In Rom wartet der Bischof von Limburg auf eine Entscheidung des Papstes. Bei Gesprächen im Vatikan soll sich Franz-Peter Tebartz-van-Elst für die gigantischen Baukosten seiner Residenz rechtfertigen. Inzwischen sind sie von ursprünglich geplanten fünf Millionen auf bis zu 40 Millionen Euro gestiegen. Dem Bischof wird außerdem vorgeworfen, diese Kosten vor Kirche und Öffentlichkeit verschwiegen zu haben.

Damit hat Tebartz-van-Elst gegen die „Rom-Grenze“ im Kirchenrecht verstoßen: Nach dieser Vorschrift müssen Ausgaben von mehr als fünf Millionen Euro dem Vatikan gemeldet werden. „Die vermögensrechtlichen Richtlinien sind streng, weil die Kirche das Geld der Gläubigen treuhänderisch verwaltet“, sagt Kirchenrecht-Experte Thomas Schüller zur Huffington Post.

Das Kirchenrecht sehe für Verstöße gegen die Rom-Grenze Strafen von unterschiedlicher Schärfe vor. In manchen Fällen hätten die Betroffenen nur eine Verwaltungsgebühr gezahlt und seien verwarnt worden. „Bußschweigen oder eine Bußzeit im Kloster sind auch Möglichkeiten der Bestrafung“, sagt Schüller. „Weil der Bischof von Limburg die geplanten Baukosten um das achtfache überstiegen hat, halte ich die Enthebung von seinem Amt für angemessen.“ Als nächste Stufe der Bestrafung könne die Kirche ihm auf Lebenszeit verbieten, weitere Ämter zu bekleiden.

Schüller rechnet damit, dass Tebartz-van-Elst innerhalb der nächsten 48 Stunden gezwungen sein werde, seinen Rücktritt einzureichen. Er stellt aber auch fest: „Von größerer Bedeutung als innerkirchlichen Konsequenzen wird eher eine strafrechtliche Verfolgung sein.“ Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat bereits Strafbefehl gegen den Bischof beantragt. Er soll bei einer eidesstattlichen Erklärung gelogen haben. In einem Zivilverfahren ging es dabei um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien. Gegen den Bischof wurden auch mehrere Anzeigen wegen Untreue erstattet.

Er soll Besitztümer des bischöflichen Stuhls verscherbelt haben. „Der Bischofssitz verfügt über kein signifikantes Barvermögen. Das Geld ist in Ländereien und Immobilien angelegt“, erklärt Schüller. „Als Tebart-van-Elst die Rechnungen der Handwerker bezahlen musste, verkaufte der Bischöfliche Stuhl 2011 seinen Anteil am katholischen Siedlungswerk für 6,8 Millionen Euro an das Bistum.“ Bistum und Bischöflicher Stuhl seien unterschiedliche Körperschaften einer Bischofskirche. Es sei eher selten, dass sie untereinander Besitztümer beliehen und verkauften.

In Limburg gebe es allerdings Vorwürfe, dass der Preis für den Anteil am Siedlungswerk unter dem tatsächlichen Wert gelegen habe. Der Verkauf wäre dann ein sogenanntes „Schlechterstellungsgeschäft“, sagt Schöller. Das sei strafbar, wenn es sich um öffentlich-rechtliches Vermögen handle.

Tebartz-van-Elst ist möglicherweise nicht das einzige Mitglied des Bistums Limburg, das in den Fall verwickelt ist. Auch der Generalvikar, persönlicher Beauftragter für den Bau des Bischofssitzes, könnte die Wahrheit gekannt haben. Zweifel hat Thomas Schüller auch an den Unschuldsbeteuerungen der kirchlichen Kontrollgremien in Limburg. Der Vermögensverwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls beklagte sich öffentlich darüber, von Tebartz-van-Elst getäuscht worden zu sein.

„Ich kann das Lamento nicht nachvollziehen“, sagt Schüller. Die Mitlieder des Rats seien gestandene Männer: Jochen Riebel, ehemaliger Chef der hessischen Staatskanzlei, der Wirtschaftsprüfer Carl-Friedrich Leuschner und Theodor-Michael Lucas, Vorstandssprecher der Josefs-Gesellschaft. „Es macht mich nachdenklich, dass sie nichts bemerkt haben wollen.“