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Helene Fischer, Andrea Berg, Andreas Gabalier: Warum ist Schlager so erfolgreich?

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HELENE FISCHER
Helene Fischer ist der zur Zeit größte deutsche Star – und sie macht Schlager | PR

Die erfolgreichste Frau der deutschen Musikszene hat blondes Haar. Sie schwingt beim Tanzen die Hüften und trägt knappe Kleider. Klar, all das erwartet man von einem Popstar.

Helene Fischer macht aber keine Popmusik, sie macht Schlager. Und sie ist nicht die einzige, die damit bei einem Millionenpublikum gut ankommt. Seit Andreas Gabalier kann Schlager auch rocken, seit Andrea Berg verrucht sein.

Krise der Musikbranche? Der Schlagermarkt wächst

Die Musikbranche steckt in der Krise, doch der Markt für Schlager wächst. Kein anderer Künstler hielt sich in den vergangenen zehn Jahren länger in den deutschen Album-Charts als Andrea Berg: 701 Wochen lang waren ihre Platten in den Top 100. Dahinter folgt Helene Fischer mit 533 Wochen – und erst danach Robbie Williams, der es 463 Wochen lang schaffte.

andreas gabalier
Das rockt: Andreas Gabalier hat den Schlager verjüngt

Schlager ist überall. Fragt sich nur: Warum?

Zehntausende Menschen Menschen feiern jedes Jahr den „Schlagermove“ in Hamburg – eine Art „Love Parade“ der Stimmungsmucke. Fünf Millionen Zuschauer schalteten ein, als sich Helene Fischer in einer eigenen Show im ZDF austoben durfte. Mit Beatrice Egli gewann 2013 eine Schlagersängerin „Deutschland sucht den Superstar“. Sie hat weit mehr als 300.000 Facebook-Fans.

Schlager ist überall. Fragt sich nur: Warum? Was zum Teufel macht diese Musik so erfolgreich? Phänomen Schlager – ein Erklärungsversuch.

Was ist Schlager, was nicht? Eine schwierige Unterscheidung. Ein paar Merkmale scheint es zu geben: Schlager ist deutsch und hat eine einfache Melodie. Seine Texte handeln meistens von Herzschmerz und Sehnsucht. Manchmal aber eben auch von zehn nackten Friseusen.

Früher machten sogar die Beatles Schlager

„Zunächst war Schlager einfach ein erfolgreiches Lied, das auf Deutsch gesungen wurde“, sagt Schlagerforscher Ingo Grabowsky. „Der Name kommt aus der Wirtschaftssprache und stand für ein Produkt, das eingeschlagen hat.“ Das erste Stück, das jemals als Schlager bezeichnet wurde, war ein Walzer von Johann Strauss.

Schlager war also: alles. Die Musik, zu der junge Leute auf Partys tanzten. Elvis, die Beatles. Sogar die Rolling Stones. Der Grund, wieso die Deutschen die Plattenläden stürmten und sich Musikshows im Fernsehen anschauten.

Dann der Bruch: „Der Studentenbewegung 1968 war plötzlich alles suspekt, was von den Altvorderen kam“, sagt Grabowsky. „Schlager verbanden sie mit Alt-Nazis und bürgerlichem Mief. Sie warfen ihm vor, unpolitisch zu sein.“

Und plötzlich bestanden Musiker wie Udo Lindenberg darauf, dass ihre Musik nicht mehr Schlager genannt wurde. Sie fanden neue Namen: Deutsch-Pop. Deutsch-Rock. Und so weiter.

Wer früher diese Musik hörte, tat es heimlich

Der Schlager hatte ein Image-Problem. Wer will schon von gestern sein? „Zum Teil bedient diese Musik immer noch hergebrachte Klischees", sagt Grabowsky. Viele Sängerinnen nähmen in ihren Liedern die Rolle der gekränkten, verlassenen Frau ein. „Du hast mich tausend Mal belogen“, singt Andrea Berg.

andrea berg
Bad Girl des Schlager: Andrea Berg hüllt sich gern in Lack und Leder

Schlager war nichts, wozu man sich bekannte. „Zum Teil war er musikalisch sehr anspruchslos“, sagt Grabowsky. Das liege daran, dass diese Musik seit den 70ern oft von Laien geschrieben worden sei statt von ausgebildeten Komponisten. Und das Publikum habe die Platten trotzdem gekauft. Nur eben heimlich.

Die Sehnsucht hat sich durchgesetzt

„Das Verhältnis zu eigenen Unterhaltungsmusik ist in Deutschland einzigartig“, sagt Grabowsky. Im Ausland würden Künstler dieses Genres viel eher respektiert. In Amerika zum Beispiel gebe es keinen Graben zwischen modernem Pop und traditioneller Country-Musik.

Inzwischen hat sich die Sehnsucht wieder durchgesetzt: nach Texten zum Nachsingen, nach einem Idol, das aus Deutschland kommt. Viele alte Barrieren hat Helene Fischer überwunden. „Diese Frau hat einfach Talent“, sagt Grabowsky. „Sie kann singen, sich bewegen, macht eine großartige Bühnenshow. Sogar meine Studenten erzählen, dass sie ihre Konzerte gut finden."

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Filed by Sabrina Hoffmann