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Reiseziele für Menschen mit Behinderung

13/05/2017 12:15 CEST | Aktualisiert 13/05/2017 12:15 CEST
Wavebreakmedia via Getty Images

Menschen mit Handicap reisen mindestens genauso gerne wie Menschen ohne. Egal ob es sich um einen Kurztrip in eine andere Stadt oder einen mehrwöchigen Urlaub am Meer oder in den Bergen handelt, reisen ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Mit besonderen Bedürfnissen auf Reisen gehen

Reisende mit Handicap haben dabei oft besondere Bedürfnisse auf die Hoteliers, Freizeiteinrichtungen, Ausflugsziele und nicht zuletzt auch die Verkehrsbetreiber immer mehr eingehen.

Jahr für Jahr verbessern sich die Konditionen für Reisende mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung, da nicht zuletzt auch die Akzeptanz von besonderen Bedürfnissen in vielen Teilen der Welt schon zur Normalität geworden ist und viele spezielle Angebote sowohl für Individualreisende als auch mit professioneller Begleitung angeboten werden.

Barrierefrei reisen hat sich zu einem komplexen Markt mit vielen verschiedenen Angeboten entwickelt, die nicht immer einfach zu überschauen sind.

Empfehlenswerte Reiseziele für Menschen mit Behinderung

Eine pauschale Empfehlung für einzelne Ziele ist nicht möglich, da die individuellen Anforderungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen von Individuum zu Individuum einzigartig sind.

Allerdings kann man durchaus Tendenzen erkennen und Reiseziele nennen, in denen Menschen mit Behinderung nicht unnötig in ihrem Bewegungsradius behindert werden und den Aufenthalt bzw. Urlaub komplett genießen können. Allgemein sind Reiseziele in Deutschland und Europa, insbesondere in Mitteleuropa, Skandinavien und Westeuropa empfehlenswert. Wer Internet hat kann sich vorab mit der Wheelmap, einer super tollen Initiative des Vereins Sozialhelden e.V. informieren.

Auch in Süd- und Osteuropa gab es in den letzten Jahren viele Verbesserungen. Städte wie Berlin, Paris, London oder Wien sind einfach zu bereisen und Menschen mit speziellen Bedürfnissen sind dort selbst sehr mobil.

Andere Städte wie Rom, Istanbul oder Lissabon sind durch ihre engen Gassen mit Kopfsteinpflaster sowie ihre Topografie zum Beispiel für Menschen, die im Rollstuhl reisen, wesentlich schwieriger zu erkunden.

Bei klassischen Erholungsurlauben in den Bergen oder am Meer ist es vor allem wichtig auf die konkrete Ausstattung der Unterkünfte, der Seilbahnen, Wanderwege oder Badeanlagen/Strände zu achten. Grundsätzlich gilt aber eine Empfehlung: Je höher der Entwicklungsstand eines Landes, desto einfacher ist es zu bereisen.

Große Herausforderung für Reisende mit Handicap

Schwieriger und wesentlich komplexer in der Vorbereitung sind Reisen in Länder mit niedrigerem Entwicklungsstand. In vielen Gebieten der Welt wurde in der Vergangenheit und wird bis heute den Bedürfnissen von Menschen mit speziellen Bedürfnissen leider nur geringe Aufmerksamkeit beigemessen.

Zwar herrscht oft Bewunderung und auch große Hilfsbereitschaft, wenn man diese Länder bereist, das absolute Fehlen von barrierefreien Einrichtungen, Unterkünften und nicht zuletzt auch die permanente Aufmerksamkeit können eine Reise aber sehr anstrengend und ermüdend machen.

Eine pauschale Einstufung der Kontinente kann man nicht machen, mit wenigen Ausnahmen (Israel, Südafrika, VAE, usw.) sind Asien, Afrika und Südamerika aber eher schwierig zu bereisen, Nordamerika, Australien und Europa einfacher.

Barrierefrei reisen ist nach wie vor schwierig

An vielen Orten hat man bisher wenig oder noch gar nicht über die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap nachgedacht oder macht das Reisen unnötig kompliziert. Lange Vormeldefristen für die Mobilitätshilfen von Airlines oder Eisenbahngesellschaften aber auch fehlende Standards, beispielsweise bei der Ausstattung von Hotelzimmern oder der Zugänglichkeit von Sehenswürdigkeiten, können immer wieder negative Überraschungen bereithalten.

Bezeichnungen wie „Barrierefrei", „Barrierearm", „Behindertengerecht" oder „Rollstuhlgerecht" können zwar als Anhaltspunkte bei der Planung einer Reise herangezogen werden, trotzdem ist es ratsam, die konkrete Situation bzw. Ausstattung zu erfragen oder auch durch Onlinebewertungen oder Abbildungen einzuschätzen.

Ratschläge zur Vorbereitung der Reise

Wichtig für Menschen mit Behinderung ist eine gute und umfassende Planung einer Reise. Auch wenn dies zeitintensiv und komplex erscheinen mag, so handelt es sich trotzdem um die Planung für die schönsten Tage des Jahres, auf jeden Fall ist es sinnvoll investierte Zeit.

Tipps für die Anreise

Geklärt werden muss auf jeden Fall die Barrierefreiheit und Bequemlichkeit der Anreise (Bahn, Flugzeug, Bus, Auto) und ob eine etwaige Voranmeldung, zum Beispiel für Menschen die im Rollstuhl reisen oder für die Hilfestellung mit dem Gepäcktransport, erforderlich ist.

Eine barrierefrei Unterkunft finden

Zweites Hauptaugenmerk ist die Unterkunft. Hier muss man alle individuellen Bedürfnisse, die die persönliche Beeinträchtigung verursacht, bedenken. Rechtzeitig vor der Anreise empfiehlt sich der Kontakt mit den örtlichen Tourismusverbänden und Behindertenverbänden, die häufig Tipps und Ratschläge, teilweise auch komplette Reiseführer und Guides bereithalten. Nicht zuletzt sind auch die Websites der Sehenswürdigkeiten und der öffentlichen Verkehrsmittel in fast allen Fällen sehr konkret und hilfreich.

Warum eine gute Vorbereitung wichtig ist

Für die schönsten Tage des Jahres ist eine gute Vorbereitung notwendig. Nach der Klärung der Frage, welche Art von Urlaub man erleben möchte helfen Verbände vor Ort, spezialisierte Reisebüros oder auch Webseiten mit Tipps von Reisenden bei der Einschränkung des Reiseziels auf ein konkretes Ziel.

Bei der anschließenden Vorbereitung für den Aufenthalt ist der Kontakt mit Verbänden vor Ort, der lokalen Touristeninfo und gegebenenfalls auch den einzelnen Sehenswürdigkeiten, Restaurants, usw. ratsam, damit der Urlaub dann vor Ort zum unkomplizierten Genuss werden kann.

Gruppenreisen für Menschen mit Behinderung

Alternativ kann man natürlich auch auf betreute Gruppenreisen, die von einigen Reiseanbietern angeboten werden, zurückgreifen. Hier gibt es zwar weniger Individualität, dafür entfällt ein Großteil der Vorausplanung. Insbesondere für Menschen, die gerne in der Gruppe unterwegs sind, ist dies mit Sicherheit eine gute Alternative.

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