"Weltbild"-Insolvenz: Ex-Benediktinermönch Bilgri kritisiert Kirche

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Der "Weltbild"-Konzern musste Insolvenz anmelden - weil die Kirche ihr Unternehmen im Stich ließ? | dpa
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Der Münchner Unternehmensberater und frühere Benediktinermönch Anselm Bilgri hat den Umgang der katholischen Kirche mit ihrem Medienkonzern „Weltbild“ kritisiert. In der "Zeit"-Beilage „Christ und Welt“ sagte er: „Da wird das Kind mit dem Bad ausgeschüttet.“ Der Vertrieb von Schriften sei „eine ursprünglich christliche Sache“, sagte Bilgri: „Daher steckt in Weltbild viel Potenzial für die Kirche.“

Der Konzern, der zu 100 Prozent der katholischen Kirche in Deutschland gehört, musste Mitte Januar Insolvenz anmelden. Weltbild kämpfte mit sinkenden Umsätzen. Die beteiligten Bistümer wollten dem maroden Verlag kein Geld mehr zur Verfügung stellen. Das Haus hätte, nach Bilgris Einschätzung, seine religiöse Sparte verstärken müssen. Doch hätten auch zu viele Bistümer mit unterschiedlichen Interessen „das Problem vergrößert und die Entwicklung des Unternehmens behindert."


Kirche unter Druck

Die Kirche steht wegen ihrer Entscheidung unter Druck. Ausgerechnet sie stellt unternehmerische über menschliche Interessen. Die "Weltbild"-Insolvenz bedroht 6000 Arbeitsplätze.

Die Kirche stelle "das fürsorgliche Miteinander der Menschen und die Verantwortung eines Jeden für die Gesellschaft in den Mittelpunkt ihres Handelns", schreibt der Rechtsanwalt Dirk Andre in einem Beitrag für FOCUS Online. "Zu diesem Anspruch passt es nicht, wenn bei einem kirchlichen Unternehmen rein nach insolvenzrechtlichen Regeln gehandelt wird."

Bastei-Lübbe bestätigt Interesse an Weltbild

Hoffnung gibt es für den Digitalbereich von "Weltbild". Der Kölner Bastei-Lübbe Verlag hat noch einmal bestätigt, daran interessiert zu sein. „Sollte es zur Zerschlagung des Unternehmens kommen, könnten wir möglicherweise Teile des Online-Geschäfts weiterführen“, sagte Bastei-Vorstand Thomas Schierack gegenüber der "Zeit"-Beilage „Christ und Welt“.

Bis vor wenigen Jahren habe „Weltbild“ als „Vorzeigeunternehmen“ gegolten, erklärte er. Auch sei „Weltbild“ ein guter Kunde seines Verlages. Schierack würde, wie er sagte, gern „eine Alternative zur Marktmacht von Amazon etablieren“.

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