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Wie die Generation Y den Arbeitsmarkt revolutionieren wird

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GENERATION Y
Jung, gut ausgebildet, Premium-Kunden: Die Generation Y zwingt Unternehmen zum Umdenken | Thinkstock
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Sie wünschen sich Jobs, die es noch nicht gibt: Die heute 20- bis 30-Jährigen werden mit ihrem Blick auf die Welt den Arbeitsmarkt revolutionieren. Wenn die Unternehmen nicht umdenken, haben sie bald ein Personalproblem.

Die Huffington Post erklärt, wie sich die Arbeit der Zukunft verändern wird - zumindest dann, wenn die Unternehmen auf die Bedürfnisse der jungen Menschen reagieren. Statt zu gehorchen, fragen die: Warum? Und haben sich so den Spitznamen "Generation Y" eingefangen - weil sich Y im Englischen wie das Fragewort "Why" spricht.

Die Macht der Bewerber
Die Bewerbungsgespräche der Zukunft werden anders verlaufen. Arrogante Bemerkungen wie „Warum sollten wir bitte ausgerechnet Sie in unserem Unternehmen einstellen?“ können nach hinten losgehen. Denn bis 2030 sinkt die Zahl der Deutschen im erwerbsfähigen Alter – je nach Studie – um bis zu sechs Millionen. Ein Fachkräftemangel droht, warnt die Wirtschaft. Die gut ausgebildeten Vertreter der Generation Y können mutig(er) auftreten als ihre Eltern und Großeltern. Sie können keck Gegenfragen stellen: „Warum bitte sollte ich bei Ihnen anfangen? Was bieten Sie mir, was die Konkurrenz nicht hat?“
Die Macht der Arbeitgeber bröckelt, langsam aber stetig. Aus dem Arbeitgeber-Arbeitsmarkt wird mehr und mehr ein Arbeitnehmer-Arbeitsmarkt.

Die Rede von der Work-Life-Balance ist Bullshit
Noch mal eben eine Überstunde dranhängen, damit nicht zu viel Arbeit liegen bleibt - das kennen viele. Man macht es, immer wieder. Auch wenn man seine Liebste oder seinen Liebsten versetzt. Zu Hause angekommen, muss man dann noch 148 Mails checken. Zumindest meint man, dass das erwartet wird. Das papierlose Büro ist praktisch und nervt zugleich. Eine Balance zwischen Arbeit und Beruf – kann es die für die Digital Natives der Generation Y überhaupt noch geben?

Nein, sie ist eine Illusion. Die Rede von Work-Life-Balance ist eine Farce. Work-Life-Blend ist die Zukunft, schreibt der Organisationsexperte Ron Ashkenas in einem "Forbes"-Beitrag. Seine These: Balance ist Bullshit, nehmen wir die Realität, wie sie ist. Versuchen wir nicht länger so zu tun, als würden Smart Phones und die ständige Erreichbarkeit keinen Einfluss auf unser Arbeitsleben haben. Die Mitarbeiter werden sich ihren eigenen Stundenplan machen. Sie haben kein schlechtes Gewissen, wenn sie auf der Arbeit mit ihren Eltern telefonieren oder wenn sie mittags zwei Stunden joggen gehen. Die Arbeit wird nachgeholt. Und sie bestimmen wann.

Der neue Führungsstil der Chefs
Nicht geschimpft ist schon gelobt – mit diesem Motto werden Führungskräfte in der Zukunft scheitern. Die Alten in den Chefsesseln müssen umdenken, wenn die jungen Hippen anrücken. Ein autoritärer Führungsstil mit Einweg-Kommunikation wird sich dann fatal auswirken. Die Chefs müssen so gecoacht werden, dass sie mitarbeiterorientiert führen können. Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Chefs müssen ihre Mitarbeiter viel stärker wertschätzen und aufrichtig mögen: „Die Generation Y liebt den Like-Button bei Facebook. Viele junge Leute sind sehr begeisterungsfähig, posten Fotos, hoffen auf Feedback, geben anderen Feedback. Damit sind sie aufgewachsen. Und dieses Feedback erwarten sie auch im Job", sagt der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Martin Klaffke der Huffington Post. Die heute 20- bis 30-Jährigen wurden von ihren Eltern meist gehätschelt. Sie sind „Premium-Kunden“, so Klaffke – und wollen auch als solche von ihrem Arbeitgeber behandelt werden.

Unternehmen müssen sich attraktiv präsentieren, aber nicht anbiedernd
Unternehmen müssen sich attraktiver präsentieren. Müssen jung und innovativ wirken, ohne dabei anbiedernd zu sein. „Aber nicht alle Unternehmen sollten jetzt anfangen, ihre Mitarbeiter für die Gewinnung der jungen Generation rappen zu lassen wie die Polizei in Nordrhein-Westfalen das gemacht hat“, sagt Klaffke. Die Firma muss ihre Bewerber mit Authentizität locken - nicht mit Hochglanzbroschüren voller geschönter Fakten. Wenn etwas geschönt ist, fällt das auf. Erst recht den Digital Natives, die im Netz nachschauen, was andere über den Job oder die Firma berichten.

Nach der Bewerbung schnell wissen, was Sache ist
Viele Unternehmen bieten zwar mittlerweile Online-Bewerbungen an, aber hat der Bewerber dann erst mal ein Onlineformular ausgefüllt, hört er in vielen Fällen häufig nichts. Manchmal gibt es nicht mal eine Eingangsbestätigung, manchmal hört man erst fünf Monate später wieder etwas. So etwas lässt sich die Generation Y nicht bieten. Sie will's persönlich, sie ist ja Premium. Höflich soll es sein, freundlich, zuckersüß, neudeutsch heißt das „candidate relationship management“.

Karriere wird anders definiert
In manchen Texten über die Generation Y könnte man den Eindruck gewinnen, die Generation würde gar keine Karriere machen wollen – doch, will sie, aber anders. Es geht weniger darum, möglichst schnell mit der Ellenbogen-Taktik aus der Masse von Mitarbeitern herauszustechen, sondern darum, sich persönlich zu verwirklichen und dabei zufrieden zu sein. Das kann der Posten des Abteilungsleiters bieten aber auch die Herausforderung des neuen Projekts, in dem man sich kreativ austobt.

So arbeiten, wie es gerade passt
Es ist Zeit, die Büro-Schreibtische zu verschieben und die Wände einzureißen. Denn so arbeiten die Jungen kreativer. Sie wollen vor allem dort arbeiten können, wo es ihnen am sinnvollsten erscheint. In der Firmenlounge sitzen sie, wenn sie ihre Mails nach dem Mittagessen checken, im Ruheraum tanken sie Energie für das 16-Uhr-Meeting, im Teamraum sitzen sie an einem runden Tisch und brainstormen. In der Küche trinken sie Gratis-Kaffee und bedienen sich aus der Obstschlüssel. Von diesen Vorstellungen sind viele Firmen noch meilenweit entfernt. „Unternehmen setzen aus Kostendruck oftmals nur auf die Verkleinerung ihrer Büroflächen. Dies ist nicht der richtige Weg. Wichtig ist, gleichzeitig auch die Büros qualitativ zu verbessern", betont Klaffke. Er empfiehlt Räume, in denen kooperativ und kreativ gearbeitet wird, die wortwörtlich "Raum für Innovationen" geben.

„Just-in-time-Loyalität“
Den nach 1980 Geborenen ist eine Festanstellung wichtig. Aber nicht so wichtig, dass sie dafür alles mit sich machen ließen. Diese Generation beißt sich nicht bis zum Burn-out durch. Dauerfrust führt bei ihnen viel schneller zur Kündigung. Die Bereitschaft, Dinge zu ändern, ist größer als bei der Elterngeneration. Die Loyalität zur eigenen Firma ist eine „just-in-time-Loyalität“, wie es Klaffke nennt. Das heißt: Wenn die Firma sie mies behandelt, werden sie ihr schneller untreu als etwa ihre Eltern es gewagt hätten.

Der klassische Bürojob von 9 bis 17 Uhr stirbt aus
Die Kinder quengeln, wenn sie nicht pünktlich aus der Kita abgeholt werden, die demente Mutter will nicht ins Altenheim und braucht häusliche Pflege – die Unternehmen werden auf diese Herausforderungen im Leben ihrer Mitarbeiter reagieren müssen. Damit haben sie zwar angefangen, aber das reicht nicht. Neben einem Kern-Team werden Unternehmen verstärkt auf Freiberufler oder „Cloudworker“ setzen, die von jedem Ort der Welt zuarbeiten, prognostiziert das Fraunhofer Institut IAO. Der Vorteil für die Freiberufler und "Cloudworker" ist die zeitliche und räumliche Flexibilität. Der Nachteil: Ihr Job ist viel unsicherer, sie werden gebucht, wenn sie gebraucht werden.

Trennung ist kein Schmerz
Wenn ein Mitarbeiter ein Unternehmen auf eigenen Wunsch verlässt, reagieren Unternehmen häufig beleidigt. Das wird sich in Zukunft ändern. Das Unternehmen soll nicht "Auf Nimmerwiedersehen" sagen, sondern hoffen, dass der verlorene, super ausgebildete Mitarbeiter irgendwann zurückkehrt. Sie gründen daher viel öfter als bisher Alumni-Vereine.

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