Diese 5 Trends werden unsere Fernsehwelt für immer verändern

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FERNSEHEN
dpa
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Das klassische Fernsehen ist tot, zumindest für die jüngere Generation. Richtige Publikumsmagneten bei jungen Zuschauern sind eigentlich nur noch Sport-Events, der Tatort oder das Dschungelcamp. Selbst einstige Quotenhits wie Deutschland sucht den Superstar knacken nicht mehr selbstverständlich die Fünf-Millionen-Zuschauer-Marke. Und sehenswerte US-Serienhits wie Mad Men, Homeland oder House of Cards floppen in Deutschland gleich reihenweise.

Nicht weil das deutsche Publikum zu dumm ist. Nur das lineare Fernsehen stirbt. Die Fernsehinhalte leben. Sie werden nur anders konsumiert.

Echte Fans haben ihre US-Lieblingsserien längst im englischen Original gesehen oder kaufen sich die DVD-Boxen, um sich ganze Staffeln am Stück anzuschauen.

Die zweite Staffel der britischen iTV-Hochglanz-Produktion Downton Abbey etwa lief im ZDF-Weihnachtsprogramm extrem schwach. Bei Amazon belegt die DVD-Box jedoch Platz 24 in der Kategorie Film & TV. Die dritte, in Deutschland noch nicht gesendete, Downton-Abbey-Staffel liegt sogar auf Platz 10.

Ähnliche Effekte gibt’s bei der Serie Stromberg, die ProSieben zwar solide, aber keineswegs grandiose Quoten bescherte. Auch beim Tatortreiniger oder Türkisch für Anfänger rollte die Erfolgswelle außerhalb des klassischen Fernsehens.

Das ist erst der Anfang. Diese fünf Trends werden das Fernsehen in Zukunft noch stärker verändern:

1. Online-Videos auf dem Fernseher

Bald könnte in der Fernsehlandschaft ein neuer mächtiger Anbieter mitmischen: Netflix. Der weltweit größte legale Streaming-Anbieter schielt auf den deutschen Markt, berichtet Gigaom.de.

Die Gerüchte kochen hoch, weil das Unternehmen neue Mitarbeiter für seine Dependance in Amsterdam sucht, die auch deutsch und französisch sprechen.

netflix

Jetzt spekulieren Fachleute, ob Netflix gar schon am 22. Januar in Deutschland starten will. Dann nämlich wird das Unternehmen seine Zahlen fürs vierte Quartal 2013 präsentieren - und will zudem Zukunftspläne präsentieren.

Für deutsche Filmfreunde ist das eine gute Nachricht. Sie konnten auf legalem Weg bislang nicht auf das gigantische Netflix-Angebot zugreifen. In den USA, wo der Dienst als erstes gestartet ist, können Nutzer für einen fixen monatlichen Preis Filme, Serien und TV-Sendungen anschauen. Und das auf allen medientauglichen Geräten: Vom Fernseher über den Laptop bis zur App für Smartphone und Tablet - zum Teil sogar im hochauflösenden Ultra-HD-Format.

Im Heimatland USA hat es Netflix sogar zu einem eigenen Verb geschafft. Umgangssprachlich bedeutet „netflixing“ nicht nur, das Angebot des Dienstes in Anspruch zu nehmen, sondern auch, sich eine ganze Staffel einer Serie auf einmal anzuschauen.

40 Millionen User „netflixen“ in Amerika und Nordeuropa

1997 als DVD-Verleih gegründet, hat sich Netflix innerhalb weniger Jahre an die Spitze der Anbieter für Home- und Mobile-Entertainment weiterentwickelt. 40 Millionen Kunden nutzen den Dienst in mittlerweile 40 Ländern, darunter auch in Großbritannien, Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden.

Seit 2011 produziert Netflix zudem eigene Serien. Das Aushängeschild für den Erfolg dieser Entscheidung ist David Finchers „House of Cards“. Die preisgekrönte Serie, mit Kevin Spacey als abgebrühter Kongressabgeordneter, ist ein Riesenerfolg für Netflix und geht im Februar 2014 in die zweite Staffel.

Wenn Netflix nach Deutschland kommt, dürfte es für einige hiesige Streaming-Anbieter eng werden. Sie sind technisch oft schwächer - vor allem aber ist ihr Angebot kleiner als das des großen US-Vorbilds. Dennoch sind auch sie in den vergangenen Monaten teils stark gewachsen. Zu den wichtigsten Anbietern zählen:

Maxdome
Bei dem Video-on-demand-Angebot von ProSieben.Sat 1 können Nutzer zwischen Einzelabrufen und einer Flatrate wählen. Kunden können das Angebot zudem einen Monat lang kostenlos testen. Wenn ihnen der Dienst gefällt, zahlen sie anschließend monatlich 7,99 Euro. Maxdome bietet nach eigenen Angaben über 45.000 Titel und ist damit Deutschlands größte Online-Videothek.

Watchever
Til Schweiger lächelte auf großen Werbebannern und machte Werbung für Watchever, die Online-Videothek des französischen Medienkonzerns Vivendi. Eine Flatrate kostest hier 8,99 Euro im Monat und auch Watchever bietet seinen Kunden eine kostenlose, 30-tätige Testphase. Die Anmeldung funktioniert via Facebook-Account oder E-Mail-Adresse. Wer nach der Testphase aussteigen will, muss vorher kündigen, sonst läuft das Abo regulär weiter. Auch das ZDF streamt jetzt via Watchever – zumindest die Tochter „ZDF Enterprises“, wie „Werben und Verkaufen“ berichtet. Watchever zeigt deshalb künftig beispielsweise die überaus sehenswerte Krimiserie "KDD Kriminaldauerdienst".

Videoload
Videoload ist die Online-Videothek der Deutschen Telekom und bietet nach eigenen Angaben 15.000 Filme - davon etliche in HD oder Full-HD. Die können Nutzer auch einzeln, also ohne Abo, abrufen. Zudem können die Kunden aus verschiedenen Abo-Paketen wählen (4,99 Euro bis 9,99 Euro).

Snap

Snap ist die Online-Videothek des Pay-TV-Senders Sky. Via Computer, iPad, iPhone und Samsungs Smart TV sind die Videos abrufbar. Für das Samsung-Galaxy und weitere Plattformen und Geräte sollen ebenfalls Anwendungen folgen. Bis zum Ende des ersten Monats ist Snap kostenfrei. Danach müssen Sky-Abonnenten 4,90 Euro zahlen, alle anderen 9,90 Euro. Mit zum Snap-Angebot gehören nicht nur Filme, sondern auch beliebte HBO-Produktionen wie Boardwalk Empire, The Wire oder True Blood.

Lovefilm
Das Video-on-Demand-Angebot von Amazon bietet Abopakete ab 6,99 Euro. 12.000 Titel können online gestreamt werden, 55.000 Titel können als DVD oder BluRay ausgeliehen werden. Auch Lovefilm bietet seinen Kunden ein 30-tägiges Schnupperangebot.

Wie es bei den verschiedenen Anbietern im Detail läuft, ist von Außen nicht zu beurteilen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien rechnet aber damit, dass der Umsatz mit Online-Videotheken dieses Jahr in Deutschland stark wachsen wird. 2014 soll der Umsatz um 20 Prozent auf 134 Millionen Euro steigen, bis 2017 sogar auf 511 Millionen Euro, schätzt die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers.

Vielleicht liegt das auch am Trend zum Zweitabo. Den prognostiziert die Beratungsfirma Deloitte. Im Moment würden zehn Prozent der deutschen Pay-TV-Kunden zwei Abos bezahlen, Ende 2015 sollen es 15 Prozent sein. Und die Aussichten sind bestens: Jeder zweite 18- bis 30-Jährige soll laut der Deloitte bereit sein, für Video-Angebote im Netz Geld auszugeben.

Aber Streaming ist nur der auffälligste Trend, der unsere TV-Welt für immer verändern wird.

2. Der Second Screen verändert die Fernsehgewohnheiten

Fernsehinhalte werden von jüngeren Leuten immer seltener linear geschaut, also in der Reihenfolge, wie es ein Programmdirektor entschieden hat. Und wenn sie den alten Fernseher doch einmal einschalten, dann nutzen sie nebenher immer öfter einen zweiten Bildschirm, ein Tablet oder ein Smartphone, auf dem sie sich via Facebook oder Twitter mit Freunden über das Programm austauschen.

Mitunter greifen die Sender den Trend schon auf. Inder Talkshow Hart aber fair etwa liest eine Moderatorin die Mails von Zuschauern vor. Damit wird das Fernsehen interaktiver. Eine bessere Verknüpfung von TV und sozialen Medien hat die „Rundshow" im Bayerischen Fernsehen versucht. Unter anderem per Google Hangout oder App konnten die Zuschauer Feedback geben. „Social TV" hat im deutschen Fernsehen aber noch viel Nachholbedarf. Denn all das sind nur die ersten Schritte, in einer neuen, spannenden TV-Welt.

3. Das digitale Wohnzimmer

Das Wohnzimmer wird immer vernetzter, Inhalte vom Smartphone landen beispielsweise drahtlos auf dem Fernseher. Über sechs Millionen Deutsche rufen zumindest hin und wieder via Fernseher Inhalte aus dem Internet ab. Und die Zahl der vernetzten TV-Geräte nimmt gerade rapide zu.

„Eine mögliche Entwicklung wäre, dass moderne Fernsehbildschirme beim Start nicht mehr automatisch die klassischen linearen TV-Programme anzeigen, sondern zunächst Online-Inhalte. Der TV-Kanal wäre dann nur noch einer unter vielen", sagt Michael Schidlack, Bitkom-Experte für digitale Medien.

4. Scharfe Sache

Der TV-Bildschirm wird größer, die Auflösung noch schärfer - auf der CES in Las Vegas präsentierten Samsung und LG die ersten Ultra-HD-Fernseher mit gekrümmten Bildschirmen.

Das gekrümmte Bild soll das Erlebnis beim Fernsehen noch intensiver machen. Ob die Unternehmen damit wirklich ihre Kunden locken können, um ihren alten Flatscreen auszumisten? Die Preise sollen jedenfalls im fünfstelligen Bereich liegen. Noch.

5. Die Quotenmessung wird (ein wenig) realistischer

Die Quotenmessung wird genauer. Ab nächstem Jahr könnte die Online-Nutzung stärker in die Rechnung einfließen als bisher; Abrufe in Mediatheken sollen zum Beispiel berücksichtigt werden. Videoinhalte fließen jedoch wohl nur in die Quote ein, wenn die Klicks an einem PC oder Laptop erfolgten.

Mobile Zugriffe werden wohl auch weiter außen vor bleiben. Trotzdem: Das Abbild der deutschen Sehgewohnheiten wird genauerer - und vielleicht bekommen dann endliche neue Formate eine Chance, die bisher von Senderchefs nicht wahrgenommen werden, weil sie 0,0 Prozent Markanteil erzielen.

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