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Sicherheitsexperte: Wenn die Deutschen Dialekt sprechen, verstehen die US-Spione sie nicht

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Dass die USA Deutschland und die Deutschen ausspioniert haben, gilt mittlerweile als sicher. Dabei hätte es sich mithilfe der Sprache so einfach verhindern lassen. Die Idee kommt von einem Schweizer und bezieht sich in erster Linie auch auf die Schweiz. Aber sie lässt sich auf Deutschland übertragen.

Albert A. Stahel, Professor für Strategische Studien an der ETH Zürich und der Universität Zürich, rät der Schweiz, bei vertraulichen Gesprächen Mundart zu sprechen.

HuffPost: Warum?
Stahel: Das macht es schwer für die Spione aus den USA, weil sie nur Schriftdeutsch (Hochdeutsch) verstehen. Mundart hat eine andere Grammatik als das Schriftdeutsch, weil sie verschiedene Verschiebungen nicht mitgemacht hat. Das Schriftdeutsch ist ja ursprünglich sächsische Amtssprache, die sich entwickelt hat.

HuffPost: Das, was Sie gerade sprechen, ist keine Mundart?
Stahel: Jetzt bemühe ich mich, Ihre Sprache zu sprechen. Mundart würden auch Sie wohl nicht verstehen. Viele Ausdrücke im Schweizerdeutsch kommen übrigens aus dem Italienischen und dem Französischen.

HuffPost: Zum Beispiel?
Stahel: Wir sagen nicht tschüss, sondern ciao.

HuffPost: Und das spricht bei Ihnen jeder?
Stahel: Das sprechen alle. Ich auch, wenn ich mit meiner Familie rede. Das Schweizerdeutsch ist eine uralte Sprache, die sich erhalten hat, weil wir sie aus Tradition gepflegt haben.

Tradition schlägt also amerikanische Überwachungstechnik. Und es waren die Amerikaner, die es vorgemacht haben: Während des Zweiten Weltkriegs stellten die US-Streitkräfte Angehörige des Indianer-Stammes der Navajo als Funker ein. Die Japaner haben zwar die Amerikaner abgehört, aber nichts verstanden.

Und was laut Stahel damals für die Abhör-Abwehr der USA galt und nun für die der Schweiz gilt, ließe sich auch in Deutschland simpel umsetzen, sagt der Sicherheitsexperte. Und fordert deshalb: „Die Dialekte müssen in Deutschland eine Renaissance haben. Mundart muss wieder gepflegt werden."

HuffPost: Aber wenn sich ein Bayer mit bayerischem Dialekt dann mit einem Plattdeutsch sprechenden Norddeutschen unterhalten muss?
Stahel: Wer Mundarten spricht, tut sich auch leichter damit, sich in andere Sprachen hineinzudenken.

HuffPost: Wenn Mundart nur Vorteile hat, warum spricht sie dann bei uns in Deutschland niemand?
Stahel: Es ist eine Frage des gesellschaftlichen Wertes. Wer Mundart spricht, ist nicht so angesehen wie jemand, der Hochdeutsch spricht. Das ist das Hindernis.

Solange die Rückkehr zur Mundart noch auf sich warten lässt, schlägt Stahel ein anderes traditionelles Kommunikationsmittel vor: den Brief. "Warum nicht einfach per Post?", fragt er.

HuffPost: Das dauert doch viel zu lange!
Stahel: Ach, Geschwindigkeit ist doch gar nicht so wichtig.

HuffPost: Es gibt sicher politische oder wirtschaftliche Anliegen, da ist sie das schon.
Stahel: Ach, das meint man nur.

HuffPost: Und Briefe sind sicher? In der ehemaligen DDR hat die Staatssicherheit welche abgefangen, gelesen, wieder zugeklebt und weitergeleitet, ohne dass die Empfänger es gemerkt haben.
Stahel: Dann schickt man den Brief an jemand anderen. Es gibt zig Möglichkeiten. Es ist der beste Weg.

Das gilt natürlich auch für die Kanzlerin...

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Filed by Jan David Sutthoff