Mehr

Pirat Christopher Lauer: "2017 kommen wir in den Bundestag"

Veröffentlicht:   |  Aktualisiert: 23/01/2014 18:01 CET

Christopher Lauer (29), ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei in Berlin und nun innenpolitischer Sprecher, spricht im Exklusiv-Interview mit der Huffington Post über seine Rolle bei den Piraten und darüber, wie er die Partei fit für den Wahlkampf 2017 machen will.

Huffington Post: Herr Lauer, Sie galten mal als der Hoffnungsträger der Piratenpartei. Was sind Sie jetzt?
Christopher Lauer: (lacht) Wird das jetzt so ein Brüderle-Himmelreich-Interview? Ich bin innenpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Der Hype um die Piraten ist vorbei. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass für die Medien kommunale Arbeit nicht so interessant ist wie Personalia.

HuffPost: Aus Ihrer Sicht oder für Außenstehende?
Lauer: Für Außenstehende. Als Mitglied eines Landesparlamentes muss ich damit leben, dass Kinder 52.000 Pokemons kennen, aber nicht einen Namen eines Landtagsabgeordneten.

HuffPost: Bedauern Sie das?
Lauer: Was heißt bedauern? Mann muss auch mal sehen, dass dieser Hype um die Piraten von 2011 und 2012 unverhältnismäßig war. Ich bin damals mit Kollegen eine Woche nach Island gefahren, wir wurden die ganze Zeit von Journalisten überregionaler Medien begleitet und zuhause wurde das so gecovert wie ein Staatsbesuch. Das war doch absurd. Mir war damals sehr bewusst, dass dieser Hype nicht die Normalität sein kann. Ich habe auch Verständnis für Leute, die 40 Stunden die Woche Arbeiten und dann keinen Bock mehr haben, sich abends mit Politik zu beschäftigen. Ich erwarte ja auch von meinem Friseur, dass er ohne meine Hilfe seine Arbeit macht.

HuffPost: Warum hat es für Sie nicht nach ganz oben, zum Bundesvorstand, gereicht?
Lauer: Die Wahl des Vorstands ist in hohem Maße davon abhängig, wo sie stattfindet. Und als ich vor drei Jahren kandidiert habe, in Heidenheim an der Brenz, kam ein Großteil der anwesenden Piraten halt aus Bayern und Baden Württemberg, und die haben dann eben den Kandidaten aus Baden Württemberg gewählt.

Die Frage, warum ich 2011 nicht zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde oder ob ich Lust hätte, jetzt zum Bundesvorsitzenden gewählt zu werden, finde ich aber auch eher uninteressant. Die eigentliche Frage, die sich mir stellt ist, wie kann die Piratenpartei ihre Strukturen verändern, damit wir wieder erfolgreich sind. Wir hätten auf dem letzten Parteitag in Bremen einen Vorstand wählen können, der zum Beispiel aus Marina Weisband, Jesus Christus und mir besteht - und wir hätten es trotzdem schwer gehabt etwas zu reißen, weil momentan keine Strukturen da sind.

HuffPost: Ist es nicht vielleicht auch eine Typfrage? Sie sind doch einer mit Ecken und Kanten. Ist so einer nicht gemacht für die große Politik, bei den Piraten zumindest?
Lauer: Ich bin konfrontativ, ich bin direkt, und ich kann nicht verbergen, wenn mir etwas nicht passt. Und damit macht man sich innerhalb einer Partei, die auf Konsens der Beteiligten ausgerichtet ist, nicht unbedingt viele Freunde.

HuffPost: Sie schreiben auf Ihrer Webseite, dass Sie schon diverse Fußspuren im Internet hinterlassen haben. Ist man heutzutage nur dann jemand, wenn man Spuren im Web hinterlässt?

HuffPost Folgen