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Hype um Julia Engelmann: Ein YouTube-Video wird zum Internet-Phänomen

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Im Mai vergangenen Jahres trat Julia Engelmann im Audimax der Universität Bielefeld vor das Mikrofon und legte los. Es war der fünfte Bielefelder Hörsaalslam, der aus der 21-Jährigen Psychologiestudentin und Seriendarstellerin ("Alles was zählt") eine Internet-Bekanntheit machte. Mit ihrer Rede über das Leben und all die Dinge, die wir uns vornehmen, aber nie verwirklichen, beeindruckte sie das Publikum.

Mehr als ein halbes Jahr später ist das Video von ihrem Auftritt zum YouTube-Hit avanciert, an dem in den sozialen Netzwerken kaum einer vorbeikommt. Über zwei Millionen Mal wurde das Video bereits angeklickt. Es ist ein Hype entstanden. Aber warum eigentlich?

Angelehnt an den „Reckoning-Song“ von Asaf Avidan forderte Julia Engelmann ihre Hörer dazu auf, im Moment zu leben. Es sind Zeilen wie „Lass mal werden, wie wir sein wollen“, oder „Also, los, schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen. Und eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die für immer unsere sind“, die das Publikum im Internet begeistern.

Vielleicht weil sie wahr sind. Weil Julia Engelmann so authentisch dabei wirkt. Nervös, mit zittriger Stimmer, aber voller Leidenschaft. Naiv, natürlich, aber echt. Falls es nicht gespielt war, als Teil der Performance. Ist das das Geheimrezept für Viralität im Internet?

„Stern“-Autor Volker Königkrämer frohlockte bereits: „Dieses Video könnte Ihr Leben ändern“. „Sie spricht aus, was alle denken“, schreibt der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Doch es gibt auch Gegenstimmen im Netz.

So zum Beispiel dieses YouTube-Video, das Engelmanns Auftritt in einem Wort zusammenfasst: Yolo.

Auch Autorin und Bloggerin Laura Nunziante ist alles andere als begeistert von dem Hype um die blonde Slammerin. Beinahe habe das Video sie dazu verleitet, ihren Facebook-Account zu löschen, wie sie in ihrem Beitrag für wyme.de schreibt. Die Geschichte des im-Moment-Lebens sei schon „bis zum Erbrechen“ zitiert worden. Die „Neon“ widme sich alle zwei Wochen dieser Thematik.

„Alle tun so, als sei das jetzt die neue Lyrik, als würde das jetzt unser Leben verändern“, sagte Nunziante der Huffington Post. „Es war an der Zeit, die Gegenstimmen zu zeigen.“

Denn: Neben Internet-Phänomenen wie Engelmann blieben Lyriker, die viel Mühe und Arbeit in ihre Texte stecken, weitgehend unbeachtet. „Weil sie eben nicht massentauglich sind“, schreibt Nunziante, „weil sie vielleicht nicht blond und hübsch genug sind“.

Etwas Gutes hat der Hype um Julia Engelmann aber doch: „Ich finde es toll, dass eine solche Diskussion entstanden ist. Endlich wird in unserer Generation wieder über Texte gesprochen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar“, sagte Nunziante der HuffPost.

Mit ihrem Aufschrei auf wyme.de hat die Autorin offenbar auch einen Nerv getroffen. Der Beitrag hat bereits über 7.600 Facebook-"Likes" bekommen, und minütlich werden es mehr.

Zustimmung bekommt Nunziante auch von einer Blogger-Kollegin: „Was hat sie denn geändert nach ihrem Vortrag? Welche Geschichten erzählt Julia Engelmann, wenn sie alt ist?“

Vielleicht hat sich gar nichts geändert. Vielleicht alles. Zumindest aber kann Julia Engelmann eines Tages, Baby, die Geschichte von einem Video erzählen, das Millionen von Menschen bewegt hat.

 
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