechtens, und eine Giraffe stirbt genauso wie ein Schwein.

Grundsatzfrage „Zoo“

Manche Menschen gehen gerne in den Zoo, andere haben generell ein Problem mit der Institution. Das ist vollkommen legitim und muss jeder für sich selbst wissen. Wenn man aber die Geschichte um Marius’ Tötung und Weiterverwertung zum Anlass nimmt, um einen Shitstorm gegen den Kopenhagener Zoodirektor anzuzetteln, ist das Scheinheiligkeit in Reinform.

Es gibt in dieser Farce genau zwei Punkte, die man dem Zoo ankreiden kann. Erstens, dass Marius noch sehr jung war. Das ändert aber nichts an den Vorschriften der EU. Und zweitens, dass die Giraffe vor den Augen zart besaiteter Kinder zerteilt wurde. Vielleicht sollte gerade das aber auch einen gewissen erzieherischen Wert haben - jedenfalls ist auf Bildern der Aktion deutlich zu sehen, dass die Kinder in Begleitung von Erwachsenen waren. Deren Aufgabe wäre es gewesen, sie von der Szenerie fernzuhalten, wenn sie das gewollt hätten.

Fütterungen gehören zum Tagesgeschäft

Fest steht: Das Verfüttern von Tieren vor den Augen der Besucher gehört zum täglichen Geschäft eines Zoos. Zum Beispiel bei der Show, die gerne gemacht wird, wenn die Robben gefüttert werden. Wieso ist das kein Skandal? Sind die Fische, die da effektvoll durch die Gegend geworfen werden, etwa keine Lebewesen? Und überhaupt: Mit Essen spielt man nicht.

Und genauso gut könnte man fragen: Wieso freut sich eigentlich keiner für die Löwen? Die müssen auch etwas essen. Sicher, es wäre für sie bestimmt noch toller gewesen, hätten sie Marius selbst erlegen dürfen, aber als Zootier muss man sich eben mit dem begnügen, was man kriegt. Ob mit Schwein, Giraffe - oder dem Müll, den die Besucher ins Gehege werfen.

Video: Tötung einer Giraffe in dänischem Zoo (Video enthält schockierende Bilder!)

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Filed by Franca Lavinia Meyerhöfer