KAMPALA/JUBA - Die Kämpfe im Südsudan dauern ungeachtet aller Appelle zu direkten Verhandlungen der Konfliktparteien an. Vor allem in den Bundesstaaten Jonglei und Unity werde gekämpft, sagte Ugandas Vize-Außenminister Henry Okello Oryem. "Der Krieg geht weiter", betonte Oryem, der am Freitag in Nairobi am Sonder-Gipfel der ostafrikanischen Regionalorganisation IGAD zur Südsudan-Krise teilgenommen hatte.

Der Anführer der Rebellen, der frühere südsudanesische Vizepräsident Riek Machar, wies inzwischen die Forderung nach Beendigung der Kämpfe zurück. Von elf verbündeten Politikern in Haft seien erst zwei freigelassen worden, sagte Machar am Freitag dem britischen Sender BBC. Damit seien die Bedingungen für Verhandlungen mit der Regierung noch nicht erfüllt.

Der südsudanesische Präsident Salva Kiir sieht in den Inhaftierten Putschisten. Bei den seit zwei Wochen andauernden Kämpfen sind Hunderte von Menschen getötet und mindestens 120.000 Menschen zur Flucht gezwungen worden.

Machar beschuldigte in einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Sudan Tribune" die Luftwaffe Ugandas, Positionen ihm ergebener Kräfte der Sudanesischen Befreiungsarmee" (SPLA) bombardiert zu haben. Eine Maschine vom Typ Mig-29 habe Positionen nahe der Stadt Bor im Bundesstaat Jonglei angegriffen.

Friedenstruppen treffen ein

Die Staats- und Regierungschefs aus Kenia, Uganda, Äthiopien, Somalia and Dschibuti sowie Repräsentanten aus dem Südsudan und dem Sudan hatten Kiir und Machar am Freitag aufgefordert, noch vor Jahresende Verhandlungen aufzunehmen. Ein Militärputsch gegen die Regierung in Juba werde nicht hingenommen, hieß es. Es wurde aber nicht ausgeführt, welche Maßnahmen die Nachbarn des Südsudans nach Ablauf des viertägigen Ultimatums ergreifen würden.

Machars Rebellen hatten Mitte Dezember den Konflikt entfacht, als sie ölreiche Regionen des Landes besetzten. Kiir hatte im Juli seinen Stellvertreter Machar entlassen, dem er Umsturzversuche vorwirft. Machar forderte Kiirs Rücktritt, da er diktatorische Tendenzen habe. Beide gehören verschiedenen Volksgruppen an: den Dinka und den Nuer. Ihre Animositäten gehen mehr als zwei Jahrzehnte zurück, als beide rivalisierenden Rebellengruppen angehörten. Der Südsudan existiert erst seit Juli 2011, als er vom Sudan unabhängig wurde.

Am Freitag trafen nach UN-Angaben mit 72 Polizeioffizieren aus Bangladesch die ersten zusätzlichen Friedenskräfte im Südsudan ein. Am Dienstag hatte der UN-Sicherheitsrat die Verdopplung des UN-Kontingents von knapp 7000 Mann ("Blauhelmen") - Soldaten und Polizisten - in dem ostafrikanischen Land beschlossen. Etwa 63.000 Menschen haben in den vergangenen Wochen Zuflucht in UN-Camps im Südsudan gesucht.