6 Irrtümer über Kreativität

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CREATIVITY
Blend Images - JGI/Jamie Grill via Getty Images
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Aus den Resten im Kühlschrank ein Mittagessen zaubern. Eine Kollegin von einer neuen Methode überzeugen. Einen geistreichen Kommentar über die gestrige Episode von „Homeland“ twittern. Sie finden, das ist nichts Besonderes? Da möchten wir aber energisch widersprechen. Schließlich haben Sie in diesen Situationen Ihre Kreativität unter Beweis gestellt. Und auch in kreativen Dingen gilt, dass Übung den Meister macht. Ein durchaus lohnenswertes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass kreative Köpfe in vielen Lebenslagen klar im Vorteil sind.

Viele Menschen machen sich eine falsche Vorstellung davon, was es heißt, kreativ zu sein. Deswegen fällt es ihnen auch so schwer, ihr volles kreatives Potenzial zu entfalten. Wir räumen mit den sechs häufigsten Irrtümern in Sachen Kreativität auf und zeigen Ihnen, wie Sie Ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Irrtum Nummer 1: Ich bin nicht kreativ

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Jagt Ihnen das Stichwort „kreativ“ einen kalten Schauer über den Rücken? Das lässt keineswegs auf einen Mangel an Kreativität schließen, sondern deutet nur darauf hin, dass der Funken der Inspiration irgendwann verloren gegangen ist. „Jeder hat das Zeug dazu, kreativ zu sein“, erläutert David Goldstein, Künstler, Kreativberater und Koautor des Buches Creative You, in dem es um die Verbindung zwischen Kreativität und Persönlichkeit geht.

„Allerdings wird die Vorstellungskraft häufig schon in früher Kindheit im Keim erstickt. Beispielsweise malt ein fünfjähriges Mädchen den Himmel lila, weil ihr das besser gefällt als blau. Wird sie anschließend dafür kritisiert oder ausgelacht, lernt sie schnell, dass sie ihren kreativen Instinkten nicht trauen oder folgen sollte."

Für all diejenigen, die noch vom Kunstunterricht in der Schule Albträume haben, gibt es jedoch gute Neuigkeiten: Kreativität erfordert weder einen Pinsel noch eine Eins im Zeugnis.

Irrtum Nummer 2: Kreativität gleich Kunst

„Der erste Schritt zu mehr Kreativität besteht darin, die eigene, naturgegebene Kreativität zu erkennen“, erläutert Goldstein. Wer nicht gut dichten oder malen kann, ist deswegen noch lange nicht unkreativ. Haben Sie ein gutes Händchen, die richtigen Gesprächspartner auf Partys zusammenzubringen? Können Sie im richtigen Moment losplaudern, wenn andere nicht wissen, was sie sagen sollen? Dann zeigt sich Ihre Kreativität im Umgang mit anderen Menschen. Können Sie ebenso gut wie Ihre Fitnesstrainerin eine schweißtreibende Choreographie zusammenstellen? Auch das ist eine kreative Tätigkeit. Sind Sie ein Experte für 3D-Filme? Dann können Sie einen kreativen Blog darüber schreiben.

Irrtum Nummer 3: Kreativität ist mit dem Ernst des Lebens nicht zu vereinbaren

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Wer bis zum Hals mit Arbeit eingedeckt ist, sollte einen kühlen Kopf bewahren und nicht abschweifen, oder? Falsch gedacht! Wenn Sie durch eine kreative Beschäftigung einen geistigen Abstand zu Ihrem Problem gewinnen, fallen Ihnen anschließend meist bessere Lösungen ein, so Goldstein. Besser noch: In Studien wurden kreative Ausdrucksmöglichkeiten mit Stressabbau, höherer körperlicher und geistiger Gesundheit, gesteigertem Selbstwertgefühl und erholsamerem Schlaf in Verbindung gebracht.

Irrtum Nummer 4: Einige Menschen haben eine kreative Ader – andere eben nicht

In seinem Buch teilt Goldstein Kreativität in verschiedene Typen ein, die von der jeweiligen Persönlichkeit abhängen. „Kreativität wird vor allem davon beeinflusst, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist“, berichtet er. „Innovative Tätigkeiten erfolgen bei extrovertierten Menschen vor allem durch die Interaktion mit anderen, bei introvertierten Menschen hingegen eher durch ruhiges Nachdenken.“

Ausgesprochen extrovertierte Menschen haben wahrscheinlich eher im Gespräch mit Freunden einen Geistesblitz als allein im Auto. Introvertierte Zeitgenossen hingegen sind bei einem Brainstorming im Büro schnell überfordert, haben jedoch am nächsten Morgen unter der Dusche eine zündende Idee. „Zu wissen, wann und wo man am ehesten kreativ sein kann, beugt Frustrationen vor und hilft dabei, aufgeschlossen zu bleiben“, ist Goldstein überzeugt.

Irrtum Nummer 5: Ich habe keine Zeit für kreative Tätigkeiten

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Viele von uns bewundern die Arbeit von Künstlern, Schriftstellern oder Regisseuren, schrecken jedoch vor eigenen Projekten zurück, wenn sie erfahren, dass das Objekt ihrer Bewunderung täglich viele Stunden an seinem Buch tippt oder über 10 Jahre für seinen ersten Film gebraucht hat. Die Vorstellung, dass Künstler jede freie Minute ihrem Werk widmen, schüchtert Normalsterbliche derart ein, dass sie sich eine eigene kreative Tätigkeit nicht zutrauen, mahnt Goldstein.

Dabei ist es möglich, die eigene Kreativität in nur wenigen Minuten anzukurbeln. Und dies wiederum erhöht die Fähigkeit, sich selbst auszudrücken und Freude zu empfinden, erläutert Lee Crutchley, Zeichner, Designer und Autor von The Art of Getting Started, einem Arbeitsbuch, dass die Kreativität im Leser wecken soll. „Es genügt schon, ein paar Skizzen anzufertigen, wenn man gerade telefoniert, jeden Tag ein Foto zu schießen oder jede Woche eine Seite einer Kurzgeschichte zu schreiben. Der Trick besteht darin, sich keine Gedanken über die Qualität des eigenen Werks zu machen, sondern einfach den kreativen Prozess zu genießen.“

Wer jeden Morgen fünf Seiten verfassen kann und möchte, sollte sich natürlich in keinem Fall davon abhalten lassen. Wenn Sie aber nur ab und zu Lust haben, ein paar Bemerkungen in Ihrem Tagebuch festzuhalten, ist das auch okay und keinesfalls mit mangelndem Ehrgeiz gleichzusetzen.

Irrtum Nummer 6: Kreativ sein bedeutet, etwas zu tun

Sich Filme anzusehen oder Bücher zu lesen erscheint auf den ersten Blick eher passiv, kann aber – mit der richtigen Absicht dahinter – zu einer unglaublich kreativen Tätigkeit werden. „Lassen Sie das Geschehen nicht einfach vor sich ablaufen, sondern analysieren Sie es“, erläutert Crutchley. Fragen Sie sich, warum eine bestimmte Kameraeinstellung verwendet wird oder warum die Hauptfigur auf einmal Hamlet zitiert. „Jedes kreative Werk hat eine Aussage“, fährt er fort. „Herauszufinden, was ein kreatives Werk ausdrücken möchte, hilft dabei, herauszufinden, was man selbst ausdrücken möchte.“

Übersetzt aus der Huffington Post von Julia Keinert. Hier geht’s zum Original.

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