Washington Post: NSA baut Super-Computer für noch umfassendere Überwachung

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NSA-Zentrale in Fort Meade, Maryland, USA | dpa
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WASHINGTON – Der weltweit kritisierte US-Geheimdienst NSA will einen Super-Computer bauen, der so gut wie alle Verschlüsselungen etwa bei Banken, in der Forschung und von Regierungen knacken soll. Das berichtete die Zeitung "Washington Post" am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe.

Die Arbeit für den sogenannten Quanten-Computer sei Teil eines mit rund 80 Millionen Dollar (58 Millionen Euro) finanzierten Forschungsprogramms "Penetration Hard Targets" (In harte Ziele eindringen). Einzelheiten - vor allem wie weit das Programm bereits sei - wurden zunächst nicht bekannt. Weite Teile des Forschungsprogramms seien geheim, hieß es.

Das Blatt beruft sich auf Dokumente, die der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden geliefert habe. Ein "Quanten-Computer" gilt als sehr viel leistungsstärker und schneller als normale Digital-Computer.

Wie weit ist die NSA mit der Entwicklung?

Wissenschaftler fragten sich laut "Washington Post" bereits seit längeren, ob die NSA-Forschung bei der Entwicklung des Super-Rechner weiter als andere, zivile Labors seien. Zwar sei das ganze Ausmaß der NSA-Forschung nicht bekannt, doch die vorliegenden Dokumente legten nahe, dass die NSA über keinen Vorsprung verfügten, meint das Blatt. Die NSA liefere sich ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit Forschungsprojekten, die von der EU und der Schweiz unterstützt würden, heißt es in dem Bericht weiter.

Unterdessen zeichnet sich ab, dass die Aktivitäten der NSA in Deutschland einen Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigen. Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann sagte den beiden Oppositionsfraktionen Grüne und Linke, die bereits einen entsprechenden Antrag angekündigt haben, erstmals uneingeschränkte Unterstützung zu. „Ich halte einen Untersuchungsausschuss für unausweichlich“, sagte Oppermann der Süddeutschen Zeitung. „Diese Affäre muss gründlich aufgeklärt werden. Davon sind wir noch weit entfernt.“ Oppermann fügte hinzu: „Der Untersuchungsausschuss wird nicht am fehlenden Quorum der Opposition scheitern.“

Die Opposition aus Grünen und Linken verfügt seit der Bundestagswahl nicht mehr über die für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses notwendigen 25 Prozent der Mandate. Sie ist deshalb auf Stimmen aus dem Lager der Regierungskoalition angewiesen. Die SPD hatte bereits frühzeitig einen Untersuchungsausschuss grundsätzlich befürwortet, ihre Zustimmung aber vom genauen Arbeitsauftrag des Gremiums abhängig gemacht. Oppermann verzichtete nun auf diese Bedingung, sprach sich aber für Gespräche zwischen Koalition und Opposition aus: „Das Beste wäre, wenn alle Fraktionen sich auf einen gemeinsamen Antrag einigen.“

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National Security Agency – Wikipedia