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NSA-Überwachung: Snowden-Vertrauter Greenwald fordert Hacker auf, sich zu wehren

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HAMBURG - Der Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald ist überzeugt davon, dass der Kampf um die Privatsphäre nach den Geheimdienst-Enthüllungen vor allem über Technologie ausgefochten wird. Er habe wenig Hoffnung, dass der US-Kongress dem Geheimdienst NSA wirksame politische Grenzen setzen werde, sagte Greenwald am Freitag bei einem Auftritt auf dem Hackerkongress 30C3 in Hamburg.

Internationale Abkommen, wie sie die deutsche Bundesregierung anstrebt? Naiv. Für Greenwald gibt es vor allem einen Ausweg: Technologie.

Daher setzt er die größte Hoffnung auf Computerexperten und Hacker wie die Teilnehmer beim Hamburger Chaos Communication Congress: "Letztlich wird der Kampf über die Freiheit des Internets vor allem auf dem Schlachtfeld der Technologie geführt werden“, sagt er. „Die NSA weiß das". Greenwald rief die Hacker daher zum Widerstand gegen die Überwachung auf und forderte von ihnen, sich für den Schutz der Privatsphäre einzusetzen.

Hacker können helfen, mit Enthüllungen die Praktiken der Geheimdienste aufzudecken. Aber damit greift Greenwald zu kurz: Denn Hacker könnten durch eigene Innovationen etwa im Bereich der Verschlüsselungstechnik auch anderen Menschen helfen, ihre Privatsphäre zu bewahren. Diese Verantwortung sollten sie übernehmen.

"Wir müssen das Internet neu erfinden"

Technisch gibt es in dem Feld viel zu tun. Zu kompliziert sind Verschlüsselungsprogramme bislang, mit denen sich normale Nutzer schützen könnten, zu wenig kompatibel mit ihrem Alltag. So sehr die Menschen auch von den Spionage-Aktivitäten der internationalen Geheimdienste beunruhigt sein mögen, so wenig können sie bislang dagegen unternehmen. Dieses Gefühl der Ohnmacht sorgt dafür, dass viele das Thema einfach versuchen, zu ignorieren.

Mit seinen Appellen folgte Greenwald den anderen Rednern des Tages, die in eine ähnliche Richtung argumentierten. "Wir sind aus einem Alptraum aufgewacht in eine Realität, die noch schlimmer ist", sagte Auftaktredner Tim Pritlove. "Wir müssen das Internet neu erfinden, wir müssen das Internet neu denken." Der Lebensraum der Szene werde durch die Überwachung wie durch ein Gift bedroht.

Auch Pritlove rief die versammelten Hacker im vollbesetzten Saal des Congress Centrums Hamburg dazu auf, sich gegen die ausufernde Überwachung zu wehren. Die Geschwindigkeit, mit der sich die digitale Überwachung verbreite, müsse verlangsamt werden, sagte er. "Habt Spaß und rettet die Welt", rief er den Teilnehmern zu.

Wie wird die Hacker-Szene reagieren?

Bis Montag erwarten die Teilnehmer des Kongresses dutzende Vorträge, Projekte und Präsentationen. Dabei werden die NSA-Enthüllungen immer wieder eine Rolle spielen. So nahm der Linguistik-Professor Martin Haase die Versuche deutscher Politiker aufs Korn, die Tragweite der Enthüllungen kleinzureden. Besonders die Aussagen des damaligen Kanzleramtschef Ronald Pofalla, die NSA-Affäre sei beendet, nahm er unter den Lachern der Zuhörer auseinander.

Auf dem Kongress steht die Hackerszene aber auch vor der Frage, wie sie politisch und technisch auf die Erkenntnisse aus den Snowden-Dokumenten reagieren will. In mehreren Vorträgen soll es um Gegenmaßnahmen wie Verschlüsselung und Anonymisierung gehen.

Der Kongress ist gleichzeitig das Jubiläumstreffen des Clubs, er findet dieses Jahr zum 30. Mal statt. "Die Themen, um die es hier geht, werden immer wichtiger für die Gesellschaft", sagte Rieger. Auch daher sei das Interesse gestiegen. Viele Teilnehmer nennen das Treffen "30C3", das Kürzel steht für den 30. Chaos Communication Congress, so der offizielle Titel.

 
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