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Skandal um Manipulationen beim ADAC: Präsident Peter Meyer verspricht Reformen

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Der ADAC will Vertrauen zurückgewinnen | dpa

MÜNCHEN/BERLIN - Nach dem Skandal um gefälschte Zahlen beim Autopreis "Gelber Engel" gibt sich der ADAC kleinlaut und selbstkritisch: Präsident Peter Meyer versprach ein Reformprogramm für den Autoclub. Er werde der Hauptversammlung im Mai Vorschläge unterbreiten, "die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen", sagte Meyer am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung. Der Autoclub nehme die Kritik sehr ernst - "auch wenn diese manchmal sehr pauschal war". Oberstes Gebot sei jetzt, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.

Reformen im Hauruck-Verfahren plane man nicht: "Für diesen Prozess brauchen und nehmen wir uns die erforderliche Zeit, Gründlichkeit, Sorgfalt und sicherlich auch externen Rat, um auf die berechtigten Kritikpunkte der öffentlichen Diskussion angemessen zu reagieren."

Der ADAC ist ein Wirtschaftsunternehmen - und steht dazu

Hintergrund ist der Skandal um geschönte Zahlen beim ADAC-Preis zum "Lieblingsauto der Deutschen". Dieses wird von den Lesern der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" gewählt. Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte eingeräumt, dabei die Teilnehmerzahlen nach oben frisiert zu haben, und seine Ämter beim Autoclub niedergelegt. Die "Motorwelt", deren Chefredakteur Ramstetter war, ist nach neuen Zahlen Deutschlands Zeitschrift mit den meisten Lesern. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Media-Analyse kommt sie auf eine Reichweite von 15,74 Millionen Menschen (ab 14 Jahren).

Meyer machte klar, dass der ADAC seine wirtschaftlichen Aktivitäten und seine Tochterfirmen nicht infrage stellen lassen will. Der ADAC trete vorrangig für die Interessen seiner Mitglieder ein. Jedoch sei es "unabdingbar", dass der Autoclub "gleichzeitig aber auch ein erfolgreiches, unabhängiges Wirtschaftsunternehmen" sei.

Genau daran nimmt die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn, Anstoß. "Der ADAC täte gut daran, die ehrenamtlichen Sachen wirklich zu trennen von denjenigen, wo sie wirtschaftlich von profitieren", sagte die Grünen-Politikerin in der Sendung "Das Duell bei n-tv".

Die Forderungen aus der Politik nach mehr Transparenz beim ADAC halten an. Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) forderte zudem Mindeststandards für Prüfverfahren. Er hoffe, dafür keine gesetzliche Regelung zu benötigen. Er sei zuversichtlich, "dass man das mit den Organisationen auch unterhalb der Gesetzgebungsschwelle erreichen kann", sagte er im Deutschlandfunk.

Im Zuge der Affäre gerieten auch die Steuerzahlungen des Autoclubs in den Fokus. Nach Angaben des ADAC vom Mittwoch muss der Verein nur zehn Prozent Umsatzsteuer auf die Beiträge zur Basismitgliedschaft bezahlen. Allerdings falle für die sogenannte Plus-Mitgliedschaft die volle Versicherungssteuer von 19 Prozent an. Insgesamt bezifferte der ADAC seine Steuerlast für die Mitgliederbeiträge auf rund 67 Millionen Euro. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über den geringeren Steuersatz berichtet. Die Unternehmen des ADAC würden unabhängig davon allerdings wie normale Firmen besteuert, hieß es beim Autoclub.

"Das Engelskostüm ist beschmutzt"

Auch die politische Rolle des ADAC muss nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), auf den Prüfstand kommen. In der vergangenen Wahlperiode sei der Club bei fünf Expertenanhörungen des Ausschusses dabei gewesen. Burkert verwies darauf, dass der ADAC etwa für eine Freigabe des deutschen Fernbusmarkts eingetreten sei - und nun zusammen mit der Post Buslinien anbiete. "Da gibt es eine Verquickung. Das müssen wir uns politisch sicherlich anschauen, welchen Stellenwert er in Zukunft haben wird bei Anhörungen."

Die gefälschten Zahlen hätten viel Vertrauen zerstört. "Das Engelskostüm ist beschmutzt", sagte Burkert. "Ich kann nur bitten, dass der ADAC jetzt Wort hält und völlige Transparenz walten lässt."

Seiner Führungsspitze zahlt der ADAC jährlich rund 1,6 Millionen Euro. Einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung bestätigte der ADAC auf Anfrage. Dem Club zufolge fließen davon rund 336.000 Euro als Aufwandsentschädigung an die Mitglieder des Präsidiums. Die acht Männer erhalten demnach pro Monat im Durchschnitt 3500 Euro. Die übrigen knapp 1,3 Millionen Euro bekommen die vier Geschäftsführer des ADAC, die als Manager Verein und Konzern mit rund 8600 Mitarbeitern wirtschaftlich führen. Im Schnitt verdient ein Geschäftsführer damit rund 319.000 Euro pro Jahr.

 
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