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Adblock Plus: Das dubiose Geschäft mit den Werbeblockern

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Sie kommen nützlich daher, versprechen den Nutzern, sie von Werbebannern zu befreien. Doch in Wirklichkeit steckt hinter dem Geschäft mit den sogenannten Adblockern ein höchst dubioses Netzwerk aus Täuschung, Tricksereien und Abzocke. Denn die vermeintlich hilfreichen Programme wiegen Nutzer in falscher Sicherheit. Der Grund: Unternehmen wie Google können diese Werbeblocker gegen Geld einfach umgehen.

Das hat ein Team um den Tech-Blogger Sascha Pallenberg aufgedeckt. Die ersten Ergebnisse ihrer Recherchen haben die Netz-Journalisten bereits im Sommer publiziert. Nun veröffentlichen sie weitere, brisante Details, die der Huffington Post vorab vorlagen. Pallenbergs Fazit: „Die Adblocker-Anbieter geben vor, das Internet zu verbessern. In Wirklichkeit betreiben sie ein knallhartes Werbenetzwerk und verdienen damit Millionen.”

Wenn abgeschaltete Werbung plötzlich sichtbar wird

Aber der Reihe nach. Mithilfe von Werbeblockern sollen Nutzer Werbung im wahrsten Sinne des Wortes abschalten können. Die bekannteste Anwendung dafür ist Adblock Plus, das Tool, das nun heftig kritisiert wird.

Denn Adblock Plus bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, sich vermeintlich nützliche Werbung trotzdem anzeigen zu lassen. Nutzer können dem Programm dafür mitteilen, für welche Werbung sie sich interessieren, und bekommen dann nur noch thematisch passende Banner angezeigt.

Für Unternehmen bedeutet das: Ihre Banner werden trotz Adblock Plus angezeigt. Und genau an dieser Stelle setzt das dubiose Geschäftsmodell des Kölner Unternehmens Eyeo an, das hinter Adblock Plus steht.

Vorwurf: Google zahlt Millionen, um dabei zu sein

Eyeo führt sogenannte Whitelists für Kunden, Listen mit Unternehmen also, die vom Adblocker verschont bleiben, weil Nutzer ihre Werbung mögen. Nach Aussage von Eyeo stehen mittlerweile 148 Firmen auf dieser Whitelist.

Eigentlich eine große Hilfe für die Nutzer, könnte man meinen. Wären da nicht die Recherchen von Blogger Pallenberg und seinen Kollegen. Diese werfen ein ganz anderes Licht auf das Geschäftsmodell des Unternehmens.

Demnach gibt Eyeo nur vor, sich mit seinem Adblocker nach den Wünschen der Nutzer zu richten. In Wirklichkeit, so der Vorwurf, verschafft Eyeo namhaften Unternehmen gegen Geld Zugang zu den Whitelists von Adblocker Plus - obwohl User deren Werbung nie als nützlich markiert haben. Die Banner jener Unternehmen würden dann sämtlichen Nutzern des Werbeblockers trotzdem angezeigt, obwohl sie bereits ausgeschlossen wurden.

887 Millionen Dollar Verlust durch Adblocker

Pallenbeg hält besonders Web-Größen wie Google, Amazon, Ebay und Yahoo vor, regelmäßig für Dienste des Kölner Unternehmens zu bezahlen. Gegenüber der FAZ hatte Google schon im vergangenen Sommer bestätigt, für einen Platz auf Whitelist zu zahlen. Wie viel genau, das wollte der Konzern damals noch nicht verraten.

Die Tech-Blogger haben das Geheimnis nun offenbar gelüftet. Informationen, die Pallenbeg nach eigenen Angaben „aus gut unterrichteten Kreisen" erhalten haben will, besagen: Der Suchmaschinen-Riese erkauft sich den Zugang zur grenzenlosen Werbefreiheit bei Adblock Plus für läppische 25 Millionen Dollar (18,46 Millionen Euro) pro Jahr.

Ein Spottpreis im Vergleich zu den Einnahmeverlusten durch Adblocker. Denn das wären nicht einmal drei Prozent der durch Werbeblocker verursachten Umsatzeinbußen von 887 Millionen Dollar aus dem Jahr 2012.

Für den Suchmaschinen-Giganten dürfte ein Deal mit Eyeo höchst interessant sein. Im Online-Werbegeschäft, der Haupteinnahmequelle von Google, verdient der Konzern Milliarden.

Nach Berechnungen des US-Wirtschaftsportals „Businessinsider" hat Google im Jahr 2012 rund 887 Millionen Dollar Umsatz eingebüßt - nur weil installierte Adblocker Werbung nicht angezeigt haben.

Experten üben scharfe Kritik

Stimmen die Informationen, ist das ein lukratives Geschäft für alle Beteiligten. Die Recherche-Blogger sind sicher: Eyeo lässt sich seine Dienste fürstlich entlohnen. Und Google profitiert durch die größere Reichweite der eigenen Werbebotschaften und durch die blockierten Anzeigen konkurrierender Unternehmen. Zum Vergleich: Amazon, Ebay und Yahoo sollen nach Informationen des Rechercheteams um Pallenberg für einen Platz auf der Whitelist zusammen fünf Millionen Dollar pro Jahr an Eyeo zahlen.

Die Netzaktivisten üben scharfe Kritik an beiden Seiten. Konzernen wie Google werfen sie eine „gezielte, unlautere und wettbewerbswidrige Behinderung" von Konkurrenten vor. Und Eyeo steht am Pranger, weil das Unternehmen die Nutzer nach Ansicht der Rechercheure im Glauben lässt, sie vor ausschweifender Werbung zu schützen - in Wirklichkeit aber genau dafür die Türen öffnet. „Eyeo ist mittlerweile so am Markt platziert, dass es an die dicken Geldtöpfe kommt", sagte Pallenberg der Huffington Post.

Weitere Informationen zu dem dubiosen Netzwerk von Adblock Plus finden Sie im Tech-Blog Mobilegeeks. http://www.mobilegeeks.de

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