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Sterbehilfe: Warum sich der Bundestag so schwer tut

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STERBEHILFE
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Das Parlament versucht Antworten auf Fragen zu finden, die die Gesetzgebung nicht lösen kann: Wann endet menschliches Leben, wann beginnt es? Vor einigen Jahren ging es um die Präimplantationsdiagnostik, nun geht es um Sterbehilfe. Also um die Fragen: Unter welchen Bedingungen darf ein Mensch entscheiden, ob er nicht mehr leben will - und darf er andere bitten, ihn beim Sterben zu unterstützen?

Am Beginn des Lebens mag der Parlamentarier einwenden, müssten sehr wohl Regeln gesetzt werden, denn es gelte auch, ungeborenes Leben zu schützen. Wenn man dieser Überzeugung folgen will, lastet auf der rechtlichen Beschäftigung mit der Sterbehilfe eine doppelte Hypothek: Menschen, die zu der Überzeugung gekommen sind, dass ihr Leben gelebt ist, entscheiden sich bewusst dafür zu sterben. Sie sind in der Lage, ihren Entschluss zu artikulieren. Sie reisen ins Ausland, um mit dortiger Unterstützung aus dem Leben zu treten.

Bei der Sterbehilfe muss jeder eine Meinung haben

Man kann Verständnis äußern für solche Entscheidungen, auch Missfallen. Niemand kann einen anderen Menschen verpflichten, zu leben. Niemand kann einem anderen das Versprechen abpressen, ihm beim Suizid zu assistieren. Aber so legitim die eine und die andere Sichtweise zur Sterbehilfe ist, desto mehr drängt sich die Frage auf: Warum soll ein Gesetz das regeln, was bei jedem Menschen individuell anders ist?

Nicht umsonst gilt bei dem Verfahren, das jetzt im Bundestag ansteht, kein Fraktionszwang. Das heißt, dass die Abgeordneten ihrem Gewissen folgen und nicht der parteipolitischen Zugehörigkeit. Eigentlich sollen die Abgeordneten ja immer und stets nur ihrem Gewissen folgen. In dem Fall der gesetzlichen Regelung von Sterbehilfe werden sie dazu verpflichtet. Eine solch wichtige ethische Frage - dazu muss jeder und jede von Ihnen eine Meinung haben.

Politiker dürfen sich verweigern

Ähnlich komplex ist eine andere Frage am Lebensende: Die der Organspende. Auch hier müssen die Parlamentarier eine Entscheidung treffen. Denn: Wenn ein hirntoter Patient nicht wirklich tot ist, dann kann man ihm keine Organe entnehmen. Tot muss er schon sein. Also muss geklärt werden, was tot sein im medizinischen Sinne heißt. Das ist bis heute umstritten. Der hirntote Mensch kann sich nicht äußern. Der Gesetzgeber muss ihn schützen.

Die Sterbehilfe ist gelagert. Zu beneiden sind die Parlamentarier also nicht. Was wäre eigentlich, wenn sie sagten, dass das, was da von ihnen verlangt wird, über ihren Sachverstand und den Gegenstand der Gesetzgebung hinausgeht?

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