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Hören Sie 2014 damit auf, sich diese Dinge einzureden

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Manchmal gibt man sich selbst den schlechtesten Ratschlag. | ZenShui/Frederic Cirou via Getty Images

1. „Ich spare meine Urlaubstage für eine Reise nach Indien (im nächsten Jahr)!“

Wer sich seine Urlaubstage für eine Reise nach Indien, Hawaii oder ein anderes Traumziel aufhebt, bereichert seinen öden Arbeitstag mit einer kribbelnden Vorfreude – wenn nicht gar einem triumphalen Gefühl. Man arbeitet auf ein großes (anstehendes) Ziel hin! Man wird sich (bald) dafür belohnen!

Doch leider geraten die Wörter in Klammern schnell in Vergessenheit. Klar, Sie heben sich Ihre Tage auf, und wenn es nächstes Jahr nicht klappt, dann eben das Jahr darauf. Allerdings sind Sie dann natürlich völlig ausgepowert, weil Sie sich keine Auszeit gegönnt haben – oder aber Ihre Urlaubstage sind bis dahin verfallen. Machen Sie es dieses Mal besser und legen Sie ein Datum fest: „Ich hebe mir meine Urlaubstage auf, um 2015 eine lange Reise zu machen.“ Fügen Sie dann den folgenden Satz hinzu: „Und habe mir bereits ein nicht stornierbares Flugticket gekauft!“

2. „Herr Meyer ist so inkompetent.“

Der Hintergrund zu diesem Satz: Herr Meyer prüft seine E-Mails nicht auf Rechtschreibfehler, bevor er sie an Kunden schickt! Herr Meyer verursacht jedes Mal einen Papierstau, wenn er den Drucker verwendet! Mit anderen Worten: Herr Meyer ist inkompetent! Diese Schlussfolgerung führt normalerweise zu weiteren Schlussfolgerungen, wie beispielsweise: Herr Meyer macht schon Fehler bei kleinen Aufgaben, also kann man ihm auch nichts Größeres anvertrauen. Ich kann mit diesem inkompetenten Kerl einfach nicht mehr zusammenarbeiten!!!

Natürlich können Sie ihm das nicht ins Gesicht sagen. Das wäre gemein und höchst unprofessionell. Also behalten Sie es für sich und ärgern sich im Stillen monatelang darüber. Viel besser wäre es jedoch, zu dem Punkt zurückzukehren, an dem Sie sich eine Meinung zu Herrn Meyer gebildet haben. Herr Meyer prüft seine E-Mails nicht auf Rechtschreibfehler, bevor er sie an Kunden schickt! Herr Meyer verursacht jedes Mal einen Papierstau, wenn er den Drucker verwendet! Gehen Sie dann zu Herrn Meyer und sprechen Sie mit ihm über die Lösung dieser Probleme (und nicht über die Lösung des Problems „Herr Mayer“). Und zwar, ohne dabei hinter jeden Satz ein Ausrufezeichen zu setzen.

3. „Hilfe!“

Das können Sie natürlich sagen, aber bitte nicht nur zu sich selbst. Auch der leiseste Hilferuf muss an die Außenwelt kommuniziert werden.

4. „Ich weiß, dass ich das alles schaffen kann, wenn ich einfach weniger schlafe.“

Von Zeit zu Zeit eröffnen sich im Leben unglaublich tolle Chancen – manchmal leider zur selben Zeit. Angenommen, Sie erhalten einen Platz in einem Masterstudiengang für Hotelmanagement und haben ein Angebot für ein gut bezahltes Praktikum im Hotel Adlon. Angenommen, Sie werden darum gebeten, sowohl Elternsprecherin im Kindergarten Ihrer Tochter als auch in der Grundschule Ihres Sohnes zu werden UND wurden gerade zur Vorsitzenden des Elternverbands gewählt.

Der darauffolgende innere Monolog dreht sich dann normalerweise eher darum, wie sehr Sie beides tun wollen, und nicht, wie sich dies eigentlich bewerkstelligen lässt. Vielleicht ist Ihr Wunsch so stark, dass Sie in Erwägung ziehen, einfach mal auf ein paar Stunden Schlaf zu verzichten. Doch dann müssen Sie sich eingestehen, dass niemand auf Dauer mit zu wenig Schlaf auskommt. Weswegen Sie das Ganze ja auch nur eine Zeitlang tun würden. Bis … eben alles erledigt ist! Dabei vergessen Sie jedoch, dass Schlafmangel Ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten erheblich beeinträchtigt, sodass aus einer tollen Gelegenheit schnell eine Riesenenttäuschung, wenn nicht gar eine Riesenblamage wird. Schlaf ist keine Option, sondern ein absolutes Muss für Körper und Geist.

5. „Ich habe keine Zeit zum Lesen.“

Ein Satz, den ich häufig zu mir selbst sage. Interessanterweise habe ich jedoch Zeit, meine Ellbogen mit einem Luffaschwamm zu bearbeiten, das Auto zu saugen und vor dem Haus stehend insgeheim meine Nachbarn zu verfluchen, die Hundekot in meinen Mülleimer schmeißen.

Was durchweg Aktivitäten sind, die ich nicht im Geringsten schätze. Wenn ich den Zeitaufwand dafür zusammenrechne, hätte ich auch ein Kapitel eines guten Buchs lesen können, um dadurch mein Einfühlungsvermögen und meine emotionale Intelligenz zu stärken. Denn Wissenschaftlern der New School for Social Science zufolge werden diese Eigenschaften durch die Lektüre von Romanen oder Erzählungen gefördert.

6. „Wenn ich A tue, wird B passieren.“

Chronologisch gesehen ergeben die Ereignisse, die Sie sich ausmalen, durchaus einen Sinn. Beispielsweise liegen Sie spätabends im Bett und sagen sich: „Wenn ich aufs Land ziehe, werde ich weniger Stress und mehr Zeit haben. Wenn ich weniger Stress und mehr Zeit habe, werde ich endlich wieder Lust zum Malen bekommen.“ Das gibt Ihnen meist ein gutes Gefühl. Sie haben einen Plan.

Der Umstand, dass Sie etwas tun, bedeutet jedoch nicht, dass Sie sich darauf verlassen bzw. vorhersagen können, was als nächstes passiert. Gut möglich, dass Sie das Landleben dazu veranlasst, wieder zum Pinsel zu greifen. Aber vielleicht sind Kühe melken und Biogemüse ernten so anstrengende Tätigkeiten, dass Sie jeden Abend todmüde ins Bett fallen? Sobald Sie sich nicht mehr einreden, dass Sie A tun müssen, damit B passiert, entbinden Sie sich von der Verantwortung, die Zukunft voraussagen zu müssen. Und das bekämpft Stress weitaus schneller und einfacher als ein Tapetenwechsel.

7. „Mist! Ich wollte Amnesty International doch eigentlich noch 100 Euro spenden!“

Es gibt ein paar Sachen, ohne die man das Leben nicht wirklich genießen kann. Zum Beispiel, anderen etwas zu geben. Dadurch fühlt man sich nicht nur beschwingt, sondern tut gleichzeitig etwas für seine Gesundheit, wie Wissenschaftler unlängst herausfanden.

Das Vertrackte dabei ist, dass wir wirklich etwas für andere tun wollen (weil es sich gut anfühlt), jedoch aus verschiedenen Gründen (wir sind beschäftigt, fühlen uns erschlagen, müssen noch einen Haufen Rechnungen bezahlen) nie daran denken, das Geld dann auch tatsächlich zu überweisen. Und das kann unser Glück trüben – schließlich ergab eine Studie unter 200.000 Erwachsenen aus 136 Ländern, dass die Unterstützung eines wohltätigen Zwecks zu einer Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens führt. Also tun Sie sich selbst und anderen etwas Gutes und streichen Sie diesen Satz ein für alle Mal aus Ihrem Vokabular.

Leigh Newman ist Redakteurin für Oprah.com und Autorin der Memoiren „Still Point North“.