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Sigmar Gabriel hat sich verändert: Vom Kettenhund zum netten Hund

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GABRIEL
Sigmar Gabriel | Getty

Lange, ziemlich lange, war Sigmar Gabriel vor allem fürs Poltern bekannt. Wer sich seine Reden anhörte, erwartete deftigen Worte, wütend vorgetragenen Angriffe auf die anderen Parteien. Gabriel erfüllte diese Erwartungen so zuverlässig wie ein Kettenhund jeden anbellt, der auf seinen Hof kommt.

Zu Gabriels Anfängen in der niedersächsischen Landespolitik zu Beginn der 90er-Jahre versuchte der Ministerpräsident Kanzler Gerhard Schröder noch, Gabriel an die kurze Leine zu nehmen. Die beiden sollen sich damals schon ordentlich gezofft haben. Die Differenzen setzten sich in der Bundespolitik fort, als Schröder Kanzler war und sich der gewichtige Niedersachse, der früher als Berufsschullehrer tätig, zunächst nur zum SPD-Pop-Beauftragten ("Siggi Pop"). 2002 fing Gabriel an, öffentlich über die Vermögensteuern nachzudenken, gegen Schröders Willen. Dann war Schröder weg und Gabriel hatte mehr Spielraum, sich auszutoben. Einer, der ihn gut kennt, sagt: "Für Gabriel braucht man Nerven wie Drahtseile."

"Vielleicht bin ich dann weg"

Doch es hat sich etwas verändert bei Sigmar Gabriel, dem zweifachen Vater und Sohn aus extrem schwierigem Elternhaus. Er hat im Wahlkampf – um im Bild zu bleiben – auffallend wenig gebellt. "Vielleicht bin ich dann weg", räsonierte der 54-Jährige nach Angaben der "Zeit" noch vor einigen Wochen am Rande eines Wahlkampftermins. Gabriel war klar, dass das Wahlergebnis schlecht werden würde. Auch wenn er vielleicht nicht sicher war, dass es so peinlich würde, 25,7 Prozent.

Und weil Gabriel sein Revier ziemlich gut kennt, ein gutes Gespür für Stimmungen hat, beraumte er für eine Woche nach der Wahl einen Parteikonvent an. Ein geschickter Zug: So gab es keine vorschnellen Konsequenzen. Beim Konvent dominierte dann nicht die Debatte über die Wahl, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen man zum Eintritt in die große Koalition mit der Union bereit ist. Und um die Basis mitzunehmen, entscheiden am Ende die rund 470 000 Mitglieder über einen Koalitionsvertrag. Auch die skeptische NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft konnte er auf die Linie "Große Koalition, wenn die Inhalte stimmen" einschwören.

Vertrauen versucht Gabriel auch bei Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer aufzubauen. Mit Erfolg offenbar. Seehofer sagte der "Süddeutschen Zeitung", er schätze das Bodenständige an Gabriel, er mache Politik aus dem Leben heraus. Er und Gabriel könnten "gut eine Currywurst an der Ecke essen".

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