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"Mein Baby, darf ich um dich trauern?"

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Portrait of a beautiful young woman with a braid. | Johner Images via Getty Images
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Mit 20 Jahren wurde ich pl├Âtzlich schwanger. Ohne zu ├╝berlegen beschloss ich dieses Kind gro├č zu ziehen. Ich besprach alles mit meinem Freund, er freute sich auch. Wir waren so gl├╝cklich. Meine Untersuchungen liefen immer einwandfrei. Jedes mal war mehr zu sehen. Alles war gut.

Bis zu dieser einen Untersuchung. "Hat jemand bei ihnen in der Familie einen Herzfehler?", fragte mich die Ärztin. Mehr als ein stumpfes "Nein" brachte ich in diesem Moment nicht heraus. "Wieso? Was ist los?" Ich war versteinert. Eine Scheidewand des kleinen Herzens war nicht zu erkennen. Vielleicht lag das Baby ungelegen. Ich ging ins Wartezimmer.

Ich konnte die Tr├Ąnen einfach nicht zur├╝ckhalten. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Wie w├╝rde es nach der Geburt weitergehen? Ich beruhigte mich und dachte nur daran, dass lieber das Herz nicht in Ordnung sei, als das Gehirn.

Wie konnte das sein?

Als ich dann bei einem Spezialisten war, konnte man erkennen, dass die komplette Scheidewand des Herzchens fehlte. "Kinder mit Trisomie haben h├Ąufig diesen Herzfehler" meinte die ├ärztin. Die Nieren waren auch nicht okay. Zu guter letzt, fehlte das Nasenbein.

Ich konnte es nicht glauben, ich bin nun 21 Jahre alt, nicht vorbelastet, wie konnte das sein? W├╝rde ich mit einem Trisomie-Kind zurechtkommen? So viele OP's, Beschwerden und eine eventuelle geistige Behinderung? W├╝rde das Kind das wollen? Er w├╝rde es nicht anders kennen, k├Ânnte gl├╝cklich sein. Aber was, wenn nicht.

Doch erst stand noch die Fruchtwasseruntersuchung bevor. Noch am selben Tag. In der Zeit bevor das Ergebnis kam, betete ich viel, ging in Kirche, in der Hoffnung, dass mein Baby nicht behindert sei. Oder wenn, dass ich wenigstens die richtige Entscheidung treffen würde, ob ich ihn behalte oder die Schwangerschaft abbreche. In der Kirche sagte man mir mein Kind werde gesund sein. Doch trotz meines Vertrauens zu Gott, vertraute ich den Ärzten was eindeutige Tests betrifft.

"Mein Entschluss stand fest."

Am Montag war das Ergebnis klar. Trisomie 21. Ich weinte, was ich ohnehin die letzten Tage schon getan hatte. Doch mein Entschluss stand fest. Ich wollte mein Kind gehen lassen. Nur eine Trisomie, oder nur ein schwerer Herzfehler h├Ątten vielleicht zu einer anderen Entscheidung gef├╝hrt. Dabei bin ich auch noch so jung. W├Ąre ich eine gute Mutter? Ich hoffte, dass Gott mir beistehen w├╝rde und mich dabei unterst├╝tzen, mir verzeihen w├╝rde.

Im Krankenhaus die Einleitung. Donnerstag fing es an. Bis Samstag hielt ich die Wehen aus, ohne auch nur ein Mal untersucht zu werden. Ich wollte, konnte nicht loslassen. Er auch nicht. Fing ich jetzt schon an zu bereuen?

Irgendwann konnte ich auch nicht mehr. Die ├ärztin kam rein und ich kam in den Krei├čsaal. Jetzt war alles zu sp├Ąt. Ich brachte mein lebendes Sternenkind zur Welt. Er schrie, ich weinte, schrie und hielt mir die Ohren zu. Ich war fertig. Die Hebamme rannte mit meinem Baby raus und kam nach 5 Minuten wieder rein. Mit meinem toten Baby. Er hatte dieselbe Nase wie sein Papa. Pl├Âtzlich zuckte er, ich schreckte zur├╝ck und weinte und konnte ihn nicht ansehen.

Wenig sp├Ąter lag ich im Aufwachraum. "M├Âchten sie ihr Kind noch einmal sehen?" Ich verneinte.

Darf ich weinen? Es war doch meine Entscheidung. Darf ich trauern? Schlie├člich wollte ich es doch so. Andererseits bin ich es ihm schuldig. Er ist ein Mensch, ich liebe ihn, egal welche Entscheidung ich traf, ich traf sie aus Liebe. Mein Sohn wird mir im Himmel dankbar sein, oder er wird mir verzeihen. Das zumindest hoffe ich.

Zum Gl├╝ck hatte ich die Chance ihn noch einmal zu sehen, zu halten und zu ber├╝hren. Er ist so wundersch├Ân.

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